Wien. "A Hackler foahrt mit’m Moped vom Heurigen nach Haus." So begann einst das Lied "Hupf in Gatsch" von Georg Danzer. Das war in den 1970er-Jahren mitten in der Kreisky-Ära. Da gab es sie noch zuhauf, die Hackler, die tschinallen, also körperlich hart arbeiten mussten. Gut 40 Jahre später ist die Zahl der Hackler deutlich geschrumpft, aber es gibt noch die sogenannte Hacklerregelung als Form der Frühpension.

Die Hacklerregelung ist dieser Tage in aller Munde. Im Juristendeutsch heißt sie Langzeitversichertenregelung. Der Begriff Hackler suggeriert zwar, es handle sich ausschließlich um hart arbeitende Menschen, die diese nützen können. Stimmt aber nicht.

Der Beinahe-Zungenbrecher Langzeitversichertenregelung bringt es viel besser auf den Punkt, worum es bei dieser Frühpension geht. Wer lange genug, nämlich 45 Jahre, gearbeitet hat, kann vorzeitig in den Ruhestand gehen. Tatsächlich sind es jedoch viel mehr Büroangestellte als Hackler, die die Hacklerregelung in Anspruch nehmen.

Seit 1. Jänner dieses Jahres ist das nach 45 Arbeits- und Beitragsjahren ab 62 wieder ohne Pensionskürzung (Abschläge) für Arbeitnehmer, Bauern und Gewerbetreibende möglich. Seit 2014 ist das wegen einer Verschärfung nur mit Pensionskürzungen bis zu 15 Prozent dauerhaft bis zum Lebensende möglich gewesen. Im freien Spiel der Kräfte vor der Nationalratswahl sind die Abschläge von SPÖ, FPÖ, der Liste Jetzt und letztlich auch der ÖVP mit Wirksamkeit Anfang 2020 abgeschafft worden.

Für Frauen derzeit nicht relevant

Bundeskanzler ÖVP-Chef Sebastian Kurz möchte das nun "reparieren" und damit dem Gang in die Hacklerfrühpension ohne Abschläge einen Riegel vorschieben. Die Grünen wollen die Gelegenheit nützen, mehr für Frauen in der Pension herauszuholen. Weil bei diesen das Pensionsalter erst ab 2024 in Etappen von 60 auf 65 angehoben wird, bringt ihnen die Hacklerregelung ab 62 derzeit nichts.

Bei den Beamten gibt es für Männer und Frauen gleichermaßen eine Hacklerregelung nach 42 Dienstjahren ab 62. Allerdings geht das für Beamte weiter nur mit Abschlägen bei der Pension.

Anders als bei der Hacklerregelung gibt es allerdings seit dem Ende der schwarz-blau/orangen Regierung unter Wolfgang Schüssel auch eine Sonderregelung für Beschäftigte, die tatsächlich darauf abstellt, ob jemand schwer gearbeitet hat. Das ist die Schwerarbeiterpension. Voraussetzung, um diese in Anspruch nehmen zu können, ist, dass jemand eine bestimmte Dauer von Jahren vor dem Ruhestand belastende Arbeit verrichtet hat. Dafür wurde eine eigene Liste an Berufen entwickelt, die etwa auch wegen besonderer Hitze- oder Kälteeinflüsse bei der Arbeit darunter fallen.

Anstieg nun auch bei Schwerarbeiterpension

Die Schwerarbeiterpension führte über Jahre ein Schattendasein neben der Hacklerregelung, weil es viele Arbeitnehmer gegeben hat, die nach der Schulpflicht mit 15 in den Beruf eingestiegen sind und mit 60 Jahren somit 45 Beitragsjahre aufweisen. Nach der Anhebung des Zugangsalters zur Hacklerregelung von 60 auf 62 Jahre wurde die Schwerarbeiterpension als Alternative für den Weg in die Frühpension interessanter. Das zeigen Daten der Sozialversicherungen, die der "Wiener Zeitung" vorliegen. Deren Zahl stieg von 2014 mit 820 auf 4353 im Jahr 2018.