Mit 77 Millionen Euro sind die Kosten für den neuen Bahnhof veranschlagt. Nach einer Diskussion über ein Jahrzehnt lang hat die Stadt Bregenz Ende Februar sicher nicht zufällig zwei Wochen vor der Gemeinderatswahl am 15. März eine Planungsvereinbarung mit dem Land Vorarlberg und den ÖBB abgesegnet. Die Stimmen dazu kamen von der Stadtkoalition von ÖVP und Grünen. Als "Mobilitätsdrehscheibe" wird das Großprojekt den knapp 30.000 Einwohnern des Landeshauptstadt angekündigt, 2021 soll die bauliche Umsetzung beginnen.

Der neue Bahnhof soll für die ÖVP in Bregenz mit Langzeitbürgermeister Markus Linhart und die grüne Vizebürgeremeisterin Sandra Schoch bei der Gemeinde- und Bürgermeisterdirektwahl politischen Profit abwerfen. In insgesamt 96 Kommunen werden am 15. März rund 300.000 Wahlberechtigte für fünf Jahre über die Stärkeverhältnisse im Gemeinderat und das Bürgermeisteramt entschieden, wobei über Letzteres auch erst eine Stichwahl am 29. März entscheiden kann. 30.806 EU-Bürger sorgen dafür, dass rund 300.000 Vorarlberger und damit mehr als im Oktober bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag wahlberechtigt sind.

Schwarz-Grün auch in Bregenz auf dem Prüfstand

Nur fünf Monate nach der Landtagswahl, die dann zur Neuauflage einer schwarz-grünen Koalition in Vorarlberg geführt hat, steht in Bregenz nun eine schwarz-grüne Zusammenarbeit auf Stadtebene auf dem Prüfstand. Der schwarze Bürgermeister Linhart und seine grüne Stellvertreterin Sandra Schoch, waren auch jenen treibenden Kräften, die für eine Fortsetzung der schwarz-grünen Koalitionsehe auf Landeseben die Werbetrommel gerührt haben.

Es ist auch symptomatisch, dass mit dem Neubau des Bahnhofs und den städtebaulichen Folgen für die Landeshauptstadt ein Verkehrsthema mit im Zentrum politischen Diskussionen gestanden sind und stehen. Unter dem Eindruck der Probleme durch den Straßenverkehr, unter denen die Landeshauptstadt leidet, und den Folgen für den Klimaschutz hat die schwarz-grüne Stadtkoalition das Bahnhofsvorhaben jetzt durchgeboxt. Die SPÖ, die in Bregenz ungleich stärker ist als die schwachbrüstige Landespartei, hätte lieber eine Unterflur-Variante vorgezogen. Die FPÖ wollte die Bahn völlig unter die Erde bringen, was die Kosten nach oben getrieben hätte. Die bessere Einbindung und Anbindung der Stadt an den Bodensee und das in Bregenz teure Wohnen waren im Vorfeld der Wahl ebenfalls zentralen Themen.

Der SPÖ-Herausforderer probiert es zum vierten Mal

Mit dem Diplomatensohn Markus Linhart will es ein schwarzes Urgestein noch einmal wissen. Längstdienender Bürgermeister ist der seit Jänner 1998 bereits 22 Jahre im amtbefindliche Bregenzer Rekordhalter als Stadtchef ohnehin bereits. Der Jährige hat aber angekündigt, weitere fünf Jahre im Amt bleiben zu wollen, verjüngt wurde nur Kandidaten auf vorderen ÖVP-Listenplätzen.

Der erste Herausforderer hat ebenfalls schon Tradition. Zum nunmehr vierten Mal versucht der frühere SPÖ-Landeschef Michael Ritsch einen Anlauf auf den Bürgermeisterposten. 2015 allerdings hat Amtsinhaber Linhart die Wiederwahl sogar hauchdünn im ersten Durchgang ohne Stichwahl gegen die weiteren Bewerber gewonnen. Dieses Mal hat sogar die derzeitige Vizebürgermeisterin Schoch, die aus Mellau im Bregenzerwald stammt, den Kampf um das Bürgermeisteramt ausgerufen. Für die FPÖ geht Philipp Kuner ins Rennen, unter anderem mit der Parole für billigeren Wohnraum für einheimische Stadtbewohner. Im Gemeinderat lautet die Sitzverteilung in Bregenzbisher: ÖVP 16, SPÖ 8, FPÖ 6, Grüne 5, Neos 1.

In der FPÖ blickt alles auf Hohenems

Auf Kommunalebene ist das Ländle noch schwärzer als auf Landesebene. Die ÖVP, ÖVP-nahe Listen oder deklariert bürgerliche Listen stellen 91 der 96 Bürgermeister in Österreichs westlichstem Bundesland. Die SPÖ verteidigt zwei Bürgermeisterposter – in Bürs sowie in St. Gallenkirch jeweils im Bezirk Bludenz. Die FPÖ hat 2015 drei Bürgermeistersessel erobert, wobei der blaue Ex-Landesparteichef Dieter Egger als Titelverteidiger in Hohenems im Mittelpunkt des Interesses steht. Hingegen hat es bei den Grünen, die bereits 1984 mit Kaspanaze Simma erstmals in den Landtag eingezogen sind, noch niemand zum Chef einer Gemeinde gebracht. Vizebürgermeisterehren waren bisher das höchste der Gefühle.

Die größte Stadt Vorarlbergs, Dornbirn, mit 50.000 Einwohnern ist in der Hand von Bürgermeisterin Andrea Kaufmann. Die schwarze Politikerin war sogar einmal ab 2011 unter Michael Spindelegger Stellvertreterin in der ÖVP-Bundespartei. Die SPÖ hat vor allem Bludenz im Visier. Dort möchte sie das Bürgermeisteramt erobern, nachdem Spitzenkandidat Mario Leiter 2015 in der Stichwahl nur knapp gescheitert ist. Für die ÖVP ist es in Bludenz eine "herausfordernde Situation", dort tritt der erst 27jährige Simon Tschann als Kandidat an.

In 14 kleinen Vorarlberger Gemeinden werden allerdings am 15. März leere Stimmzettel aufliegen. Dort kommt bundesweite Sonderregelung mit dem Mehrheitswahlrecht zum Tragen. Die Wahlberechtigten können dabei doppelt so viele Namen auf dem leeren Stimmzettel angeben wie es jeweils Mandate zu verteilen gibt. Jene Bürger mit den meisten Stimmen ziehen in die Gemeindevertretung ein – sofern sie die Wahl annehmen.