Die De-facto-Ausgangssperre wegen des Coronavirus in Tirol hat auch drastische Folgen für österreichische Staatsbürger, aber Nicht-Tiroler. Sollten diese nicht unter anderem über einen Haupt- oder Nebenwohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Tirol verfügen und dort einer bestimmten beruflichen Tätigkeit nachgehen, müssen sie das Bundesland "unverzüglich" verlassen. Dies geht aus den der APA vorliegenden Verordnungen der Bezirkshauptmannschaften hervor. Zudem ist auch nur jenen österreichischen Staatsbürgern die Einreise zu gestatten, bei denen die genannten Voraussetzungen hinsichtlich des Wohnsitzes und der beruflichen Tätigkeit vorliegen.

Tirol kappt Bus- und Zugverbindung nach Deutschland

Sonntagfrüh wurde außerdem der grenzüberschreitende Zug- und Busverkehr nach Deutschland eingestellt.  Damit gibt es keinen Zugverkehr zwischen Innsbruck Hauptbahnhof und München Hauptbahnhof mehr. Die Regionalzüge enden in Mittenwald, zwischen Innsbruck und Scharnitz bleibt so die Verbindung aufrecht, hieß es in einer Aussendung. Die Züge aus Garmisch-Partenkirchen in Richtung Reutte enden in Griesen, hier gibt es somit ebenfalls keine direkte Verbindung nach Deutschland. Die Züge aus Kempten in Richtung Reutte enden in Pfronten-Steinach. Zwischen Vils und Ehrwald und Reutte und Innsbruck wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet.

Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) teilte darüber hinaus mit, dass die Öffi-Angebote laufend adaptiert werden. "Aus diesem Grund darf ich alle, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeiten weiterhin auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind bitten, sich laufend über die Online-Dienste des Verkehrsverbund Tirols und der ÖBB zu erkundigen". Man halte zwar den öffentlichen Verkehr aufrecht, die Nutzung solle aber auf ein Minimum reduziert werden, appellierte Felipe. Der Stadtverkehr der Innsbrucker Verkehrsbetriebe wird im Laufe der kommenden Woche auf Ferienbetrieb umgestellt.

Amtsgebäude bis 10. April geschlossen

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter wandte sich am Samstag in einer dramatischen Rede an die Bevölkerung. - © APAweb / APA / EXPA/Erich Spiess
Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter wandte sich am Samstag in einer dramatischen Rede an die Bevölkerung. - © APAweb / APA / EXPA/Erich Spiess

Neben den Einschränkungen im öffentlichen Verkehr wird auch die Verwaltung in Tirol eingeschränkt. Im Landhaus selbst wird verstärkt auf Heimarbeit gesetzt und ein minimierter Betrieb im Haus eingeführt. "Die telefonische Erreichbarkeit der Dienststellen bleibt gewährleistet – dringliche Anfragen werden auch weiterhin abgewickelt", versicherte Landesamtsdirektor Herbert Forster.

Im Laufe des Samstagabend sowie am Sonntag wurden unterdessen 26 weitere Corona-Fälle in Tirol bekannt. Mindestens fünf haben einen Bezug zu den isolierten Orten, außerdem gibt es erstmals vier Fälle in Osttirol. Damit gibt es derzeit in Tirol 247 positive Fälle, zwei sind bereits wieder gesund.

De-facto-Ausgangssperre verhängt.

  Der Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hatte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zuvor in einer Erklärung angekündigt, eine "Verkehrsbeschränkung" zu verordnen, de facto also eine Ausgangssperre. Ausnahmen seien nur Notfälle oder wenn die Menschen Lebensmittel und Medikamente einkaufen bzw. zur Arbeit müssten.

Die Maßnahme tritt mit Aushang der Verordnung noch am Sonntag in Kraft, sagte Platter in der Erklärung, die im ORF sowie auf der Facebook-Seite des Landes aus dem Landhaus übertragen wurde. Die "Verkehrsbeschränkung" aller Personen, die sich in Tirol aufhalten, gelte vorerst für eine Woche, so der Landeshauptmann. "Ohne einen triftigen Grund darf niemand seine Wohnung verlassen", betonte Platter.

Als Ausnahmen führte der Landeschef "beruflich notwendige Gründe, medizinische Versorgung, Versorgung der Grundbedürfnisse, Rückkehr zum eigenen Wohnort und wenn es berechtigte Gründe zum Verlassen des Landes gibt" an. Die Menschen dürften nur noch in Ausnahmefällen das eigene Haus verlassen. "Es ist aber erlaubt, einkaufen zu gehen, Besorgungen bei der Apotheke zu machen, Geld vom Geldautomaten abzuheben, zum Arzt zu gehen oder den Hund auszuführen", sagte er.

Zudem sei der Weg vom Arbeitsplatz und zurück nicht von der Sperre umfasst. Allerdings seien die Menschen angehalten, nach Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten. Auch Besuche bei Älteren und Minderjährigen, körperlich geschwächten Personen und Behinderten blieben erlaubt. Auch Besorgungen für Menschen, die ihre Wohnungen nicht mehr verlassen können oder sollen, seien weiter erlaubt.

Es handle sich um die schwierigste Situation, die Tirol in der Nachkriegsgeschichte je hatte, machte Platter deutlich. Es gelte, "Verhältnisse zu vermeiden, wie es sie in Teilen Italiens gibt". "Tirol schützt sich selbst", so der Landeshauptmann, der eine Garantie für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit abgab.

Tirol massiv betroffen

"Ich weiß, ich verlange sehr viel von Ihnen: Aber es ist notwendig", erklärte Platter sichtlich emotional. Die Maßnahmen seien notwendig, "um uns selbst zu schützen". "Nur so kann es uns gelingen, dass die Zeit rasch wiederkommt, die wir uns wünschen", sagte der Landeshauptmann und schloss mit folgenden Worten an die Landsleute: "Ich bin einfach unglaublich stolz auf Sie. Jetzt heißt's dahoam bleiben, wir packen's".

Derzeit gibt es in Tirol mit 245 (Stand: Sonntagvormittag) die meisten bestätigten Coronavirus-Fälle in Österreich. Über Orte im Paznauntal wie Ischgl, das als Virus-Herd gilt, sowie St. Anton am Arlberg war zuletzt bereits die Quarantäne verhängt worden.

In Tirol rüstet man sich auch für den Fall, dass eine große Anzahl an Personen aufgrund des Coronavirus medizinisch versorgt werden muss. Dafür sei ein Krankenquartier - ähnlich dem Lazarett in der Messehalle in Wien - in Planung, berichtete die "Tiroler Tageszeitung" (Sonntags-Ausgabe).

In diesen Quartier sollen Patienten untergebracht werden, die einen leichteren Krankheitsverlauf aufweisen. Damit sollen die Spitäler für intensivere Fälle entlastet werden. Wo es entstehen könnte und in welcher Größe, sei derzeit aber noch unklar. "Hier ist man derzeit in Abstimmung", hieß es aus dem Landhaus. (apa)