Die Regierung hat am Dienstag ihre Besuchsoffensive fortgeführt und die Polizeiinspektion am Wiener Westbahnhof besichtigt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) spazierten unter großem Medienandrang erst durch das Bahnhofsgebäude, besuchten die Inspektion und bekräftigen im Anschluss ihre Vorhaben im Bereich Innere Sicherheit.

Unter staunenden Blicken von Passanten, Reisenden und Mitarbeitern in den diversen Geschäften zog der Tross zunächst quer durch das Bahnhofsgebäude. Begleitet wurden die Politiker von am Westbahnhof tätigen Polizisten. "Grüß Gott, alles in Ordnung?", "Grüß Gott, alles okay?" fragte Kurz Passanten und Angestellte. "Die siehst du eh jeden Tag im Fernsehen", raunte ein ob des großen Andrangs leicht entnervter Pendler seiner Begleitung zu.

Nur vier Beamte waren am Dienstag in der Polizeiinspektion im Tagdienst. "Wir sind zu wenige, mit mehr Leuten wären wir top aufgestellt", beschied ein zur Begleitung abgestellter Polizist dem Kanzler. Kurz interessierte sich im Gespräch mit diesem auch für "ethnische Konflikte". Diese seien am Westbahnhof natürlich Thema. Die meisten Einsätze fielen aber wegen Ladendieben und aggressiver Personen an, informierte der Beamte. Auch wie viele Gewalteinsätze es am Bahnhof gebe, wollte Kurz wissen. Er sei seit einem Monat in der dortigen Dienststelle, einen Einsatz wegen Gewalt hätte er bisher noch nicht erlebt, lautete die Antwort der Polizisten.

Angespannte Personalsituation als Thema

Beim eigentlichen Zweck des Termins - dem Besuch der Polizeiinspektion - durfte die Presse nicht teilnehmen. Zentrales Anliegen der Beamten bei diesem rund 30 Minuten dauernden Gespräch war die angespannte Personalsituation der Exekutive. Insbesondere in der Bundeshauptstadt müssen die Polizisten zahlreiche Überstunden leisten, nicht zuletzt aufgrund der hohen Zahl an Versammlungen und Demonstrationen.

Während sich Kanzler, Vizekanzler und Innenminister mit den Beamten in der Polizeiinspektion unterhielten, wurde im ersten Stock des Westbahnhofs ein dunkelhäutiger Mann festgenommen. Dieser hatte laut Zeugen herumgeschrien und wurde daraufhin von mehreren Polizisten und Security-Mitarbeitern am Boden fixiert und schließlich in die Inspektion abgeführt.