Sie wurden beworben, ersehnt, dann heftig kritisiert und schließlich Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens, um letztendlich als belächeltes Kuriosum in Österreichs jüngste Geschichte einzugehen: die insgesamt rund neun Millionen Grippeschutzmasken, die die damalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) im Jahr 2006 als Schutz gegen die Vogelgrippe in zu großer Menge angekauft hatte.

Der Bund hatte zugesichert, jene Masken, die der Handel nicht an den Mann bringen konnte, aufzukaufen, was schließlich auch für 4,2 Millionen Euro geschah. Diese Masken könnten nach jahrelanger Einlagerung nun doch noch zum Einsatz kommen. Zumindest ein Teil davon, obwohl sie bereits 2016 abgelaufen sind.

Denn 1,6 Millionen der zurückgekauften 7,7 Millionen Masken wurden durch Testung der Prüfstelle des Bundesheeres als einsatztauglich - auch gegen das Coronavirus - bezeichnet, hieß es am Donnerstag vom Verteidigungsministerium. Die Lieferung der Schutzmasken aus den Lagern des Bundesheeres sei nun abgeschlossen. Die Masken der Klasse FFP1 seien an das Gesundheitsministerium, die Landessanitätsbehörden der Bundesländer sowie an das Außenministerium übergeben worden.

"Weitere Maßnahmen geplant"

"Diese eiserne Reserve wird alle aktuell laufenden Bemühungen unterstützen, die gute Versorgung von Patientinnen und Patienten in Österreich auch in der derzeitigen Ausnahmesituation aufrechtzuerhalten", sagte dazu Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Nachdem sich Meldungen von gestohlenen Schutzmasken aus Spitälern - etwa in der Steiermark - und die Angst vor Engpässen verbreitet hatten, kalmierte Anschober: "Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es ausreichend entsprechende Schutzmasken für medizinisches Personal. Es sind weitere Maßnahmen in Vorbereitung, um die Versorgungslage auch in den nächsten Wochen und Monaten für das medizinische Personal sicherzustellen."

Die Grippeschutzmasken der Klasse FFP1 aus der Ära Rauch-Kallats bieten allerdings nicht den höchsten Schutz. Dieser wäre durch partikelfiltrierende Atemschutzmasken der Klasse FFP3 gegeben, auch durch Masken der Klasse FFP2 sei er höher, heißt es von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages). FFP1-Masken seien aber immerhin effizienter als Ein-Weg-Grippemasken. Diese schützen davor, dass man selbst das Virus auf andere überträgt, dienen aber nicht dem eigenen Schutz.

Gewebeporen zu grob

Warum das so ist? "Die Ein-Weg-Masken schließen nicht luftdicht ab, das Gewebe ist grob", so die Ages. Die Viren seien viel kleiner als die Poren des Gewebes. Hustet man sie in Tröpfchen aus, bleiben sie mit diesen an der Innenseite der Maske kleben. Sind sie aber einmal ausgehustet und die Tröpfchen zerstäubt, finden die Viren ihren Weg zum Beispiel über Mund, Nase oder Augen in den Körper. Rückt man sich die locker sitzende Ein-Weg-Maske mit der Hand zurecht, führt man mitunter mit dieser die Viren gleich direkt in sein Gesicht. Mit den partikelfiltrierenden FFP-Masken, die auch in Spitälern verwendet werden, fällt laut Ages aber wiederum das Atmen schwer. Der beste Schutz sei daher, sich mehrmals täglich die Hände zu waschen.

Doch noch einmal zurück zum Ermittlungsverfahren rund um die Grippeschutzmasken von 2006: Damals stand deren Beschaffung im Fokus der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Ermittelt wurde wegen des Verdachts der Untreue und der verbotenen Intervention. Die Vorwürfe lauteten unter anderen, dass das Vergabeverfahren nicht durchgeführt worden sei und die Masken zu teuer eingekauft worden seien.

2014 hat die WKStA das Verfahren gegen Rauch-Kallat und die vier weiteren Beschuldigten eingestellt, darunter Rauch-Kallats Ehemann, der Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly. Dieser hatte für die deutsche Dräger-Gruppe gearbeitet - einen der schließlich zum Zug gekommenen Konzerne, der aktuell erneut eine gestiegene Nachfrage nach Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräten für Spitäler verzeichne, wie es von diesem heißt.