Die Zahl der Menschen, die freiwillig Österreich verlassen, um in ihr Heimatland zurückzukehren, ist zurückgegangen. Das geht aus Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hervor, die der "Wiener Zeitung" vorliegen. Demnach verließen 2019 insgesamt 2840 Menschen Österreich, die meisten kehrten nach Serbien, in den Irak und nach China zurück. Im Vergleich zu 2016 (4812) hat sich die Zahl sogar halbiert. Eine Rückkehr in Bürgerkriegsländer wie Syrien, Jemen und Libyen unterstützt IOM nicht. Die Kosten für die Rückkehr übernimmt zu 85 Prozent das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA).

Die Zahlen von IOM erfassen nicht alle Rückkehrer. Denn die Rückkehrberatung obliegt in Österreich der Caritas und dem Verein Menschenrechte Österreich (VMÖ), der dem Innenministerium (BMI) nahesteht. Beim VMÖ wurden 2019 insgesamt 3113 Rückkehrer unterstützt. Die meisten stammen aus Serbien, der Ukraine, China, Georgien und dem Irak. Laut Caritas wurden 701 Menschen beraten. Gesamtzahlen sind noch nicht verfügbar, im Innenministerium werden derzeit die Jahresstatistiken erstellt.

Auffällig ist der Rückgang bei der Zahl der unterstützten freiwilligen Rückkehrer nach Irak: Er ist im Vergleich zu 2018 um mehr als die Hälfte auf 302 Personen zurückgegangen. 2016 gab es noch 1400 irakische Rückkehrer.

Ursachen für Rückkehr vielfältig

Die Beweggründe für eine Rückkehr sind vielfältig. Menschen verlassen aus familiären Gründen Österreich, etwa wenn sie in ihrer Heimat kranke Verwandte pflegen müssen. Sie haben einen negativen Asylbescheid und keine Aussicht auf Arbeit in Österreich. Heimweh und Schwierigkeiten bei der Integration sind weitere Gründe. Es können sich auch andere Perspektiven im Heimatland ergeben haben, etwa eine Veränderung der politischen Situation.


Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder, inwiefern die Entscheidung, Österreich zu verlassen, freiwillig ist. Ein Beispiel: Ein Asylwerber erhält einen negativen Asylbescheid und soll abgeschoben werden. Er kann seine Abschiebung verhindern, indem er sich zu einer "freiwilligen" Rückkehr entschließt.

Die Rückkehr, gerade in einen instabilen Staat wie Afghanistan, ist für die Menschen mit vielen Herausforderungen verbunden. Deshalb leistet IOM auch in der Heimat Hilfe. Im Rahmen des "Restart-II"-Programmes werden Rückkehrer in Iran und Afghanistan mit Geldern und Sachleistungen unterstützt, um wieder Fuß zu fassen. Sie erhalten 2800 Euro, um kleine Geschäfte zu eröffnen oder Vieh zu kaufen. Das Projekt, das Ende 2019 auslief, wird aus Geldern des Asyl, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der EU und des Innenministeriums finanziert. In den vergangenen drei Jahren konnten so 500 Rückkehrer unterstützt werden. Eine Förderzusage für eine Verlängerung des Programms gebe es aber bereits, heißt es von IOM. Türkis-Grün will die freiwillige Rückkehr stärken, heißt es im Regierungsprogramm.