Nach wochenlangem Hin und Her lief am Freitagnachmittag dann alles recht beschleunigt ab. Das Parteigericht habe getagt, der Wiener Landesparteivorstand ebenso, und Heinz-Christian Strache sei einstimmig aus der Partei ausgeschlossen worden, sagten FPÖ-Chef Norbert Hofer und der geschäftsführende Wiener Landesparteiobmann Dominik Nepp in knappen Worten vor Journalisten.

Man habe darauf geachtet, dass alles korrekt ablaufe und habe Strache ein faires Verfahren gewährleisten wollen, betonten Hofer und Nepp, Strache aber sei nicht zu seinem Ladungstermin erschienen. Stattdessen habe er in einem eingeschriebenen Brief und in einem E-Mail wissen lassen, er halte das Parteigericht für "entbehrlich". Nun wird allseits erwartet, dass Strache sich bald zu seiner neuen Partei "Die Alternative für Österreich" (DAÖ) bekennt, die in Wien dank dem am Donnerstag gegründeten Klub auch schon im Gemeinderat vertretenen ist und sich über bis zu 62.000 Euro Klubförderung im Monat freuen darf.

Dass Strache hinter dem neuen Projekt steckt, steht nämlich auch für die FPÖ-Spitze außer Frage. Die Parteigründung sei vom Vorstand "in Betracht gezogen worden", sagte Nepp, die drei Wiener Gemeinderäte seien sicher nicht alleine auf die Idee gekommen, sich abzuspalten. Auch habe sich Strache in den letzten Wochen um Geldgeber bemüht und sei auch aktiv an andere FPÖ-Mitglieder herangetreten. Mit dem heutigen Tag aber sei "Ibiza nun für uns Geschichte", sagte Hofer. Es ist der Versuch eines Schlussstrichs mittels Parteiausschluss.

Schlammschlacht droht


Spätestens seit der Spesenaffäre und dem Absturz bei der Nationalratswahl und den Landtagswahlen bemüht sich die FPÖ, die Last der Ibiza- und Spesenschlagzeilen ihrem jahrzehntelangen Zugpferd zu überantworten.

Am Freitag versuchte Hofer, sogleich mit dem Framing der gewünschten neuen FPÖ zu beginnen. Eine "seriöse, stabile, rechtskonservative Partei" soll es werden, mit "hohen Ansprüchen an die Repräsentanten und einer neuen Bescheidenheit".

Ein "neuer Kommunikationsstil" soll her, ein neues "Verhältnis zu den Medien, das von Respekt und Verständnis" geprägt sein soll. Eine "Partei ohne Personenkult", wie es ihn – offenbar – unter Strache gegeben hat. Und vor allem, denn vor solchen hat man am meisten Angst: Eine "Partei, in der es keine Skandale gibt." Eine Compliance-Arbeitsgruppe tagt unter der Führung Manfred Haimbuchners, des neuen starken Mannes in der Partei aus Oberösterreich. Und unter Leitung des Welser Bürgermeisters Andreas Rabl wird über "Zukunft" diskutiert.

Der Schlussstrich durch Straches Ausschluss ist aber einstweilen nur ein Versuch. Zumindest in Wien droht der FPÖ eine Schlammschlacht mit der mutmaßlichen neuen Strache-Partei. Ziemlich genau 14 Jahre lang war Strache FPÖ-Chef. In dieser Zeit hat er auch enormes Wissen über einzelne Parteifreunde angesammelt. Davon kann er nun jederzeit Gebrauch machen.

Er überlege ein "Comeback 2020", verkündete Strache am Freitag in einem Facebook-Video. Gegenüber der "ZiB 1" sagte Strache, er werde über Weihnachten über seine weiteren Schritte nachdenken. Gegenüber "oe24.tv" sagte Strache: "Wenn es ein gutes Projekt gibt, werde ich mir überlegen, ob es einen Sinn macht, auch in Wien anzutreten."

Den Parteiausschluss werde er nicht beeinspruchen. Noch bleibt abzuwarten, wie sich die wahrscheinliche, neue Strache-Partei positionieren wird. Ein Überschreiten der Fünf-Prozent-Hürde bei der Wien-Wahl im Herbst halten Politologen und Meinungsforscher aber für relativ wahrscheinlich. In die Quere kommen kann Strache dabei nur die Justiz. Nach wie vor ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn.