Die Ressortverteilung in der künftigen türkis-grünen Bundesregierung war am Neujahrstag beinahe abgeschlossen. Der Großteil der Ministerriege stand fest. Sie ist zumindest zur Hälfte weiblich, Frauen könnten aber auch die Mehrheit stellen.

Die Ministerliste dürfte so gut wie fix sein - nur wen die Grünen als Staatssekretär oder Staatssekretärin nominieren, ist noch unklar.
Die Ministerliste dürfte so gut wie fix sein - nur wen die Grünen als Staatssekretär oder Staatssekretärin nominieren, ist noch unklar.

Gegen 21.50 Uhr wollen ÖVP-Obmann Kurz und Grünen-Chef die Einigung offiziell verkünden. Das Regierungsprogramm und die Ministerliste sollen erst am Donnerstag öffentlich gemacht werden. Am Samstag stimmt der Bundeskongress der Grünen darüber ab. Bereits am Dienstag könnte die Angelobung der Regierung erfolgen.

Damit steht ÖVP-Obmann Sebastian Kurz ein halbes Jahr nach seiner Abwahl im Nationalrat vor seiner Rückkehr als Bundeskanzler. Der Ex-Chef der Jungen ÖVP steht seit Mai 2017 an der Spitze der Volkspartei. Mit seinen 33 Jahren wird er trotz mehrerer junger Minister weiterhin das jüngste Mitglied der Bundesregierung bleiben.

Kurz hat im Zuge der Regierungsverhandlungen nie einen Zweifel daran gelassen, dass er seine Mitte-Rechts-Politik fortsetzen möchte, mit der er bei der Nationalratswahl 2019 auch viele FPÖ-Wähler zur ÖVP lockte. Der Abdeckung der rechten Flanke dient vor allem die Besetzung des Innenministeriums mit dem bisherigen ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer und der Niederösterreicherin Klaudia Tanner als Verteidigungsministerin. Auch die Schaffung eines Integrationsministeriums unter Susanne Raab soll ein Signal für eine harte Migrationslinie aussenden.

Andere Personalentscheidungen im ÖVP-Regierungsteam sind hingegen ein deutliches Zeichen für einen Neuanfang. Kurz holte mehrere junge, weibliche Ministerinnen in sein Regierungsteam. Das ist ein deutlicher Unterschied zur doch eher von Männern geprägten türkis-blauen Regierung.

Gleichzeitig verlässt Kurz sich noch stärker als bisher auf enge Vertraute, sei es auf die neue Integrationsministerin Raab, Nehammer im Innenressort, Karoline Edtstadler als künftige Europa- und Kanzleramtsministerin und Alexander Schallenberg, der Außenminister bleiben wird.

Bauernbündlerin und Rechtsanwältin

Die 49-jährige Klaudia Tanner wandelt auf den Spuren von Ursula von der Leyen, der deutschen Ex-Verteidigungsministerin. Die niederösterreichische Bauernbunddirektorin wird die erste Verteidigungsministerin Österreichs.

Tanner studierte Jus und gilt als kantig und tough. Sie stammt aus Gresten im Bezirk Scheibbs und arbeitete schon zu Beginn der 2000er Jahre unter Ernst Strasser im Innenministerium. Sie hat einen sehr guten Draht zu Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Nach der vergangenen Landtagswahl 2018 zog sie in den niederösterreichischen Landtag ein.