Es ist zwölf Uhr Mittag an einem Tag während der Schuleinschreibungsphase an den Wiener Volksschulen. Direktorin Erika Dorn hat heute bereits vier Gespräche mit Eltern und Kind parallel absolviert, insgesamt waren es seit 13. Jänner bereits 25, noch einmal so viele kommen auf Dorn bis zum 24. Jänner an der Karl Popper-Schule im 15. Wiener Gemeindebezirk zu - schließlich gilt es zwei Taferlklassen zu besetzen.

Das Mädchen, das direkt vor dem Gespräch mit der Wiener Zeitung da war, kam "im Glitzer-Röckchen mit Mascherl, schließlich ist die Einschreibung für jedes Kind wie der erste Schultag auch etwas Besonderes", erzählt Dorn. Mama, Papa und Oma kamen als Begleitung mit, "alle drei ebenfalls sehr aufgeregt. Es ist ja oft so, dass die Begleitung aufgeregter ist als die Kinder." Grund dazu hatte dieses Mädchen nicht, es ist schulreif, wird also im September in der ersten Klasse starten - und nicht in die Vorschule. Wobei Dorn anmerkt, dass es, wenn überhaupt, eher bei den Eltern Überzeugungsarbeit brauche als bei den nicht schulreifen Kindern: "Diese Kinder fühlen sich in der Vorschule viel wohler, weil sie da nicht überfordert sind."

Die Schulreife ist allerdings nur der erste Test von vielen weiteren, die Kinder und Jugendliche im Laufe ihrer Bildungskarriere absolvieren. Im türkis-grünen Regierungsprogramm sind zwei mehr vorgesehen: in der dritten Schulstufe die individualisierte Kompetenzfeststellung und vor dem Ende der neunten Schulstufe eine Mittlere Reife. Manche Wissenschafterinnen und Praktikerinnen erkennen darin Benefits, andere haben mehr Bedenken.

Poldi misst die Schulreife noch nicht optimal

Aber zurück an den Beginn der Schulkarriere und die Karl-Popper-Schule. Die Volksschule ist eine unter rund zehn Prozent aller Schulen, die freiwillig die um eine Koboldin namens Poldi gestaltete App zur Schuleinschreibung testen.

Ziel dieser App waren und sind einheitliche Schulreifekriterien, schließlich gibt es bislang große Unterschiede bei der Bewertung der Schulreife der knapp noch fünf oder bereits sechs Jahre alten Kinder. Die Palette reichte von durchschnittlich einem Prozent der Kinder in der Steiermark bis hin zu 24 Prozent in Salzburg, die ihre Schulzeit in der Vorschule starteten. Mit der App mit Poldi sollen solche unerklärlichen Unterschiede weichen - und Direktorin Dorn hat sich darauf gefreut, weil es "endlich einheitliche Standards" gibt.

Nach den ersten Tagen mit Poldi scheint Dorn allerdings etwas ernüchtert zu sein, und zwar gleich aus mehreren Gründen. Aus den von der App-Mitentwicklerin Karin Landerl, Entwicklungspsychologin an der Uni Graz, angegebenen 20 Minuten, die dieses Schulreifescreening circa dauern soll, wurden in der Praxis mehr als 40 Minuten. Für Dorn ist das problematisch, "altersadäquat sind maximal 15 Minuten".