Wien/Marseille/Rom. Ob es schon die große Erleichterung bringt, ist ungewiss, aber es gibt immerhin Hinweise darauf, dass einige Medikamente positive Effekte gegen das derzeit grassierende Coronavirus haben. Ein vom in Wien ansässigen Biotechnologie-Unternehmen Apeiron entwickelter Wirkstoff wird in China an Patienten mit schweren Sars-CoV-2-Infektionen getestet. 24 Patienten werden im Rahmen der Studie, an der auch der Genetiker und Apeiron-Gründer Josef Penninger beteiligt ist, über sieben Tage hinweg mit dem Wirkstoff-Kandidaten APN01 behandelt. Die Pilotstudie wird von einem Forschungsteam mit Experten aus China, Österreich und Kanada durchgeführt.

Außerdem wurde vermeldet, dass das herkömmliche Malaria-Mittel Chloroquin sich in einer klinischen Studie in China als wirksam gezeigt habe. Der Leiter des Instituts für Infektionskrankheiten in Marseille, Didier Raoult, beruft sich auf eine Untersuchung von drei chinesischen Forschern und betont, dies wäre eine "außerordentliche Nachricht".

Indes gibt es erstmals seit Ausbruch des Coronavirus nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr neu gemeldete Fälle außerhalb Chinas als in der Volksrepublik selbst. Am Dienstag wurden aus China 411 neue Infektionen gemeldet, außerhalb Chinas waren es 427. In Europa geht die Verbreitung weiter: Deutschland meldete am Mittwochnachmittag bereits 20 Fälle, Kroatien zwei, Frankreich 14, Spanien sieben. Die meisten Erkrankungen hat Italien mit 374.

Virus breitet sich auch in Golf-Region aus

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hat am Mittwoch alle Mitgliedsländer aufgerufen, ihre Pandemiepläne mit Blick auf das neue Coronavirus zu überarbeiten. Sie betonte am Mittwoch in Rom vor der Presse: "Die Europäische Union ist noch in der Eindämmungsphase, es ist wichtig, das zu unterstreichen."

Es gehe also weiter um den Schutz vor einer ganz großen Ausweitung. Aber die Lage bei der neuen Lungenkrankheit könne sich schnell ändern. Dies sehe man auch an dem jüngsten Ausbruch in Italien. Die EU setze alles daran, ihre Bürger vor dem neuen Corona-Virus zu schützen, versicherte Kyriakides.

Steigende Sars-CoV-2-Infektionen im Iran führen dazu, dass sich das neuartige Coronavirus auch in der Golf-Region ausbreitet. Irans regionale Nachbarländer Irak, Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) meldeten mehrere neue Fälle von Patienten, die zuvor in den Iran gereist waren.

In den USA ist Präsident Donald Trump davon überzeugt, eine eventuelle Infektionswelle bewältigen zu können. Die US-Westküstenmetropole San Francisco hat wegen Befürchtungen einer Ausbreitung den Notstand ausgerufen. Dies sei ein "proaktiver" Schritt, teilte die Stadtverwaltung am Dienstag mit.

Auch Litauen hat vorsorglich den Notstand ausgerufen, obwohl dort noch keine Fälle bekannt waren.