Das alternative Programm der SPÖ mit Babler als Bürgermeister entpuppt sich bei genauerem Hinschauen freilich als gar nicht so revolutionär. Höchstens für manche strukturkonservative rote Funktionäre. "Wir sind Bewegung", formuliert der rote Stadtchef, "wir sind das gallische Dorf in Österreich." Man versuche, eine Solidargemeinschaft zu sein, bei der man die Menschen "mit auf die Reise" nehme; durch Förderungen, damit Aktivitäten nicht an fehlendem Geld scheitern; etwa indem Vereinen Sportstätten gratis zur Verfügung gestellt werden; für Wahlkampf und Werbung werde keine Agentur engagiert, was Geld spart; mit anderen Initiativen wie dem "Garten der Begegnung", der 2015 nach der Flüchtlingswelle mit Asylwerbern gestartet wurde und inzwischen von Demenzkranken ebenso genützt wird wie von Schulklassen, hat man über die Stadt hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt.

Die FPÖ spielt ausgerechnet in der Stadt mit dem Flüchtlingslager eine Nebenrolle. Am Sonntag erhielt sie 9,4 Prozent der Stimmen nach 14 Prozent 2015. Einige Kilometer weiter südlich in der gut 3000 Einwohner zählenden Stadtgemeinde Ebenfurth ist der seit 1996 regierende Bürgermeister Alfredo Rosenmayer nun roter Rekordhalter. Er hat es auf 85,14 Prozent der Stimmen gebracht und 3,58 Prozentpunkte zugelegt.

Roter Rekordmann beklagt Ahnungslosigkeit im Bund

Sein Erfolgsrezept klingt einfach, nämlich, "dass man Menschen, die Hilfe brauchen, auch hilft", betont Rosenmayer, früher auch SPÖ-Klubobmann im Landtag, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Das ist die ganze Form meines Parteiprogramms." Er sei selbst in einer armen Arbeiterfamilie aufgewachsen, sagt er erklärend dazu.

Vor der Übernahme des Bürgermeisteramtes habe er allerdings Bedingungen gestellt: So müsse jemand in seinem Team nicht SPÖ-Mitglied sein; bei ihm gebe es auch keinen Klubzwang. Auf die Frage, was denn die Bundes-SPÖ ändern müsse, um Erfolg zu haben, kommt Rosenmayers Antwort sofort: Seines Erachtens gebe es auf Bundesebene zu viele Spitzefunktionäre, "die keine Ahnung von den bei uns vertretenen Menschen haben". Er empfehle daher ein indianisches Sprichwort: "Gehe einmal einige Schritte in den Schuhen derer, die du vertrittst."

Bürgermeisterbonus half der ÖVP in Wiener Neustadt

Rosenmayer kann freilich auch gut mit dem ÖVP-Bürgermeister des nahen Wiener Neustadt, Klaus Schneeberger. Der ÖVP-Klubchef im Landtag hat mit viel Unterstützung von Landes- und Bundes-ÖVP erstmals mit 45 Prozent die SPÖ von Platz eins in der einst tiefroten Hochburg erobert. Das Bürgermeisteramt hat die SPÖ schon 2015 an Schneeberger und dessen "bunte" Regierung mit FPÖ, Grünen und zwei Namenslisten abtreten müssen. Rosenmayer bescheinigt der SPÖ mit Spitzenkandidatin Margarete Sitz: "Die sind gerannt bis zum Schluss." Schneeberger habe aber den Bonus als Bürgermeister genützt. Das SPÖ-Ergebnis mit gut 26 Prozent und einem Minus von 14 Prozentpunkten sei "erschreckend", räumt Rosenmayer jedoch ein.

In elf Gemeinden hat die ÖVP die SPÖ als Nummer eins abgelöst, vier Mal ist das der SPÖ gelungen. Weißer Fleck ohne ÖVP-Mandat im schwarzen Niederösterreich ist Zillingdorf im Bezirk Wiener Neustadt.