Martin Graf gehört zu einer ganz kleinen, nicht einmal 2000 Personen umfassenden Gruppe in Österreich. Nicht, weil er bei der Energie Steiermark AG als Vorstandsdirektor tätig ist; auch nicht als Vater einer Elfjährigen und eines Sechsjährigen, sondern weil er seine Pensionsansprüche mit seiner Ehefrau über das Pensionssplitting teilt.

Seit der Pensionsreform 2005 kann ein Elternteil mit höherem Einkommen sieben Jahre lang die Hälfte seiner Pensionsansprüche dem Pensionskonto des anderen Elternteils, der sich überwiegend der Kindererziehung widmet, gutschreiben lassen. Für Graf ist das "eine vernünftige Lösung in einer Partnerschaft". Seine Frau ist Krankenschwester, die beiden haben sich gemeinsam entschieden, dass sie mehr Zeit als er für die Kindererziehung aufwendet, deshalb war es für das Paar klar, später gemeinsam von den Pensionsansprüchen während dieser Zeit zu profitieren.

Obwohl sich das Pensionssplitting gerade bei großen Unterschieden bei den Ansprüchen später in der Pension lohnt, haben sich vom Start weg bis einschließlich 2018 insgesamt nur 1293 Elternpaare dafür entschieden.

Pensionssplitting
ist kaum bekannt

Auch 2019 wird es keinen Boom geben, bis Ende Oktober seien weitere 500 Anträge auf Pensionssplitting erledigt worden, heißt es seitens der Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Das sind zwar mehr als im Jahr davor, 2018 waren es 411. Im Verhältnis zu den gut 85.000 Geburten, die es in Österreich jährlich gibt, sind es allerdings wenige. Vor allem, weil sich die großen Einkommensunterschiede beim Jahreseinkommen von 37,3 Prozent, die es zwischen Frauen und Männern generell beim Jahreseinkommen gibt, zu einem nicht unerheblichen Teil durch lange Teilzeitphasen von Müttern erklären lassen. Die türkis-grüne Regierung plant, das zu ändern: Im Regierungsprogramm ist eine Reform des Pensionssplittings fixiert.

Ein Grund, warum sich Paare gegen das Aufteilen der Pensionsansprüche entscheiden, ist schlicht, dass dies auch im Falle einer Scheidung nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Für Graf war das kein Problem: "Schließlich bliebe sie auch in so einem Fall weiterhin die Mutter meiner Kinder." Es gibt aber auch Fälle, in denen sich das Splitting tatsächlich kaum lohnt: Ist das Einkommen beider Elternteile bis zum Kalenderjahr, in dem das Kind seinen siebenten Geburtstag erreicht, in etwa gleich hoch, sind es auch später die Pensionsansprüche im Alter.

Ein weit häufigerer Grund aber ist, dass die dezenten Infokampagnenbemühungen von Politik und PVA bisher nicht bewirkten, dass Eltern über die Möglichkeit Bescheid wissen. Auch bei Graf war es reiner Zufall, dass er davon erfuhr - und zwar über Bekannte, die bei der PVA tätig waren.