Dem Bäumchen, um das man sich auf Twitter bereits Sorgen gemacht hat, geht es gut. Es steht an der breiten Fensterfront im Büro von Verkehrs- und Umweltministerin Leonore Gewessler. Die Grüne betont, es ist öffentlich übersiedelt, genauer gesagt mit den Wiener Linien. Auch sie selbst macht beim Autoverkehr klare Abstriche - vor allem beim schnellen: Die unter Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) angebrachten Tempo-140-Tafeln stehen zwar noch, aber nicht mehr lange: "Die Arbeiten dazu sind schon sehr weit fortgeschritten", sagt sie am Rande des Interviews. Schnell soll es für sie auch beim Erneuerbaren-Ausbau Gesetz gehen.

"Wiener Zeitung": Zur Klimakrise. Die einen, NGO-Vertreterinnen so wie Sie früher bei Global 2000 oder FridaysForFuture-Engagierte, paniken; andere tun so, als ob man Generationen Zeit hätte. Was denken Sie heute als Ministerin?

Leonore Gewessler: Ich denke da heute genauso wie vor einem Jahr, dass wir - wie die Wissenschaft sagt - zehn Jahre haben, um die Weichen richtigzustellen. Das war auch einer der Motivatoren, in die Politik einzusteigen. Weil wann, wenn nicht jetzt.

2040 soll Österreich klimaneutral sein. Trotzdem ist im Regierungsprogramm viel von Förderungen und Anreizen die Rede. Braucht es nicht härtere Einschnitte, auch Verbote und Sanktionen?

Ich bin davon überzeugt: Wir brauchen den gesamten Maßnahmenkatalog für den Klimaschutz. Ein Beispiel: Der Ausstieg aus Öl- und Kohleheizsystemen, längerfristig auch aus Gasheizsystemen, ist ein großes Vorhaben. Wir haben ja noch mehr als 600.000 Ölheizungen in Österreich. Wir brauchen wirklich eine smarte Kombination aus Geboten und Regeln: Im Neubau darf man jetzt schon keine Ölheizungen mehr einbauen, im nächsten Jahr soll dann auch bei der Sanierung auf erneuerbare Heizsysteme umgestiegen werden. Dazu gibt es Förderungen, weil wir Klimaschutz sozial gerecht machen wollen. Das ist für die Grünen ein ganz wichtiger Faktor. Der Ausstieg aus der Ölheizung wird über 15 Jahre gestreckt, um sich vorbereiten zu können. Es gibt auch rundherum Wichtiges, wie die Weiterbildung von Installateuren.

War da die Vorgängerregierung zu lasch? Auch da wurden schon Weichen gestellt.

Der Klimaschutz ist ja über die Treibhausgas-Bilanz sehr leicht messbar. In Österreich haben sich einzelne Sektoren positiv entwickelt: Gerade im Gebäudebereich haben wir im internationalen Vergleich viel erreicht. Im Passivhaus- und im Plusenergie-Bereich haben wir Weltmarktführer im Technologiebereich. Aber in anderen Bereichen wie der Mobilität haben wir uns leider nicht gut entwickelt. In Summe ergibt das eine Stagnation, wir haben aber die Aufgabe, dass die Emissionen sinken. Deshalb ist dieses Programm eine Ansage.