Zu Neujahr wurde bekannt, dass ein 21-Jähriger aus Villach in seiner Wohnung an einer Überdosis aus einem Drogen- und Medikamentenmix verstarb. Wenige Wochen zuvor wurde bereits ein 26-Jähriger im Bezirk Spittal an der Drau mit Verdacht auf Drogenmissbrauch daheim tot vorgefunden.

Fälle wie diese werden in Österreich von der Polizei immer wieder publik gemacht. Es ist aber kein Zufall, dass hier zwei Fälle aus Kärnten angeführt sind. Das Bundesland fällt vor allem wegen seiner sprunghaft angestiegenen Zahl von Drogentoten auf. 24 gab es im Jahr 2018 in Kärnten. Fast doppelt so viele wie im Jahr davor - da waren es noch 13. Das geht aus dem Drogenbericht des Gesundheitsministeriums für das Jahr 2019 hervor. Jahrelang lag Kärnten im einstelligen Bereich. Zwischen 2015 und 2018 folgte ein kontinuierlicher Anstieg von Drogentoten. In Relation pro 100.000 Einwohner zwischen 15 und 64 Jahren rangierte Kärnten mit 6,6 Sterbefällen im Jahr 2018 mit einem Mal vor Wien (6,1) an der Spitze. In der Hauptstadt starben damals 79 Menschen an Drogen - die meisten in Österreich.

Das Problem ist der Mischkonsum

Kärntens Gesundheitsreferentin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Beate Prettner (SPÖ) versuchte die Diskussion darüber damit zu beruhigen, dass Kärnten mit 15 Drogentoten im vergangenen Jahr nun wieder im "langjährigen Schnitt" und wohl unterhalb des Österreich-Schnitts liegen könnte. Dies ist aber der zweithöchste Wert zumindest seit der Jahrtausendwende in Kärnten und wie die Zahlen der anderen Bundesländer aus dem Vorjahr aussehen, lässt sich deshalb noch nicht eruieren, da die Drogentodbilanz für das Jahr 2019 noch vorliegt.

Aber nicht nur die Entwicklung der Drogentoten in Kärnten fällt auf. Auch die Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz nahmen dort wie in den meisten anderen Bundesländern deutlich zu. Einerseits, weil die Polizei mehr Ressourcen in die Aufklärung von Suchtgifthandel steckt. Andererseits "haben die Migrationsströme seit 2015 einen Einfluss auf die Steigerung der Anzeigenzahlen bei den Suchtmitteldelikten", erklärt die Landespolizeidirektion Kärnten. Diese berichtet immer wieder von selbst offensiv über festgenommene Dealer, Schmuggler und vereinzelt über ausgehobene Drogenringe in Kärnten. Beutefotos werden der Außenwelt regelmäßig stolz präsentiert. Hat Kärnten ein Drogenproblem?

Barbara Drobesch-Binter ist Leiterin der Suchtkoordination Kärnten. Ihre Analyse spricht gegen einen Alarmismus. Aufgrund der Vorfälle 2018 untersuchten Experten die Drogentodesfälle der vergangenen drei Jahre. "Sie kamen zu dem Ergebnis, dass 2018 ein statistischer Ausreißer war und keine Gesetzmäßigkeiten zu erkennen sind", so Drobesch-Binter.

Die Todesfälle unter Jüngeren sind eher auf einen "hochriskanten Experimentierkonsum" zurückzuführen, erklärt sie. Meist waren die Verstorbenen davor weder polizeilich auffällig, noch besuchten sie eine Beratungsstelle. Bei Älteren war es der jahrzehntelange Konsum, der den Körper so schädigte, dass eine hohe Mischdosierung zum Tod führte. Die Leiterin der örtlichen Drogenkoordination kann auch kein generelles Kärnten-Spezifikum in den Fällen erkennen. Nur wenige Betroffene waren vor ihrem Tod in Behandlung, die meisten Drogenpatienten hatten wenig überraschend eine schwierige Biografie, die meisten keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Drogen kommen aus Slowenien oder über das Darknet

"Was auffällig ist, aber auch nicht nur in Kärnten", sagt Drobesch-Binter, "zu Todesfällen kommt es nicht mehr wie vor Jahren durch eine Heroin-Überdosis, sondern zu einem hohen Prozentsatz durch eine Mischvergiftung." Etwa durch gleichzeitigen Konsum von Opiaten, Cannabis, Alkohol und Medikamenten wie Benzodiazepin. Letzteres ist in verschreibungspflichtigen Schlaf- und Beruhigungsmitteln enthalten, "die man unter anderem durch Verschreibung vom Hausarzt bekommt, die aber auch am Schwarzmarkt abgegeben werden", sagt Drobesch-Binter.

Etwa die Hälfte der Drogentoten in Kärnten aus dem Jahr 2018 sei auf Mischkonsum zurückzuführen, heißt es aus dem Kriminalamt der Landespolizei. Vereinzelte Hinweise auf Suizidabsicht gibt es zwar, Statistiken dazu werden aber nicht geführt.