Auf Kosten der katholischen Kirche oder als zusätzlichen Feiertag auf Kosten der Wirtschaft?

Das müsste man besprechen.

Sind der Kirche die anderen Religionsgemeinschaften näher als ehemalige Christen, die jetzt ohne Bekenntnis sind? Sehen Sie Juden, Muslime, Hindus - kurz: alle religiös Gläubigen - als Verbündete gegenüber Nicht-Religiösen bei der Regelung des Zusammenlebens in einem säkularen Staat?

Die Gruppe der Menschen ohne Bekenntnis ist nicht homogen, sondern enorm heterogen, und der großen Mehrheit fühle ich mich ganz nahe. Es gibt eine kleine Gruppe, mit der ich mir schwertue, weil ich sie so verstehe, dass sie das Phänomen Religion als solches ablehnt. Das halte ich für intolerant. Es gibt religiöse Menschen, auch im säkularen Staat. Ich respektiere es als religiöser Mensch, dass jemand ohne Religionsbekenntnis lebt; ich möchte nur, dass das umgekehrt auch gilt.

Die Kirche hat ein Nachwuchsproblem, gibt Jugendbischof Turnovszky zu. - © Philipp Hutter
Die Kirche hat ein Nachwuchsproblem, gibt Jugendbischof Turnovszky zu. - © Philipp Hutter

Ist Religiosität eine anthropologische Konstante, gehört sie also zum Menschsein dazu?

Verfasste Religion nicht, aber die Sehnsucht nach Transzendenz und einer Beziehung zu dem, was uns überschreitet, sehr wohl: Als Menschen können wir fragen: Woher kommen wir, wohin gehen wir, was ist der Sinn des Lebens, wie gelingt Liebe? Das sind Fragen aus der Mitte der Religionen.

Geht es da um Trost angesichts der Endlichkeit des Lebens oder um Zuversicht, um Freude auf das, was möglicherweise nach dem Tod kommt?

Es wäre zu utilitaristisch gedacht, wenn Religion eine Funktion zu erfüllen hätte. In erster Linie geht es um Wahrheit. Diese Konfrontation mit dem Anspruch auf Wahrheit kann dann Verschiedenes auslösen: Zuversicht, Hoffnung, Trost oder Ruhe, aber auch Angst im Sinne eines Überwältigtseins. Wenn es wirklich um Wahrheit geht, warne ich vor jeder anthropologischen Verniedlichung. Dazu würde ich den drohenden Gott rechnen, der ist eine Karikatur dessen, was die Bibel verkündet.

Dieser Gott wütet aber im Alten Testament sogar gegen sein eigenes Volk.

Und doch ist mehr dahinter, als dass man ihn auf irgendeinen Wüterich reduzieren könnte.

Die Kirche hätte eine andere Geschichte, ein anders Erbe, hätte sie nicht über 1500 Jahre die Besten jeder Generation angezogen und aufgenommen. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist das anders. Wie verändert es die Kirche, wenn sich ihr die brillantesten Köpfe nicht mehr zuwenden?

Das lässt sich noch gar nicht abschätzen, aber es wird massiv sein. Wir merken es schon bei der Findung von Mitarbeitern. Manchmal müssen wir lange suchen, bevor wir eine Schlüsselposition besetzen können.

Wie reagiert die Kirche darauf?

Wir begnügen uns nicht mit dem Verwalten des Erreichten, sondern gestalten einen Übergang. Ich persönlich finde es enorm herausfordernd, aber auch wunderbar, dass ich gerade in diesen Jahrzehnten Priester und Bischof sein darf.