Ein letztlich negativer Corona-Verdachtsfall im Bundesrealgymnasium Albertgasse in der Wiener Josefstadt, ein im Laufe des Tages ebenso nicht bestätigter Corona-Verdachtsfall nach dem Tod einer Italienierin in einem Hotel im Kärntner Bad Kleinkirchheim: Nach den beiden am Dienstag bestätigten Corona-Fällen in Innsbruck - ein junges Paar aus Italien, das sich bereits auf dem Weg der Besserung befindet - steigerte sich am Mittwoch die Aufregung um mögliche weitere Fälle der Infektionskrankheit in Österreich noch.

Gleichzeitig ist die Bundesregierung weiter bemüht, keine Panik aufkommen zu lassen. Das Bildungsministerium hat gleichzeitig zur Aufklärung an die Schulen einen Krisenplan für den Fall eines Corona-Verdachts gesandt.

Am frühen Nachmittag gab der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) im Falle der Wiener Schule Entwarnung. Die Sperre der Schule wurde nach negativem Test aufgehoben. Am Vormittag war die Schule abgeriegelt worden, Schüler und Lehrer mussten im Gebäude bleiben. Der Grund: Eine Lehrerin könnte sich bei einem Aufenthalt in Norditalien möglicherweise mit dem Corona-Virus infiziert haben. Schüler des BRG Albertgasse hatten die "Kasernierung" gelassen hingenommen.

Am Nachmittag wurde bekannt, dass bei einem Mitarbeiter der UNO-City in Wien ebenfalls der Verdacht einer Infektion mit dem Coronavirus aufgetaucht ist. Der Mitarbeiter wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, vier enge Kontaktpersonen nach Hause geschickt. Der Test bestätigte keine Erkrankung, es blieb also bei zwei Fällen in Österreich.

Krisenplan für Schulen - Kindergärten Sache der Länder

Das Bildungsministerium hat übrigens bereits einen Krisenplan zum Umgang mit dem Corona-Virus an Schulen und Hochschulen verschickt. Darin enthalten ist eine Checkliste, wie zu reagieren ist, wenn eine Infektion oder ein dringender Verdachtsfall festgestellt oder gemeldet wird. Schulen und Unis müssen in jedem Fall die Gesundheitsbehörden einschalten, weil es sich um eine meldepflichtige Infektionserkrankung handelt. Die Gesundheitsbehörden treffen alle weiteren Entscheidungen.

Gibt es bei Minderjährigen einen Verdacht auf oder die Bestätigung einer Infektion, müssen auch die Erziehungsberechtigten informiert und die weitere Vorgangsweise - etwa eine Einlieferung ins Spital - geklärt werden. Über alle weiteren Schritte entscheiden die Gesundheitsbehörden, etwa über Virus-Testungen oder eine Sperre der Schule, wie am Mittwoch in der Wiener Albertgasse. Die Bildungsinstitutionen sind dabei verpflichtet, die Anordnungen der Behörde zu befolgen und sie bei der Umsetzung zu unterstützen. Außerdem müssen sie dokumentieren, mit welchen Menschen die Betroffenen Kontakt hatten, und welche Maßnahmen im Umgang mit dem Corona-Fall wann getroffen wurden.

Im Bildungsministerium selbst wurde mittlerweile ein eigenes Krisenmanagement eingerichtet, das in engem Austausch mit den Bildungsdirektionen (früher: Landesschulräte) in den Bundesländern steht. Auch bei den Sitzungen des Krisenstabs des Innenministeriums zu Corona ist das Ressort dabei.

Kanzler rät zu "vernünftigem Verhalten"

Bei den Kindergärten ist das Ministerium nicht für die Krisenkommunikation zuständig. "Wir gehen aber davon aus, dass die Länder ihre Einrichtungen informieren", hieß es aus dem Büro von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP). Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat in einem Pressestatement vor dem Ministerrat die Österreicher zu vernünftigem Verhalten in der Corona-Krise aufgefordert. Reisewarnungen seien keine Empfehlungen, sondern einzuhalten. Eine partielle Reiswarnung gibt es derzeit für Italien, nämlich für die Gemeinden Vò Euganeo, Codogno, Castiglione d’Adda, Casalpusterlengo, Fombio, Maleo, Somaglia, Bertonico, Terranova dei Passerini, Castelgerundo und San Fiorano in der Lombardei und Venetien. Auch mahnte der Bundeskanzler, bei Erkrankungen Events zu meiden und Symptome nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Großveranstaltungen grundsätzlich abzusagen, ist von der Bundesregierung nicht geplant. Auch die prophylaktische Sperre von Schulen oder Kindergärten sei absolut nicht vorgesehen, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Dass die beiden bisher bestätigten Corona-Fälle in Innsbruck nicht die letzten sein werden, ist für Kurz klar: "Auch um Österreich wird Corona keinen Bogen machen." Es gebe immer mehr Verdachtsfälle. Darauf reagiere man konsequent und schnell mit dem Ziel, die Ausbreitung bestmöglich einzudämmen.

Einen Hoffnungsschimmer sieht Anschober just im Corona-Herkunftsland China. Ein "erstes gutes Signal" sei, dass außerhalb der Ausgangsprovinz in den vergangenen 24 Stunden nur elf Fälle gemeldet worden seien. In Österreich gab es bei 321 Testungen bisher zwei positive Fälle, berichtete Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). 23 Personen seien in Quarantäne, davon zwölf in Tirol, acht in Salzburg und drei in Kärnten. Die Betroffenen verhielten sich dabei sehr kooperativ. Weiter ausgebaut werden sollen laut Bundesregierung die Kapazitäten für die Corona-Hotline.

Außenministerium empfiehlt Reiseregistierung

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus weltweit rät das österreichische Außenministerium vor Reisen zu einer Registrierung. Unter www.reiseregistrierung.at können Auslandsurlauber generell Kontakt- und Reiseinformationen hinterlassen. Somit tut sich das Außenministerium leichter, im Fall des Falles Betroffene zu kontaktieren

Auch in der Kirche reagiert man auf das Coronavirus. Um eine Übertragung des Covid-19-Virus so weit wie möglich zu verhindern, hat der Salzburger Domkustos Johann Reißmeier das Weihwasser aus den Weihwasserbecken entfernen lassen. Zudem wird auf die Mundkommunion und auf den Händedruck beim Friedensgruß verzichtet. Das sei in Absprache mit Medizinern und der Diözesanleitung erfolgt.(apa/red)