Nachdem am späten Sonntagabend wegen des Verdachts auf zwei Coronaviren-Fälle ein Zug von Venedig nach München am Brenner angehalten worden war, waren die Bahnverbindungen zwischen Italien und Österreich am Montag wieder frei befahrbar. Die Angst in Österreich ist damit freilich nicht gebannt - ganz im Gegenteil. Nach sieben Toten und immer mehr Nachweisfällen in Italien ist das Virus, von China kommend, in greifbare Nähe gerückt. Panik sei aber nicht angebracht, sagt der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge, Herbert Saurugg. "Der wesentlichste Aspekt ist es, Ruhe zu bewahren. Aber Vorsorge ist überlebenswichtig." Bevor man richtig vorsorgen kann, geht es in erster Linie um Aufklärung rund um das Virus. Die "Wiener Zeitung" hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst:

Coronaviren können schwere Lungenerkrankungen verursachen. - © apa/afp/Lizabeth Menzies
Coronaviren können schwere Lungenerkrankungen verursachen. - © apa/afp/Lizabeth Menzies

Was sind Coronaviren überhaupt?

Coronaviren (CoV) bilden laut der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (Ages) eine große Familie von Viren, die leichte Erkältungen bis hin zu schweren Lungenentzündungen verursachen können. Zu den Coronaviren gehören unter anderen das Mers-Coronavirus (Mers-CoV), das 2012 erstmals beim Menschen aufgetreten ist, und das Sars-Coronavirus (Sars-CoV). Coronaviren, die ihren Namen den kranzförmigen Fortsätzen ihrer Proteinhülle verdanken, werden zwischen Tieren und Menschen übertragen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde am 7. Jänner 2020 in China (Region Wuhan) ein neuartiges, behülltes Coronavirus (2019-nCoV) identifiziert, das zuvor noch nie beim Menschen nachgewiesen wurde. Am 11. Februar verlautbarte die WHO einen offiziellen Namen für die Erkrankung: Covid-19 (coronavirus disease 2019). Die Bezeichnung für den Erreger wurde von 2019-nCoV auf Sars-CoV-2 geändert.

Wie gefährlich ist dieses neuartige Coronavirus?

Die Gefährlichkeit sei noch nicht absehbar, heißt es von der Ages. Momentan scheine sie deutlich niedriger als bei Mers (bis zu 30 Prozent Sterblichkeit) und Sars (etwa 10 Prozent Sterblichkeit) zu sein - man gehe derzeit von einer Sterblichkeit von bis zu drei Prozent aus. Ähnlich wie bei der saisonalen Grippe durch Influenzaviren (Sterblichkeit unter einem Prozent) sind vor allem alte Menschen und immungeschwächte Personen betroffen.

Wie ansteckend ist es?

Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung stellt der Ages zufolge den wichtigsten Infektionsweg dar. Neben den Sekreten des Atmungstraktes und Speichel, übertragbar durch Tröpfcheninfektion zum Beispiel durch hustende Infizierte, könnten auch Ausscheidungen (Harn, Stuhl) und Körperflüssigkeiten wie Blut infektiös sein.

Welche Symptome gibt es?

Da die Inkubationszeit zwischen zwei und 14 Tagen beträgt und laut dem Experten Zhong Nanshan in der "China Daily" sogar bei bis zu 24 Tagen liegen kann, treten die Symptome nicht sofort auf. Diese sind unter anderen Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden. In schwereren Fällen könne die Infektion eine Lungenentzündung, ein schweres akutes Atemwegssyndrom oder Nierenversagen den Tod verursachen, so die Ages. Es gebe auch milde Verlaufsformen (Symptome einer Erkältung) und Infektionen ohne Symptome.

Wie kann man sich vor Übertragung schützen?

Durch mehrmals tägliches Händewaschen. Zudem sollte der direkte Kontakt zu kranken Menschen vermieden werden. Eine Schutzimpfung gibt es nicht.

Helfen Grippemasken?

Die Ein-Weg-Grippemasken können lediglich davor schützen, dass man selbst das Virus auf andere überträgt - sie dienen aber nicht dem eigenen Schutz, heißt es von der Ages im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dafür bräuchte es partikelfiltrierende Atemschutzmasken der Klassen FFP 2 oder FFP 3, wie sie zum Beispiel in Spitälern verwendet werden. "Diese Masken sind aber nicht alltagstauglich, weil mit ihnen das Atmen sehr schwer fällt", so die Ages.

Was tun, wenn man aus China oder Italien kommt?

Sich vorsorglich untersuchen zu lassen, wird von der Ages nicht empfohlen. Sind aber bereits während der Reise oder innerhalb von zwei bis drei Wochen nach der Rückkehr Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden aufgetreten, sollte man zuhause bleiben und die telefonische Gesundheitsberatung unter der Telefonnummer 1450 zur weiteren Vorgehensweise (diagnostische Abklärung) kontaktieren sowie die zuständige Gesundheitsbehörde informieren.

Wird am Wiener Flughafen kontrolliert?

Zur Zeit wird nur nach den Direktflügen aus Peking kontrolliert. Bei einem Verdachtsfall wird laut Ages nach Sicherheitskriterien vorgegangen, die vom Gesundheitsministerium vorgegeben werden: So wird zum Beispiel die Person isoliert, Kontaktpersonen, die keine Symptome zeigen, werden informiert und zwei Wochen ärztlich betreut (regelmäßiges Temperaturmessen). Tests werden erst durchgeführt, wenn diese Kontaktpersonen Symptome einer Erkrankung zeigen.

Gibt es schon Nachweise des Virus in Österreich?

Nein. In Österreich wurden bis Montagvormittag (Stand 24. Februar 10 Uhr) 189 Tests wegen Verdachts auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 durchgeführt. Bisher trat kein Erkrankungsfall auf. Die aktuellen Untersuchungsergebnisse auf Coronavirus in Österreich werden auf der Webseite des Sozialministeriums veröffentlicht. Eine Erkrankung mit Sars-CoV-2 ist anzeigepflichtig. Sie ist zwar nicht im Epidemiegesetz angeführt, die Anzeigepflicht wurde aber vom Gesundheitsministerium per Verordnung festgelegt.

Wie kann man für eine Pandemie vorsorgen?

Von Pandemie spricht man, wenn es zu einer weltweiten, seuchenhaften Ausbreitung kommt. Laut Herbert Saurugg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge, soll man schon jetzt Vorsorge genereller Art treffen. Konkret gehe es vor allem um Reserven für zwei Wochen bezüglich Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten. Die Gefahr sei weniger, selbst zu erkranken, sondern seien vielmehr Lieferengpässe für Supermärkte durch Ausfälle in der Infrastruktur. Aus Sauruggs Sicht müsse "jetzt in den Krisenmodus umgeschaltet werden". Versorgungsketten könnten ab einem Ausfall von zehn Prozent des Personals in Gefahr geraten. "Spätestens im Mai werden wir spüren, dass über die Schifffahrtswege weniger Warenlieferungen aus China bei uns ankommen", meint Saurugg. Es könne zu längeren Versorgungsengpässen kommen. Dazu könnten Medikamente sowie Teile für die Autoindustrie gehören. Für Schutzmasken und -kleidung gelte das bereits.