Ein Kuriosum innerhalb der FPÖ jagt das nächste. Am Donnerstag wurde durch die "Kronen Zeitung" bekannt, dass der ehemalige Vizekanzler und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache in der Zeit nach der Ibiza-Affäre offenbar Personen aus seiner eigenen Parteifamilie von einem Privatdetektiv beschatten ließ. Dass Strache sich von seinen ehemaligen Gefährten schlecht behandelt fühlt, machte er zuletzt deutlich und sprach von einer "Enttäuschung". Sein Nachfolger Norbert Hofer erfuhr von der Spionage aus der Zeitung und zeigte sich "not amused". Hofer bezeichnete das Vorgehen Straches vor Journalisten als "seltsam".

Konkret sind Fotos aus dem Verschlussakt der Staatsanwaltschaft aufgetaucht, die laut Bericht bei der Razzia gegen Strache im Zuge der Casinos-Affäre in seiner Klosterneuburger Villa durch die Soko Ibiza sichergestellt wurden. Diese zeigen Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus, mit dem Strache den folgenschweren Abend auf Ibiza verbrachte, beim Einsteigen in seinen Wagen nach einem Restaurantbesuch mit einem Bekannten. Die Fotos sollen aus dem vergangenen Juni stammen. Auch Straches Nachfolger als Wiener FPÖ-Chef, Dominik Nepp, soll bespitzelt worden sein.

"Rote Linie" gefordert

"Ja, es ist eine Rechnung für einen Detektiv bei der Partei eingegangen", sagte Hofer. "In welcher Höhe sie ist, kann ich hier nicht sagen." Die Rechnung sei von der FPÖ noch nicht bezahlt worden Die Rechnung für die angeblichen Spitzel-Aktivitäten gibt Hofer direkt an Strache weiter: "Die Rechnung wird an den Auftraggeber weitergeleitet werden."

Gudenus-Anwalt Heinz-Dietmar Schimanko kann das Vorgehen Straches nicht ganz nachvollziehen. Sein Mandant sei in Ibiza schließlich selbst Opfer einer Videofalle geworden. Dass Strache die Affäre misstrauisch gemacht haben könnte, hält Schimanko aber für "nachvollziehbar".

Eigentlich wollte Hofer über den FPÖ-Erneuerungsprozess berichten. Die Bilanz geriert jedoch in den Hintergrund und fiel auch nur vage und kurz aus. Konkretes soll auch erst zur FPÖ Klausur am 8. und 9. Jänner vorliegen.

Hofer will die FPÖ zu einer "stabilen, staatstragenden 25-Prozent-Partei" mit modernem, rechtskonservativem Antlitz machen. An der Ausrichtung in Sachen Sicherheit, Asyl und Leistung solle sich nichts ändern.

Behandelt werden soll auch der Umgang mit Rechtsextremismus. Laut dem Welser Bürgermeister Andreas Rabl, der eine Gruppe zur Parteizukunft leitet, wollen 70 Prozent der Funktionäre "eine rote Linie". Näher ausgeführt wurde dies nicht. Der "Narrensaum" soll aber nicht die Möglichkeit haben, FPÖ-Mitglied zu werden. Ob das auch Identitäre betreffe, sagte Rabl nicht. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass jemand, der bei den Identitären aktiv war, "für Rechtsstaat, Demokratie, Gewaltfreiheit eintritt".