In den Städten gab es bei den niederösterreichischen Gemeinderatswahlen in Niederösterreich am Sonntag teils kräftige Abfuhren für die bisher stärksten Parteien: Sowohl in Purkersdorf bei Wien als auch in den beiden Bezirksstädten Amstetten und Gmünd sowie in Gänserndorf setzte es auch Niederlagen für die SPÖ. Die ÖVP verzeichnete als stärkste Partei in Perchtoldsdorf, Klosterneuburg und Mödling Verluste. In diesen Städten im Wiener Umland legten die Grünen  deutlich zu, so auch in Baden.

SPÖ-Bürgermeister Babler erhielt 71,5 Prozent in Traiskirchen

Dass es für die SPÖ auch anders geht, zeigte Traiskirchen. In der Stadt mit dem Asylerstaufnahmezentrum kam die SPÖ auf satte 71,53 Prozent. Bürgermeister Andreas Babler, der sich in der Vergangenheit oft kritisch zur Bundes-SPÖ geäußert hat, hat dabei nur 1,6 Prozentpunkte verloren.

Auch in Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha) hat die SPÖ Grund zur Freude. Mit einem Plus von 14,07 Prozentpunkten auf 48,99 Prozent haben die Sozialdemokraten am Sonnntag die absolute Mehrheit an Mandaten mit nunmehr 20 von 37 zurückgeholt. 2015 hatten Sozialdemokraten noch ein Minus von 23,5 Prozentpunkten zu verbuchen. Für Aufsehen sorgte aber auch die Wahlmüdigkeit in Schwechat. Nur 42,49 Prozent der Bürger der Stadt machten Gebrauch von ihrem Stimmrecht.

Umkämpftes Amstetten mit Platz 1 für die ÖVP

In Amstetten hat die ÖVP bei der Gemeinderatswahl am Sonntag Platz eins geholt. Die Volkspartei legte um 18,38 Prozentpunkte auf 42,98 Prozent zu. Das sind künftig 19 (plus neun) der 41 Mandate. Die SPÖ fuhr in der Bezirksstadt im Westen Niederösterreichs ein Minus von 9,25 Prozentpunkten ein. Sie erreichte nur mehr 37,20 Prozent oder 16 Sitze (minus vier) im Rathaus. Mit welcher Partei die ÖVP eine Mehrheit bilden will, blieb am Wahlsonntag vorerst offen.

Amstetten war besonders umkämpft. Dort haben sich auch die Landes- und die Bundes-ÖVP unterstützend in die Wahlschlacht geworfen. Es gab neun kandidierende Listen - so viele wie in keiner anderen der 567 Kommunen, in denen in Niederösterreich am Sonntag gewählt wurde. Die Grünen ziehen mit wie bisher drei Mandaten, die FPÖ mit zwei (minus fünf) und die Neos, die ihren einen Sitz verteidigten, ebenfalls in den Gemeinderat ein. Die Wahlbeteiligung in Amstetten betrug 60,88 Prozent.

Minus 22 Prozentpunkte für die SPÖ in Purkersdorf

In Purkersdorf bei Wien (Bezirk St. Pölten-Land) hat die erste Gemeinderatswahl nach Langzeitbürgermeister Karl Schlögl der SPÖ ein kräftiges Minus beschert. Die Bürgermeisterpartei büßte 22,03 Prozentpunkte und damit auch ihre absolute Mehrheit ein. 43,51 Prozent bedeuten nur mehr 15 (minus acht) der 33 Sitze im Rathaus.

Schlögl hatte als Langzeit-Stadtchef - mit Unterbrechungen fast 27 Jahre - zuletzt 65,54 Prozent für die SPÖ in der Wienerwald-Gemeinde geholt. Er legte im Herbst 2018 alle politischen Funktionen zurück. Nachfolger in Purkersdorf wurde im damaligen November Stefan Steinbichler, der nun eine herbe Pleite erlebte.

Die weitere Mandatsverteilung: ÖVP acht (plus drei), Grüne sechs (plus drei), NEOS drei (plus zwei), FPÖ eins (wie bisher). Die Wahlbeteiligung betrug 58,57 Prozent.

Besonders schmerzhaft war für die SPÖ auch das Abschneiden in Gänserndorf. Die ÖVP legte knapp 18 Prozentpunkte zu und erreichte 55,52 Prozent und 21 Mandate (plus sieben Mandate). Die SPÖ verlor hingegen 11,5 Prozentpunkte und schaffte nur 23,7 Prozent und lediglich fünf statt zuvor neun Sitze im Gemeinderat. Die FPÖ wurde auf 5,1 Prozent halbiert.

Schlappe kostet ÖVP absolute Mehrheit in Perchtoldsdorf

In Perchtoldsdorf verlor die ÖVP mit 47,1 Prozent (minus 11,7 Prozentpunkte) die absolute Mehrheit. Sie hält künftig 18 statt bisher 23 der 37 Sitze im Gemeinderat. Zweitstärkste Partei in Perchtoldsdorf sind die Grünen mit 17,5 Prozent (plus 6,9 Prozentpunkte). Die Bürgerliste Gabriele Wladyka legte auf 12,5 Prozent zu (plus 6,7 Prozentpunkte), die Neos auf 9,5 Prozent (plus 4,1 Prozentpunkte).

In Mödling verlor die ÖVP-Liste mit Bürgermeister Hans Stefan Hintner mit 37,4 Prozentpunkte gut drei Prozentpunkte und hält nur mehr 16 statt 18 von insgesamt 41 Mandaten im Gemeinderat. Die Grünen Mödling festigten mit einem Plus von 2,7 Prozentpunkten auf nunmehr 26,5 Prozent und künftig elf Sitzen im Gemeinderat ihre Position als zweitstärkste Partei.

Klosterneuburg: Einbußen für ÖVP, starker Zuwachs für Grüne

Ähnlich war die Entwicklung in Klosterneuburg. Dort blieb zwar die ÖVP-Liste mit Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager zwar klar stärkste Partei. Mit 42,9 Prozent schnitt sie aber um 4,6 Prozentpunkte schlechter ab als 2015 und verlor mit 18 Mandaten zwei Sitze im Gemeinderat. Zweitstärkste Partei sind in Klosterneuburg die Grünen mit nunmehr 21 Prozent, was einen Zuwachs um 7,2 Prozentpunkte bedeutete. Die SPÖ ist in Klosterneuburg als drittstärkste Kraft mit 10,4 Prozent nur halb so stark wie die Grünen. Auf 10,2 Prozent kam die Liste "Plattform Unser Klosterneuburg", die Neos auf 7,3 Prozent, die FPÖ auf sechs Prozent.

In der Kurstadt Baden konnte die ÖVP um 5,5 Prozentpunkte auf 41,6 Prozentpunkt zulegen und damit ihren ersten Platz festigen. Die Grünen haben Platz zwei mit 19 Prozent (plus 6,1 Prozentpunkte) in Baden übernommen und damit die Bürgerliste Trenner, die nach starken Verlusten 15 Prozent erreichte, als zweitstärkste Partei abgelöst. Die SPÖ mit 14 Prozent (minus 4,8 Prozentpunkte) viertstärkste Partei.

Erstmals ÖVP-Mehrheit in roter Hochburg Gmünd

In der Bezirksstadt Gmünd im Waldviertel hat die ÖVP-nahe Liste bei der Gemeinderatswahl am Sonntag erstmals die absolute Mehrheit geschafft.  Das war ein Erfolg für Spitzenkandidatin und Bürgermeisterin Helga Rosenmayer. Innerhalb eines Jahrzehnts wurde die gut 5100 Wahlberechtigte zählende Stadt politisch umgedreht. Noch 2010 hatte die SPÖ die absolute Mehrheit gehalten.

Bereits 2015 hatte es eine Überraschung gegeben: Die Volkspartei unter Rosenmayer setzte sich in langwierigen Verhandlungen durch und stellte damit erstmals die Bürgermeisterin in der SPÖ-Hochburg im Waldviertel. Auch dieses Mal war die einzige Bezirkshauptstadt im Waldviertel mit einer bisher roten Mehrheit heiß umkämpft. Mit 59,32 Prozent (+16,40 Prozentpunkte) konnte die ÖVP-Liste laut Endergebnis erstmals die meisten Stimmen erreichen. Sie verfügt künftig über 18 der 29 Mandate (plus 5 Mandate) im Gemeinderat in Gmünd.

SPÖ stürzt um 15 Prozentpunkte in Gmünd ab

Gleichzeitig stürzte die SPÖ ab. Sie kam bei der Gemeinderatswahl lediglich auf 30,7 Prozent Prozent (minus 15 Prozentpunkte). Die FPÖ stagnierte mit 4,2 Prozent. Die Liste AFG legte auf 5,8 Prozent in Gmünd leicht zu.

Bürgermeisterin Helga Rosenmayer sprach in einer ersten Reaktion von einem "historischen Ergebnis". Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) führte den Erfolg auf das "Miteinander" in Gmünd in den vergangenen fünf Jahren zurück.

In Tulln an der Donau baute die ÖVP ihre absolute Mehrheit mit einem Plus von 9,6 Prozentpunkte auf 58,1 Prozent ausbauen. Sie stellt nun 23 der 38 Gemeinderäte. Die Grünen stiegen in Tulln mit 12,3 Prozent und fünf Mandaten zur zweitstärksten Kraft auf.

SPÖ-Liste schafft Absolute in Böheimkirchen

In Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten-Land) schaffte die SPÖ-nahe Liste mit Bürgermeister Johann Hell die absolute Mehrheit mit 53,35 Prozent und 13 von 25 Mandaten im Gemeinderat. Die ÖVP musste hingegen deutliche Verluste hinnehmen. Sie kam am Sonntag auf 34,4 Prozent nach 40,1 Prozent im Jahr 2015. Die FPÖ wurde mit 4,25 Prozent praktisch halbiert, die Grünen schrumpften auf 8 Prozent nach 10,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung in Böheimkirchen nahe der Westautobahn mit rund 4500 Wahlberechtigten lag bei 70,4 Prozent.

In Bad Vöslau rettete die Bürgerliste Flammer hauchdünn trotz Verlusten von zwei Prozentpunkten mit 47,85 Prozent die absolute Mehrheit mit weiterhin 19 von insgesamt 37 Mandaten im Gemeinderat. Die Grünen bleiben in Bad Vöslau mit 17,66 Prozent (plus 2,24 Prozentpunkte) zweitstärkste Kraft mit sieben Mandaten (bisher 6) nach der Kommunalwahl.

In Ybbs an der Donau hielt die SPÖ bei der Gemeinderatswahl mit 52,13 Prozent (minus 0,8 Prozentpunkte) die absolute Mehrheit mit weiterhin 16 Mandaten. Die ÖVP legte drei Prozentpunkte auf 36,1 Prozent zu und hat nun elf Mandate (bisher 10) im Gemeinderat.

In Langenlois (Bezirk Krems-Land) konnte die ÖVP mit 56,4 Prozent (minus 1,8 Prozentpunkte) die absolute Mehrheit und 19 (bisher 20) Mandate im Gemeinderat halten. Die SPÖ bleibt zweitstärkste Kraft, die FPÖ liegt mit einem Plus von zwei Prozentpunkten nur knapp dahinter.

In Groß-Siegharts demoliert die ÖVP eine rote Hochburg

Einen Erdrutsch hat es am Sonntag in Groß-Siegharts (Bezirk Waidhofen a.d. Thaya) bei den niederösterreichischen Gemeinderatswahlen gegeben. Die ÖVP legte in der bisher stets roten Gemeinde um 28,07 Prozentpunkte auf 65,34 Prozent zu. Die Volkspartei erreichte damit 14 (plus sechs) der 21 Mandate.

Die SPÖ büßte 24,41 Prozentpunkte ein und hält nun 28,57 Prozent. Fünf der bisher elf Mandate gingen verloren. Die FPÖ kam auf 6,09 Prozent (minus 3,66 Prozentpunkte) und einen Sitz im Gemeinderat (zuletzt zwei Mandate). Die Wahlbeteiligung betrug 65,17 Prozent.

ÖVP legte in kleinster Gemeinde Großhofen zu

In Großhofen (Bezirk Gänserndorf), Niederösterreichs kleinster Gemeinde mit nur 96 Wahlberechtigten, hat die ÖVP bei der Kommunalwahl am Sonntag auf 89,53 Prozent zugelegt. Das Plus betrug 11,48 Prozentpunkte im Vergleich zu 2015. 10,47 (minus 11,48 Prozentpunkte) Prozent entfielen auf die Liste Großhofen (LGH), die zum zweiten Mal angetreten war.

Die ÖVP erreichte 77 der 86 abgegebenen gültigen Stimmen und zwölf (plus zwei) der 13 Mandate. Für die LGH votierten neun Bürger. Das bedeutet einen Sitz (zwei Mandate weniger) im künftigen Gemeinderat. Die Wahlbeteiligung in Großhofen betrug 90,63 Prozent (2015: 93,18 Prozent).

1,5 Millionen Stimmberechtigte in 567 Gemeinden

In den 567 Gemeinden gab es mit 750.486 Frauen und 708.558 Männern insgesamt 1,459.044 Stimmberechtigte.  Nicht gewählt wird in St. Pölten, Krems und Waidhofen a.d. Ybbs. Im Gegensatz zu Wiener Neustadt rufen die drei weiteren niederösterreichischen Statutarstädte zu anderen Terminen zur Stimmabgabe. Keine Wahlen gibt es zudem in Stockerau (Bezirk Korneuburg), Wolkersdorf im Weinviertel und Pillichsdorf (beide Bezirk Mistelbach). Die dortigen Urnengänge vom 24. März 2019 gelten gemäß NÖ Gemeinderatswahlordnung als allgemeine Gemeinderatswahlen 2020 und werden sich demnach auch in den Ergebnislisten vom Sonntag finden. (apa, red)

Die Volkspartei verteidigt 431 Bürgermeisterposten. Die SPÖ stellt derzeit 119 Stadt- und Ortschefs, 17 weitere kommen von unabhängigen Listen. (red/apa)