Eisenstadt. Sechs Parteien werden in einem Monat auf den Stimmzetteln im Burgenland stehen und damit um eine weniger als bei der Landtagswahl 2015. Die damals noch kandidierende Christliche Partei Österreichs verzichtete ebenso wie die KPÖ auf das Sammeln von Unterschriften. Damit treten die fünf im Landtag vertretenen Parteien SPÖ, ÖVP, FPÖ, die Grünen und Bündnis Liste Burgenland (LBL) sowie die Neos am 26. Jänner 2020 an.

Für eine Kandidatur müssen im Burgenland in allen Wahlkreisen 180 Unterschriften, und damit deutlich mehr als bei einer Nationalratswahl (100), gesammelt werden. Diese hohe Hürde kritisierte die KPÖ. Die Neos, die sich erst Ende November offiziell für ein Antreten entschieden, haben es geschafft.

Im Burgenland ist überhaupt einiges anders. 36 Mandate werden verteilt, dies geschieht aber nach einem besonders stark ausgebauten Persönlichkeitswahlrecht. Für den Einzug in den Landtag braucht eine Partei vier Prozent landesweit oder ein Grundmandat.

Schafft eine Partei ein Grundmandat im Wahlkreis, dann ist dieses fix für den Kandidaten mit den meisten Vorzugsstimmen reserviert. Jeder Wähler kann dabei im Wahlkreis bis zu drei (unterschiedliche, aber einer Partei angehörende) Kandidaten und Kandidatinnen auswählen.

Auf Landesebene - für die Restmandate - kann eine Vorzugsstimme vergeben werden. Hier muss der Kandidat vier Prozent der Parteisumme an Vorzugsstimmen lukrieren, um vorgereiht zu werden. Klar geregelt ist in der Landtagswahlordnung, dass im Wahlkreis gewählte Kandidaten das Grundmandat annehmen müssen, also kein Landesmandat bekommen dürfen. Auch damit wird der Einfluss der Parteizentralen auf die Mandatszuweisungen etwas eingeschränkt.

Vorzugsstimme
vor Parteistimme

Die burgenländische Landtagswahlordnung weist noch eine andere Besonderheit auf, die es sonst (und dort von der Opposition heftig kritisiert) nur noch in Niederösterreich gibt: Kreuzt ein Wähler die Partei A, gibt aber einem Kandidaten der Partei B eine Vorzugsstimme, dann gilt sein Stimmzettel für die Partei B. Das (im Bund und den anderen Ländern) übliche Modell ist, dass die Stimme für die Partei A gilt und die Vorzugsstimme ungültig ist.

Nicht ganz so offen wie Niederösterreich, aber großzügiger als andere Länder ist das Burgenland in der Frage, wer den Landtag mitwählen darf. Wahlberechtigt sind nämlich auch Personen mit Nebenwohnsitz im Burgenland. Sie müssen jedoch zwei von vier Kriterien erfüllen - nämlich dass der Wohnsitz Mittelpunkt der wirtschaftlichen, beruflichen, familiären oder der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse ist.

Schon vor der Wahl 2015 hat das Burgenland zudem die Regierungsbildung vom Proporz- auf das Mehrheitssystem umgestellt. Somit bekommen nicht mehr automatisch alle stärkeren Parteien einen Sitz in der Landesregierung, sondern die Regierungsmitglieder werden vom Landtag gewählt.

Die stimmenstärkste Partei muss laut Landesverfassung nach der Wahl "zu ersten Verhandlungen zur Bildung der neuen Landesregierung" einladen. Es gibt also "echte" Koalitionsverhandlungen. In diesen schmiedete der damalige SPÖ-Landeshauptmann Hans Niessl 2015 die einzige rot-blaue Koalition Österreichs. Sein Nachfolger, Hans Peter Doskozil, blieb dabei - und zeigte bisher keine Anzeichen, dies nach der Wahl ändern zu wollen.