Wenn es um Aufteilung der Betreuung der Kinder geht, verhalten sich Eltern in Österreich nach wie sehr traditionell, wie eine kurz vor Weihnachten veröffentlichte Studie der Statistik Austria zu 2018 zeigt. Die Ökonomin Käthe Knittler hat erhoben, dass die Hälfte aller Mütter, deren Kinder unter 15 Jahre alt sind, entweder am Beginn in Karenz sind oder ihre Arbeitszeit verringert haben. Anders bei den Vätern: Hier geht jeder Zwanzigste in Karenz oder reduziert seine Arbeitszeit.

Besonders groß ist der Unterschied bei Eltern kurz nach der Geburt: War das jüngste Kind unter zwei Jahre alt, gaben 81,4 Prozent der Mütter an, entweder in Karenz oder Teilzeitarbeit zu sein; bei Vätern waren es 7,4 Prozent.

Werden die Kinder älter, gehen zwar sowohl Mütter als auch Väter wieder öfter einer bezahlten Arbeit nach. Aber: Der Einkommensunterschied beim Bruttostundenlohn zwischen Frauen und Männern, der laut neuesten verfügbaren Daten der Statistik Austria von 2017 bei rund 20 Prozent liegt, steigt wegen mehr unbezahlter Arbeit bei Frauen auf 37,3 Prozent. "Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit in den Haushalten, gerade auch wenn es Kinder gibt", erklärt Knittler.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Wir bleiben im Jahr 2018, wechseln aber zu jenen, die in diesem Jahr in Pension gingen: Die Frauen, die damals aus einer unselbständigen Arbeit in eine Alterspension gingen, erhielten im Durchschnitt 1158 Euro brutto im Monat, die Männer 1858 Euro. Unter den Selbständigen war der Unterschied noch größer, nämlich im Durchschnitt 873 Euro bei Frauen gegenüber 1999 Euro bei Männern.

Ein kleiner Teil dieses Unterschiedes ist für Wifo-Pensionsexpertin Christine Mayrhuber durch die ein bis zwei Jahre, die Frauen früher in Pension gehen, erklärbar: "Arbeitsunterbrechungen und lange Teilzeit wegen der Kinderbetreuung reißen die große Lücke in den Pensionsansprüchen von Frauen." Mayrhuber hat für das AMS eine Studie erstellt. Diese zeigt, dass lange Erwerbsarbeitsunterbrechungen und Teilzeitarbeit die Pension nach den ersten vier Jahren, in denen es einen fiktiven Ausgleich für Mütter gibt, deutlich verringert: Ein Jahr Kinder zu Hause zu betreuen, kostet Mütter ohne Erwerbsarbeit später 2,8 Prozent ihrer Pension. Ein Jahr in Teilzeitarbeit reduziert sie um rund ein Prozent.

Wie es zum
Pensionssplitting kam

Wir wechseln fast zwei Jahrzehnte zurück, ins Jahr 2000. Dem damaligen Frauenminister Herbert Haupt von der FPÖ, der erste und bisher einzige Mann in diesem Amt, schwebte eine Idee zur Lösung vor: Frauen sollten während der Kinderbetreuungszeiten einen Teil der in den meisten Fällen höheren Pensionsansprüche der Väter erhalten. Ihm schwebte ein also ein sogenanntes Pensionssplitting vor.