Der grüne Parteichef zählt auf parlamentarischer Ebene zu den Urgesteinen. Vor 20 Jahren, im Jahr 1999, zog er erstmals in das Hohe Haus ein, wo er bis zum unsanften Hinauswurf der Grünen durch die Wähler bei der Nationalratswahl 2017 auch blieb.

Er ist ein wortgewandter, des Öfteren ausschweifender Redner. Im Parlament hat er sich einen Ruf als ausdauernder Kämpfer in parlamentarischen Untersuchungsausschüssen gegen Skandale wie jenem zur Hypo-Alpe-Adria-Bank erarbeitet. Daneben werkte er als Budget- und Finanzexperte seiner Partei. Der Aufstieg Koglers zum künftigen Vizekanzler der Republik ist aber auch außergewöhnlich. Jahrelang galt der Oststeirer als klassische Nummer zwei bei der Öko-Partei. So war er auch unter Parteichefin Eva Glawischnig der geradezu logische Stellvertreter.

Es spricht aber für seine Kämpfernatur, dass er sich während der grünen Depression nach der Wahlschlappe 2017 nicht leise davonschlich. Als interimistischer Parteichef sorgte er dafür, dass die Grünen auf Bundesebene nicht endgültig verwelkten, sondern finanziell und politisch die Dürre-Phase überstanden.

Politische Schützenhilfe
durch Freiheitliche

Der Einsatz trug für ihn als Spitzenkandidat bei der EU-Wahl im vergangenen Mai erstmals mit gut 14 Prozent Früchte. Damit stand praktisch fest, dass er nicht nach Brüssel ins EU-Parlament gehen wird, sondern seine Partei als Spitzenkandidat in die vorgezogene Nationalratswahl führen wird.

Der 58-Jährige hatte politisches Glück, das ihm beim Comeback der Grünen auf die bundespolitische Bühne zur Hilfe kam. Ausgerechnet die Freiheitlichen mit ihrem Ex-FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache führten mit der Ibiza-Affäre zum Bruch von Türkis-Blau. Das ebnete den Weg zu Neuwahlen und zur Rückkehr der Grünen. Da war aber auch noch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die mit der Fridays-for-Future-Bewegung wertvolle Schützenhilfe für Kogler & Co. geleistet hat. Am Ende standen die Grünen mit einem Plus von rund zehn Prozentpunkten und knapp 14 Prozent als zweiter Wahlsieger neben der Kurz-ÖVP fest. Zwei Jahre, nachdem die Grünen am Boden zerstört waren.

Der Grünen-Chef sieht sich zwar selbst als "Fundi". Schon in der Jugend setzte er auf Provokation in einem "tiefschwarzen Nest" (Kogler), seiner Heimatgemeinde St. Johann in der Haide bei Hartberg. In den Jugendjahren war der Fußballfan selbst beim Grazer Kultverein SK Sturm aktiv. Eine Fundi-Einstellung mag auch noch für die rebellische Frühphase bei den Grünen-Alternativen in der Steiermark gegolten haben.

Aber der Umstand, dass Kogler, wie auch seine grünen Mitverhandler doch eine Gesprächsbasis mit der Kurz-ÖVP gefunden haben und teilweise über diese gute Basis verwundert waren, waren in den vergangenen Wochen Zeichen für den Pragmatismus und Realismus des grünen Parteichefs. Kogler ist ein linker Fundi, wenn es darum geht, für eine Vermögenssteuer einzutreten. Er ist aber Pragmatiker genug, um zu wissen, dass ein Nein von Kurz dazu ein Nein im Rahmen einer türkis-grünen Koalition bedeutet.