Anlässlich der am Mittwoch beginnenden türkis-grünen Regierungsklausur erinnert die SPÖ an ihre Forderungen im Steuerbereich. Es brauche eine Steuerbefreiung der Gehälter bis 1700 Euro brutto im Monat, verlangte Parteichefin Pamela Rendi-Wagner in einer Pressekonferenz am Dienstag. Dies bringe 1100 Euro Erleichterung für jeden Arbeitnehmer jährlich. Insgesamt soll das rote Steuerpaket ein Volumen von fünf Milliarden Euro haben.

3,5 Millionen Arbeitnehmer würden davon profitieren, aber auch 400.000 Einpersonen- und Kleinunternehmen, erläuterte Rendi-Wagner. Über die Kollektivverträge will die SPÖ - wie schon vor der Nationalratswahl 2019 gefordert - außerdem die Mindestlöhne auf ebenfalls 1700 Euro hinaufschrauben.

So weit wie Landeshautmann Hans Peter Doskozil im Burgenland, der den Landesbediensteten 1700 Euro netto garantiert, wollte sie allerdings nicht gehen. Dessen Schritt sei richtig, Doskozil habe diesen sicher auch durchgerechnet: "Aber wir haben das Gesamte im Blick gehabt." Unterschiede in den großen thematischen Fragen zwischen ihr und der SPÖ im Burgenland stellte sie einmal mehr in Abrede.

Als zweiten Punkt wünscht sich die SPÖ die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Mieten, als dritten eine faire und ökologische Reform der Pendlerpauschale. Man wolle einen kilometerabhängigen steuerlichen Absetzbetrag und zudem jene belohnen, die auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.

In Umsetzung bringen will die SPÖ dies schon zu Jahresmitte, nicht wie die Regierung in ersten kleinen Schritten ab 2021. Türkis-Grün wolle hier nur das ÖVP/FPÖ-Steuermodell in Umsetzung bringen, das nur 350 Euro pro Jahr an Entlastung bringe. Außerdem liege deren Schwerpunkt bei Einkommen um die 6000 Euro, denn nur diese 3,5 Prozent der Arbeitnehmer hätten den größten Vorteil. Die geplante Senkung der untersten Steuertarifstufen lehnt die SPÖ daher weiter ab.

"Eine Steuerreform kommt nicht an, wenn nicht ein ordentliches Volumen dahintersteht", betonte auch der Chef der SPÖ-Gewerkschafter (FSG), Rainer Wimmer. Die Abschaffung der kalten Progression sei auf die lange Bank geschoben, 6,5 Milliarden Euro hätten die Menschen seit der letzten Reform hier schon eingezahlt. Die Forderung sei daher, das Volumen niemals unter 5 Milliarden Euro zu halten, wenn es um die Entlastung der Menschen gehe.

An den Plänen der ÖVP ließ Wimmer kein gutes Haar. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gebe das Geld mit vollen Händen aus und gewähre den Unternehmen 1,6 Milliarden Euro Nachlass bei der Körperschaftssteuer, was das 57-fache dessen sei, was die nun wieder infrage gestellte Hacklerregelung bei den Pensionen koste. Die Pensionisten würden also belastet, Großbauern entlastet. Und: "Schampus trinken wird in Zukunft billiger", empörte er sich über die geplante Abschaffung der Schaumweinsteuer. (apa/red.)