In den Wartezonen der Ambulanzen der Wiener Spitäler müssen Patienten teils stundenlang warten. Gleichzeitig kommt die politisch immer wieder beschworene Verlagerung der Behandlung von den Krankenhäusern zu den niedergelassenen Ärzten nicht voran. Angesichts dieser Entwicklungen nehmen jetzt Regierungsmitglieder der neuen türkis-grünen Bundesregierung und der rot-grün regierten Bundeshauptstadt Wien einen neuen Anlauf: Die Erstversorgung von Patienten in den Spitälern soll damit durch neue Erstversorgungsambulanzen im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) und in sogenannten Primärversorgungszentren im niedergelassenen Bereich erfolgen.

In Wien gehen Kranke und Verletzte statt zum Hausarzt häufig gleich direkt ins Spital. Dort gibt es teils stundenlange Wartezeiten in überfüllten Wartezonen der Spitäler der Stadt Wien, die im Krankenanstaltenverbund zusammengefasst sind. Zur Entlastung der Spitäler wird versucht, jene Patienten, die gar nicht ins Krankenhaus müssen, schon zuvor in neuen Erstversorgungsambulanzen (EVA) zu behandeln.

Pilotprojekt wird
demnächst gestartet

Der Start steht noch im Februar, also in wenigen Wochen bevor, wurde der "Wiener Zeitung" im Büro von Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) erklärt. Das Pilotprojekt wird noch im Laufe des Februars im Krankenhaus Wien-Hietzing beginnen. Das bereits im Vorjahr vorgestellte Konzept soll nun im Laufe des heurigen Jahres umgesetzt werden, sodass es in den Gemeindespitälern letztlich überall eine Entlastung durch die neuen Erstversorgungsambulanzen gibt.

In diesen Erstversorgungsambulanzen ist eine erste Abklärung der Beschwerden von Patienten vorgesehen. Danach kann es sein, dass sie an den Hausarzt oder den Facharzt im niedergelassenen Bereich weiterverwiesen werden.

Im niedergelassenen Bereich ist die Versorgung der Patienten in sogenannten Primärversorgungszentren mit knapp 20 derartiger Einrichtungen bereits seit einiger Zeit im Laufen.

17 von 75 geplanten, Ärztezentren sind im Laufen

Genau 17 sind es bisher, bis 2021 sind insgesamt 75 Primärversorgungseinrichtigen geplant. In diesen Zentren arbeiten mehrere Vertreter von Medizin- und Pflegeberufen zusammen. Im günstigsten Fall muss ein Patient und Krankenversicherter nur eine Tür weitergehen, um etwa im niedergelassenen Bereich von einem Facharzt zu einem Therapeuten verwiesen zu werden. Allerdings ist es bis zur Umsetzung von 75 solcher Stellen bis 2021 ein weiter Weg.

Der Ausbau ist vor allem eine Geldfrage, das weiß auch der einer guten Woche amtierende Gesundheits- und Sozialminister Rudi Anschober (Grüne). Um die medizinische Versorgung in Primärversorgungszentren voranzutreiben, hat er nun zusätzliche finanzielle Unterstützung unter Dach und Fach gebracht. Anschober unterzeichnet am Montag in Wien einen Vertrag mit der Europäischen Investitionsbank (EIB), mit dem durch eine Kooperation mit heimischen Banken insgesamt 360 Millionen Euro an günstigem Kreditvolumen zur Verfügung stehen soll.

Gründungswillige Ärzte, die einen entsprechenden Kassenvertrag in Aussicht haben, bekommen Unterstützung der EIB. Diese bringt dafür 180 Millionen Euro durch günstigere Fixzinsen, längere Kreditlaufzeiten und einen tilgungsfreien Startzeitraum ein.

Für Anschober handelt es sich dabei um eine "wunderbare Chance" für Jungärzte. An diesen liege es nun, dieses Angebot zu nutzen. Dem Abkommen gingen lange Vorbereitungen voraus, gut zwei Jahre lang hatte das Ministerium an dem Deal gearbeitet.