Bei Prävention gegen Krankheit und Pflege will Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) auf Lösungen mit Bewusstseinsbildung statt auf finanzielle Anreize bauen. Der Bund wird Anfang Februar mit den Bundesländern reden, damit Kinderarmut im Zuge der Neuregelung der Sozialhilfe verhindert wird. Ein automatisches Pensionssplitting ist für Anschober keineswegs fix.

"Wiener Zeitung": Pflege ist für Sie ein Schwerpunkt. Müssen sich die Österreicher darauf einstellen, dass der Regress bei der Pflege in Heimen wieder eingeführt wird?

Rudi Anschober: Dieser wird sicher nicht wieder eingeführt. Ich werde versuchen, möglichst rasch eine Taskforce Pflege aufzustellen. Das Wichtige ist, dass wir Qualitätssicherung, Finanzierung und vor allem die Frage der Mitarbeiterinnen gemeinsam mit Gemeinden, Ländern und Bund absprechen und umsetzen.

Soll eine Pflegeversicherung kommen?

Die klassische Pflegeversicherung, wie wir sie aus Deutschland kennen, wird es in Österreich nicht geben.

Wird das ein Teil der Sozialversicherung werden?

Wir werden uns die Finanzierung anschauen. Wir werden auch die Kompetenzen ganz stark einbringen, die da sind, Stichwort Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) im Vorsorgebereich. Auch das wird eine Frage der Taskforce.

Aber sie wird wie die Kranken- und Pensionsversicherung Teil der Sozialversicherung werden?

Ich schließe derzeit gar nichts aus, sondern möchte mich mit Experten und Ländern zusammensetzen und dann Lösungsvorschläge für den Ministerrat machen. Abgesehen davon ist im Pflegebereich sehr viel Positives bereits im Regierungsabkommen verankert. Für mich ist klar, die Finanzierung der Pflege wird auch weiterhin zu einem ganz großen Teil aus öffentlichen Geldern bestehen.

Wann wird eine Leistungsgleichheit hergestellt? Derzeit hängt das ja vom Wohnort ab. Ist es das Ziel, in fünf Jahren harmonisierte Pflegeleistungen zu bekommen?

Das Ziel sind möglichst effiziente gemeinsame Strukturen. Für Februar und März plane ich, im Rahmen einer Österreich-Dialog-Tour Gespräche mit den Betroffenen zu führen, um dann gemeinsam die wichtigsten Eckpfeiler zu arbeiten.

Was halten Sie von einer Pflegelehre? Soll man 15-Jährige an ein Pflegebett stellen?

Ich habe mit 15-Jährigen im Pflegeheim ein gehöriges Maß an Bauchweh. Ich habe mit 19 meinen Zivildienst im Pflegeheim gemacht. Ich weiß, wie das ist, wenn du vor einem Menschen stehst, mit all dem, was an Pflegetätigkeiten zu tun ist. Und wie das ist, wenn du am Ende eines Lebens dabei bist. Das ist keine Kleinigkeit. Das fordert jeden Menschen auf eine dramatische Weise.