Deshalb lohnt es sich, solche Mütter mit "frühen Hilfen", mit Beratung und Bildung zu unterstützen. Eine solche frühe Hilfe ist zum Beispiel "Better Start", ein gemeinsames Projekt der Diakonie und des Roten Kreuzes. Vor und nach der Geburt unterstützen erst Hebammen, dann Pädagoginnen, später Sozialarbeiterinnen. Junge Mütter mit psychischen, sozialen oder finanziellen Problemen sollen so wieder auf die eigenen Beine kommen. Im Regierungsprogramm ist von "flächendeckender Bereitstellung und dem Ausbau früher Hilfen" die Rede - wenn auch noch Zeitplan, zuständige Organisationen und Ressourcen dafür fehlen.

Elementare Bildung statt Kinderbetreuung

Türkis-Grün plant auch den Ausbau "qualitätsvoller Bildung und Förderung von Anfang an und für alle Kinder". Damit sind flächendeckende, qualitätsvolle, vereinbarkeitstaugliche Kindergärten und -krippen gemeint. Auch die Zuschüsse zur Elementarpädagogik sollen ab dem Kindergartenjahr 2020/21 "wesentlich erhöht" werden. Für Bildungswissenschafterin Christiane Spiel ist das gut, denn: "Der Elementarbereich ist der wichtigste Bereich."

Denn gerade die Kinderbetreuung und die Elementarbildung bei den unter Dreijährigen liegt in manchen Bundesländern besonders im Argen: Während laut Statistik Austria in Wien 44 Prozent der unter Dreijährigen und im Burgenland 32,5 Prozent einen Kindergarten besuchen, sind es bei den Schlusslichtern Oberösterreich 16,5 und der Steiermark 15,6 Prozent.

Dabei lohnt sich frühe Kinderbildung besonders - nicht nur individuell für jedes Kind, sondern auch volkswirtschaftlich: Jeder in frühkindliche Entwicklung investierte Dollar oder Euro spart das 16-Fache an Kosten, die die Gesellschaft später für von Armut Betroffene ausgeben hätte müssen. Das belegte der US-Wirtschaftswissenschafter und Nobelpreisträger James Heckmann schon vor mehr als zwei Jahrzehnten am Beispiel des "Perry Preschool"-Programms: "Wenn ich heute einen Euro investiere, dann bekomme ich in jedem darauffolgenden Jahr 0,14 Euro zurück. Das ist fast wie ein Sparbuch, wie eine Zinsrate", wird Heckmann in einem Beitrag des Deutschlandradios schon 2009 zitiert. Eine Rendite von 14 Prozent lässt sich übrigens nicht mal bei Dividendenkaisern wie der Post erzielen lassen, da waren es laut Wiener Börse 2019 6,3 Prozent, geschweige denn am Sparbuch.

Die Chancen an der Schule erhöhen

Was im türkis-grünen Regierungsprogramm fehlt, ist eine Neuregelung der vom Verfassungsgerichtshof aufgehobenen Höchstsätze für Mehrkindfamilien in der "Sozialhilfe Neu". Der VfGH sah diese als "sachlich nicht gerechtfertigte und daher verfassungswidrige Schlechterstellung von Mehrkindfamilien". Laut Schenk ist das Geld, das den Familien fehlt - etwa um die Kinder zu fördern und schulische Aktivitäten zu finanzieren. Was es im Programm aber gibt, sind "mehr Ferienbetreuung und Sommerunterricht für jene, die es brauchen um Eltern zu entlasten".

Was Schenk fehlt, ist eine spätere Trennung der Schüler als mit 10 Jahren, "die wird mit Testungen in der dritten Klasse sogar noch verschärft". Die frühe Segregation in AHS und Mittelschule zeichnet den weiteren Bildungsverlauf vor. Und: "Die Entscheidung für eine Schule erklärt sich nur zu 30 Prozent durch Leistung, 70 Prozent durch die Eltern und deren Bildungs- wie Sozialstatus", ergänzt Spiel. Die Bildungspsychologin begrüßt deshalb den Ausbau von Ganztagsschulen zum Ausgleich für familiäre Unterschiede.