Es ist ein noch nie dagewesener Cyberangriff, gegen den sich das Außenministerium derzeit verteidigen muss. Bereits Anfang Jänner wurde die Attacke auf die IT-Systeme des Ministeriums öffentlich bekannt, noch immer ist sie im Gange. Experten des Bundesheers helfen erstmals per Assistenzeinsatz bei der Abwehr und Aufklärung des enormen Angriffs.

Künftig soll es im Bundesheer eine eigene Einheit geben, die sich der Cyberverteidigung widmet, erklärte die neue Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Donnerstag. Sie absolvierte beim "sicherheitspolitischen Jahresauftakt 2020" im Raiffeisen-Forum in Wien ihren ersten großen Auftritt als Ressortchefin. Tanner betonte, dass die Cyberdefence einer der Schwerpunkte des Bundesheers während ihrer Amtszeit sein werde.

Bisher steht nicht fest, wer hinter der Attacke steht. Manche Experten machen Russland als den möglichen Übeltäter aus, der Kreml weist das zurück. Auch das Motiv ist noch unklar. Generalmajor Johann Frank, Leiter der Direktion für Sicherheitspolitik beim Bundesheer, vermutet jedoch, dass die Hacker Österreich als "Einfallschneise" benutzen wollen. Über das vergleichsweise kleine EU-Mitglied Österreich könnten die Angreifer auch in europäische IT-Strukturen eindringen. Laut Frank konnte noch nicht festgestellt werden, dass Daten von den Hackern erbeutet wurden: "Ausschließen kann man das aber nicht." Das Außenministerium sei aber jedenfalls handlungsfähig.

Verteidigungs ministerin Klaudia Tanner will das Bundesheer "zukunftsträchtig, modern und voll einsatzfähig" machen. - © apa/Schlager
Verteidigungs ministerin Klaudia Tanner will das Bundesheer "zukunftsträchtig, modern und voll einsatzfähig" machen. - © apa/Schlager

Unterschwellige Angriffe

Der Vorfall zeigt, mit welchen sicherheitspolitischen Gefährdungen die österreichischen Behörden heutzutage konfrontiert sind. Akteure agieren heimlich und verschleiern ihre Taten.

Nur schwer ist daher oft zu entdecken, wer hinter möglichen "hybriden Bedrohungen" steckt. Diese stehen laut dem Generalmajor im Zentrum des Risikobildes des Bundesheers. Zu den Bedrohungen zählt eine ganze Fülle an Maßnahmen, die von den Angreifern kombiniert werden können: Das kann von Propaganda über wirtschaftliche Maßnahmen bis eben hin zu Cyberangriffen reichen. Auch können sich die Angreifer zur Verwirklichung ihrer Vorhaben auch Stellvertreter - wie etwa radikalisierter Minderheiten - bedienen.