Mädchen, die am Sportunterricht nicht teilnehmen oder Skikurse verweigern; Mädchen, die in der Klasse unter Druck gesetzt werden, Kopftuch zu tragen; Burschen, die sich prügeln, um die Ehre einer Schwester oder Cousine zu verteidigen; fehlender Respekt gegenüber Lehrerinnen; Vandalismus und körperliche Gewalt an und vor den Schulen. Damit haben Lehrerinnen und Lehrer zu kämpfen. Susanne Wiesinger führte als Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkontakte im abgelaufenen Jahr zahlreiche Einzel- und Gruppengespräche. Am Montag wurde ihr Tätigkeitsbericht vom Bildungsministerium online gestellt.

Weil sie allerdings gleichzeitig ein Buch ("Machtkampf im Ministerium") veröffentlichte, ohne Bildungsminister Heinz Faßmann im Vorfeld zu informieren, wurde sie als Ombudsfrau dienstfreigestellt.

Die Neos wollen die Schuldebatte jedenfalls am Mittwoch ins Parlament tragen. Sie wollen die Kritik der langjährigen Lehrerin Wiesinger aufgreifen und diese in der Aktuellen Stunde und vielleicht auch in einer Dringlichen Anfrage an den Bildungsminister zur Sprache bringen.

Neos: Nachbesserungen im Regierungsprogramm nötig

Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger fühlt sich in der langjährigen pinken Kritik am alles überlagernden "parteipolitischen Machtkampf" in Ministerium und Bildungsdirektionen bestätigt - und prangerte an, dass Kindern damit alle Chancen genommen würden. Das Regierungsprogramm müsse dringend überarbeitet werden, verlangte die Neos-Chefin: Denn es biete keinerlei Lösungen, sondern enthalte zur Bildung nur Floskeln und "inhaltlich sinnbefreite türkise Message Control".

Die Causa Wiesinger sieht Meinl-Reisinger auch als Beispiel dafür, dass engagierte Menschen, die das Schulsystem kritisieren, "sukzessive mundtot gemacht" würden.

Die FPÖ schießt sich vor der Nationalratssitzung auf Bildungsminister Faßmann ein. Dessen Verhalten in der Diskussion um die Ex-Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte habe gezeigt, dass er ein Problem mit der Meinungsfreiheit habe. Die FPÖ bringt im Nationalrat eine Anfrage zur Freistellung Wiesingers als Ombudsfrau an. Zudem wird es Anträge für die verpflichtende Einführung von Deutsch als Pausensprache an Schulen, eine Ausweitung des Kopftuchverbots, die verpflichtende Einführung eines Ethikunterrichts ab der Polytechnischen Schule beziehungsweise der Oberstufe für Schüler ohne Religionsunterricht sowie einen Neun-Punkte-Plan gegen Gewalt an Schulen geben.

Wiesinger für bessere Durchmischung

Wiesinger regt in ihrem Tätigkeitsbericht für das Ministerium eine bessere Durchmischung an Schulen an. Im Buch wird sie allerdings deutlicher. In Wien habe es da schon so große Versäumnisse gegeben, dass eine Reparatur nur noch schwer möglich sei. Der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund in Wien liegt in der vierten Schulstufe bereits bei 48 Prozent (österreichweit bei 23 Prozent). Aber Wiesinger sieht österreichweit Probleme in allen Ballungsräumen. Und die fehlende Durchmischung sei durchgängig. In Innsbruck seien etwa fast alle türkischen Schüler auf zwei Schulen konzentriert.

Es sollte versucht werden, durch gezielte Lenkung der Schülerströme auf eine möglichst heterogene Schülerzusammensetzung zu achten, heißt es im Bericht. Integration gelinge besser, wenn die Schüler aus vielen verschiedenen Herkunftsländern kämen. Die Ausgestaltung mit zu großen Gruppen bzw. zu wenig Personal behindere aber den Erfolg.

Als interessant bezeichnet es Wiesinger, dass die Herausforderungen mit Kindern der zweiten und dritten Generation von Migranten oft größer seien als mit Flüchtlingskindern. Begründet wurde dies damit, dass es in der Vergangenheit nicht ausreichend gelungen sei, uns wichtige Normen und Werte von Beginn an zu vermitteln.(pech)