Auf Österreichs Arbeitnehmer könnten strengere Regeln beim Krankenstand, speziell bei Missbrauchsverdacht, zukommen. Gewerkschafter befürchten jedenfalls Verschärfungen aufgrund eines Forderungspapiers der Wirtschaftskammer für die neue Krankenordnung der fusionierten Gesundheitskasse (ÖGK) ab 2020. Das Papier, das der "Wiener Zeitung" vorliegt, sieht vor, dass bei Missbrauchsverdacht der Arbeitgeber eine Prüfung des Gesundheitszustandes anordnen kann, Ortswechsel im Krankenstand müssen nicht bewilligt werden, voraussichtliche Dauer, Ursache und Ausgehzeiten sollen bei der Krankenstandsmeldung angegeben werden.

Die Wirtschaftskammer war am Mittwoch um Beruhigung bemüht. Es gehe darum, "Missbrauch einzudämmen". Es gehe "nicht um die Bekanntgabe von Diagnosen", wurde der "Wiener Zeitung" in einer Mitteilung versichert. Arbeitnehmer müssten demnach dem Dienstgeber nicht die genaue Krankheit melden.

Bezug von Krankengeld
bis zu 78 Wochen

Fix ist, dass die neue Krankenordnung am kommenden Dienstag im Überleitungsausschuss der Gesundheitskasse beschlossen werden soll. Was tatsächlich fixiert wird, ist offen. Umgekehrt sind auf Betreiben der Arbeitnehmervertreter auch günstigere Regelungen vorgesehen. So soll im Krankheitsfall der Bezug von Krankengeld österreichweit einheitlich bis zu 78 Wochen statt bisher 52 Wochen möglich werden, wie das bisher in Oberösterreich gilt. Weiters werden die Richtlinien für die freiwilligen Unterstützungen in Form von Zuzahlungen etwa bei Prothesen oder Zahnkronen ab Jahresbeginn mit der Fusion der Gebietskrankenkassen vereinheitlicht.

Im Forderungspapier der Wirtschaftskammer geht es um strengere Kontrollen. So wird ausdrücklich verlangt, dass bei Missbrauchsverdacht künftig ein "Anspruch des Dienstgebers auf eine Prüfung des Gesundheitszustandes" des Arbeitnehmers geschaffen werden soll. Bisher haben Dienstgeber lediglich die Möglichkeit, die Durchführung einer solchen Kontrolle durch die Krankenkassen "anzuregen", wie als Begründung angeführt wird.

Eine strengere Regelung wünscht sich die Wirtschaftskammer für den Fall eines Ortswechsels während des Krankenstandes. Derzeit muss die Krankenkasse Arbeitnehmern einen Ortswechsel genehmigen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden. Nach dem Forderungspapier soll aus einer Muss-Bestimmung künftig eine Kann-Bestimmung für die Kasse werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden.