Was im österreichischen Gesundheitssystem bisher immer zu Kritik von Gesundheitsökonomen Anlass gegeben hat, stellt sich nun in der Coronavirus-Epidemie als Glücksfall heraus: Österreich hat 64.000 Krankenhausbetten, 47.600 davon in der Akut- und Kurzzeitversorgung, und befindet sich daher in einer besseren Situation als Italien.

"Wir haben insgesamt mehr Spitalsbetten pro Einwohner. Wir haben auch mehr Intensivbetten pro Einwohner", erklärte Klaus Markstaller, Präsident der österreichischen Fachgesellschaft der Intensivmediziner (Ögari) am Mittwoch der APA. "In Wien haben wir nahezu 600 derartige Betten. Am AKH Wien hier sind es allein 140 Intensivbetten." In Wien gibt es derzeit laut Gesundheitsstadtrat Peter Hacker vier Covid-19-Intensivpatienten.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober ist bemüht, die Situation in den Spitälern möglichst entspannt dazuzustellen: "Wir machen regelmäßig Kapazitätsprognosen - von der Schutzkleidung bis hin zu Personal. Derzeit gibt es keine Akutsituation."

Stufenplan für Intensivpatienten

Auch wenn man sich derzeit in einer günstigen Situation befinde, gebe es aber nichts zu beschwichtigen. "Natürlich können auch wir in Österreich in eine kritische Situation kommen, je nachdem, wie die Ausbreitung des Virus erfolgt. Das ist aber nicht vorhersehbar", betonte der Experte.

Da bei schwerem Krankheitsverlauf durch eine Sars-CoV-2-Infektion die virale Pneumonie beziehungsweise im schwersten Fall akutes Atemversagen (ARDS) im Vordergrund stehen, geht es vor allem um die Kapazitäten, Betroffene künstlich zu beatmen. Hier sei ein stufenweises Vorgehen bezüglich der Kapazitäten notwendig, sagte Markstaller.

"Es gibt immer auch gesperrte Betten. Die wird man öffnen. Dann wird man danach trachten, in Intensivstationen befindliche Patienten möglichst schnell wieder auf Normalstationen zu transferieren. Man kann natürlich auch den Zufluss etwas steuern. Wenn für den Betroffenen kein Nachteil entsteht, wird man geplante chirurgische Eingriffe, bei denen man nachher eine intensivmedizinische Betreuung benötigt, verschieben", sagte der Experte.

Personalknappheit
ein Problem

"Hinzu kommt, dass wir in Österreich neben den Intensivbetten auch relativ viele Betten auf Aufwachstationen haben, die schnell für Patienten mit Beatmungsnotwendigkeit aufgerüstet werden können", sagte Markstaller.

Doch die technischen Einrichtungen sind nur ein Punkt. "Das Personal ist ein kritisches Thema. Das ist jetzt schon knapp. Und schließlich können ja auch Angehörige des medizinischen Personals von Covid-19 betroffen sein", erklärte der Ögari-Präsident.

Unterdessen schaffen es einige Arztpraxen und Kliniken auf ihren traditionellen Beschaffungswegen zur Zeit nicht, die gewünschten Mengen an neuen Gummihandschuhen zu bekommen. "Im Normalfall beträgt die Lieferzeit bei Handschuhen durchschnittlich 8 Wochen, für einzelne Produkte sind wir mittlerweile bei mehr als 20 Wochen", hieß es von Semperit.(apa)