Übernimmt der Vater einen größeren Anteil der Kinderbetreuungsarbeit, kann er sich auch von der Mutter Pensionsbeiträge übertragen lassen. De facto waren 2018 von den 411 Fällen 31 Väter, also 7,5 Prozent, die Pensionsanteile von Müttern erhielten, und 380 Mütter, denen solche von Vätern übertragen wurden.

Die ungleiche Verteilung der bezahlten Arbeit ist in Österreich Normalität, denn eine weitere Studie Knittlers zeigt: Bei mehr als der Hälfte der Paare mit Kindern arbeitet der Mann Vollzeit, die Frau Teilzeit. Bei weniger als einem von 100 Paaren ist es umgekehrt.

Was die Politik
machen könnte

Ein Ausblick auf 2020: Soll die Regierung das Pensionssplitting, das kaum jemand kennt und noch weniger in Anspruch nehmen, abschaffen? Geht es nach Wifo-Expertin Mayrhuber lautet die Antwort darauf klar: Nein. Das hat mehrere Gründe, einer ist die bessere wirtschaftliche Absicherung von Frauen im Alter, denn: "Wir wissen, dass die Vorstellung, dass alle Beziehungen bis ans Lebensende halten und sich Eltern ihr Pensionseinkommen später teilen, oft ein Irrglaube ist." Es gibt Scheidungen und Trennungen.

Aber nicht nur das: Selbst bei Paaren, die in der Pension zusammen leben, kann ein geringerer Unterschied zwischen den Pensionseinkommen in Summe weniger Steuern im Haushalt bedeuten als bei einem größeren: "Das gemeinsame Haushaltseinkommen in der Pension wäre damit höher."

Darüber hinaus wäre das Pensionssplitting zumindest ein finanzieller Beitrag von Vätern, ein Ausgleich für den Schaden an der Pension, den Mütter später tragen müssen. Mayrhuber würde es deshalb nicht abschaffen, sondern die Bezugszeit sogar über das siebente Lebensjahr des Kindes hinaus ausweiten: "Dann hätte das Splitting einen größeren Effekt als heute."

Mehr noch, wie die ÖVP im vergangenen Wahlkampf kann sich auch die Wifo-Expertin ein verpflichtendes Pensionssplitting mit der Möglichkeit vorstellen, hinaus zu optieren: "Das würde bedeuten, alle Eltern teilen sich automatisch ihre Pensionsbeiträge in den ersten Jahren der Kindererziehungszeiten. Wollen sie das nicht, teilt man das der Pensionsversicherung mit." Die ÖVP schlug ebenfalls eine Ausdehnung des Zeitraums bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes und auch während der Pflege von Angehörigen vor. Ein Automatismus würde laut Mayrhuber dazu führen, dass sich Eltern "automatisch mit dem Thema auseinandersetzen". Wobei die Diskussionen in manchen Familien spannend werden dürften.

Wenn man ins Nachbarland Deutschland sieht, gebe es auch dafür eine Lösung: Dort werden im Scheidungsfall sowohl die gesetzlichen als auch die betrieblichen Pensionsansprüche, die sich beide Elternteile in den gemeinsamen Jahren erarbeitet haben, aufgeteilt. Schließlich hat man sich ja auch davor gemeinsam für das Familienmodell entschieden.•