Mit schwacher Stimme zu ungeahnter Stärke: Hans Peter Doskozil steigt mit seinem fulminanten Sieg bei der burgenländischen Landtagswahl am Sonntag endgültig zum neuen starken Mann in der SPÖ auf. Der 49-Jährige hatte vor der Wahl den Mund ziemlich voll genommen und angekündigt, der Sozialdemokratie zu zeigen, wie man Wahlen gewinnt. Diese Ankündigung hat er nun eindrucksvoll zur Tatsache gemacht.

Sein Erfolgsrezept: In der Sozialpolitik links, ganz aufseiten des kleinen Mannes, in der Sicherheits- und Migrationspolitik so weit wie nur möglich rechts. Mit diesem Kurs folgt Doskozil ganz der Linie seiner Vorgänger. Die burgenländische Sozialdemokratie war schon immer Teil des rechten Flügels der Partei und hat nach der Landtagswahl 2015 unter Doskozils Vorgänger, Landeshauptmann Hans Niessl, gegen heftige Proteste der Bundes-SPÖ eine rot-blaue Landesregierung gebildet.

Ex-Verteidigungsminister Doskozil hat mit dem Ergebnis sein Wahlziel mehr als übertroffen. Er wollte das Resultat aus dem Jahr 2015 bloß ein wenig verbessern. Bei der letzten Landtagswahl hatte die SPÖ mit 41 Prozent und einem Minus von gut sechs Prozentpunkten den geringsten Zuspruch seit 1964, als sie zur dominierenden Kraft im Land wurde, erzielt.

Fragezeichen um Haltung gegenüber SPÖ-Chefin Rendi-Wagner

Mit dem Ergebnis vom Sonntag wird Doskozil auch seine Kritiker, die ihm die Koalition mit der FPÖ übel nehmen, zum Schweigen bringen. Es ist davon auszugehen, dass der Landeshauptmann versuchen wird, der Partei seine Linie vorzugeben. Von Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner ist Doskozil ohnehin nicht gerade ein Fan, auch wenn es maßgeblich er war, der ihren Sturz vergangenen Spätherbst verhinderte. Parteiinsider meinen, Doskozil wollte vor seiner Wahl keine Unruhe und danach entweder einen ihm genehmen Nachfolger oder später sich selbst als Spitzenkandidat bei der nächsten Nationalratswahl in Position bringen. Doskozil hat sich in der Vergangenheit nicht gescheut, von Rendi-Wagners Kurs abzuweichen.

Nach der Wahl in der Heimat muss er allerdings nun schauen, dass er seine gesundheitlichen Probleme dauerhaft in den Griff bekommt. Denn er laboriert schon länger an hartnäckigen Stimmproblemen, die bereits zwei operative Eingriffe erforderten. Eine dritte Operation soll heuer folgen. Privat ist Doskozil mit der 36-jährigen Julia aus Deutschland verlobt und plant im Frühjahr eine Hochzeit. Aus erster Ehe hat er einen Sohn und eine Tochter.

Auch beruflich hat er schon einige Wechsel vollzogen: Mit 19 Jahren ging er in der Bundeshauptstadt zur Polizei und begann ein Jusstudium, das er im Jahr 2000 abschloss. Nach einer Dienstzuteilung bei der Sicherheitsdirektion Burgenland war er in Wien in der Bundespolizeidirektion und danach im Innenministerium tätig. Wieder zurück im Burgenland, stieß er zum Team von Landeshauptmann Niessl, der ihn 2010 zu seinem Büroleiter machte.

71 Leichen an der Ostautobahn machten Doskozil bekannt

Zwei Jahre später wurde Doskozil Landespolizeidirektor. Der Fund von 71 Leichen im Kühl-Lkw auf der Ostautobahn am 27. August 2015 und die im September desselben Jahres beginnende Flüchtlingskrise mit Nickelsdorf als einem der Brennpunkte verschafften dem Polizeichef mediale Bekanntheit und Anerkennung für seine unaufgeregte Art des Krisenmanagements.

Im Jänner 2016 wurde Doskozil als Ressortchef ins Verteidigungsministerium geholt, wo ihm viele bis heute noch nachweinen. Denn er schaffte es, für das Bundesheer mehr Geld herauszuholen und ihm ein positives Image zu verpassen. Ende 2017 zog es den Burgenländer wieder in die Heimat, wo er zunächst die Ressorts Finanzen und Kultur sowie die Spitäler übernahm. Ende Februar des Vorjahres wurde Doskozil nach dem Rückzug von Niessl zum neuen Landeschef gekürt.

Zur Person: Hans Peter Doskozil, geboren am 21. Juni 1970 in Vorau in der Steiermark, lebt in Kroisegg (Bez. Oberwart). Polizist, zuletzt Landespolizeidirektor (bis 2016), berufsbegleitend Studium der Rechtswissenschaften. SPÖ-Gemeinderat in Grafenschachen von 2007 bis 2012, Verteidigungsminister von 2016 bis 2017, ab Dezember 2017 Landesrat, seit 8. September 2018 SPÖ-Landesparteichef, seit 28. Februar 2019 Landeshauptmann des Burgenlandes. Verlobt, Vater zweier Kinder aus erster Ehe. (apa)