Die damalige Generalsekretärin des Koalitionspartners ÖVP, Maria Rauch-Kallat, später ebenfalls Frauenministerin, machte in etwa zur selben Zeit darauf aufmerksam, dass die Einkommenschere unter "sozialistischen Frauenministern" größer geworden sei. Neben gleichen Löhnen sei auch das Pensionssplitting eine Lösung dagegen.

Eine der damit angesprochenen, Barbara Prammer, damals SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende, direkt vor Schwarz-Blau Frauenministerin, sah im Pensionssplitting dagegen eine Methode, dass Frauen "wieder zum Anhängsel ihres Ehemannes" werden. Frauen sollen einen eigenständigen höheren Pensionsanspruch erwirtschaften, um im Alter eigenes Geld zu haben, "ohne dass sie vorher Witwe werden müssen". Auch für die Grünen war Haupts Vorschlag "unausgegoren". An der Kritik beider Parteien hat sich bis heute wenig verändert.

Das Pensionssplitting wurde mit der heftig umstrittenen Pensionsreform 2005 umgesetzt. In den ersten fünf Jahren stellten insgesamt gerade einmal 32 Elternpaare einen Antrag darauf; 2010 waren es dann 20 Eltern, 2011 halbierten sie sich dann wieder auf zehn.

Kommen wir zurück ins Jahr 2018: In diesem Jahr kamen genau 85.553 Babys in Österreich zur Welt, im selben Jahr beantragten 411 Eltern das Pensionssplitting. Von Beginn an bis 2018 waren es insgesamt nur 1293 Paare.

"Ich vermute mal, dass das ein Instrument ist, über das viele Frauen nicht Bescheid wissen. Ein Infofolder reicht da auch nicht, vor allem in einer Zeit, wo sich Eltern um früher anstehende Herausforderungen nach der Geburt kümmern müssen", sagt Mayrhuber. Die Pension ist zu dem Zeitpunkt noch weit weg.

Wie Eltern die
Ansprüche teilen

Die angesprochenen Infofolder gibt es von der Pensionsversicherungsanstalt: Darin erfahren Eltern, dass der Erwerbstätige beim Pensionssplitting bis zu 50 Prozent seiner Gutschrift am Pensionskonto auf jenes des Erziehenden übertragen kann, der sich in diesem Jahr "überwiegend der Kindererziehung gewidmet" hat.

Das heißt: Der Vater, der nach wie vor meistens mehr verdient als die Mutter, überträgt bis zur Hälfte seiner Pensionsbeiträge in dem Jahr an die Mutter, die zwar auch arbeiten kann, aber mehr Zeit als der Vater für die unbezahlte Kinderbetreuungsarbeit zu Hause aufwendet.

Der Antrag dazu kann auch später gestellt werden. Schluss ist damit, wenn das Kind zehn Jahre alt geworden ist. Und: Der, der abgibt, muss einer Erwerbsarbeit nachgehen, darf also zum Beispiel nicht arbeitslos sein.

Klingt kompliziert? Ist es aber nicht, denn die PVA liefert ein Beispiel: Der Vater verdient 33.707,80 Euro in dem Jahr, die Mutter 14.044,94. Er gibt ihr ein Fünftel seiner Pensionsbeiträge (1,78 Prozent vom Einkommen) weiter. Das entspricht 12,50 Euro Pension monatlich, die dann die Mutter des Kindes mehr erhält. "Der Elternteil, der einen Wert seiner Teilgutschrift abgibt, erhält dadurch grundsätzlich eine geringere Pension. Für den Elternteil, der die Teilgutschrift erhält, erhöht sich die Pension grundsätzlich", heißt es im Folder.