Eine Viertelmillion Burgenländer kann am 26. Jänner zur Landtagswahl schreiten. Sechs Parteien stehen auf dem Wahlzettel. Die Wahlen in Österreichs bevölkerungsärmstem Bundesland haben auch über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung - insbesondere für die SPÖ. Die "Wiener Zeitung" gibt einen Überblick über die Ausgangslage.

Niederlage folgte Niederlage, interne Zwists und Intrigen zerrissen die Partei: 2019 geriet zum schwarzen Jahr für die SPÖ. Einen sozialdemokratischen Erfolgsmoment könnte nun Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil herbeiführen.

Er beerbte im Februar 2019 Hans Niessl, der knapp zwei Jahrzehnte im Burgenland regierte. Wie Doskozil abschneidet, wird mit Spannung beobachtet. Der 49-Jährige fährt einen parteiintern umstrittenen Kurs: Einerseits setzt er auf eine linke Sozialpolitik. Im burgenländischen Landesdienst führte er etwa einen Mindestlohn von 1700 Euro netto ein. Andererseits pocht er auf einen restriktiven Migrationskurs, seine Koalition mit der FPÖ empört den linken Flügel der SPÖ. Je deutlicher Doskozil verliert, desto stärker wird sich dieser Flügel gestärkt fühlen. Ein Plus stärkt wiederum Doskozils Position im Land und im Bund: Er wäre der erste SPÖ-Politiker nach Peter Kaiser in Kärnten, der wieder einmal einen Sieg einfährt.

Als Ziel hat sich Doskozil ein Plus gesetzt, "wenn es auch noch so klein ist". Das erscheint nach der Landtagswahl 2015, damals verlor die SPÖ 6,34 Prozentpunkte und erhielt 41,9 Prozent, möglich. Laut einer Umfrage von Meinungsforscher Peter Hajek im Auftrag der SPÖ Burgenland liegt die SPÖ bei 41 bis 43 Prozent.

Der erste Platz ist für die ÖVP unerreichbar. Sie kann allerdings mit einem Plus rechnen. Noch 2015 landete sie bei 29,1 Prozent. Laut Hajek sind nun bis zu 33 Prozent möglich. Als Spitzenkandidat geht die Volkspartei mit Thomas Steiner, dem Bürgermeister von Eisenstadt, in die Wahl. Er liebäugelt mit einem Comeback in die Landesregierung.

Doskozil scheint einer Neuauflage der rot-blauen Landesregierung aber keineswegs abgeneigt. Über mögliche künftige Koalitionen will er zwar erst nach der Wahl reden, doch zog er zuletzt eine "zufriedene Bilanz" über die bisherige Regierungszeit.

Die Chancen für Rot-Türkis im Burgenland scheinen derzeit daher eher mau. Auch eine türkis-grüne Landesregierung ist unwahrscheinlich. Dafür müssten beide Parteien deutlich zulegen. Zudem haben die Grünen mit der Ansage "Rot-Grün oder wir sind in Opposition" bereits ihre Präferenz kundgetan.