Neben dem Paznauntal mit den Gemeinden Ischgl, Kappl, See und Galtür sowie der Gemeinde St. Anton am Arlberg, die bereits vergangenen Freitag unter Quarantäne gestellt wurden, werden diese Isolierungsmaßnahmen ab sofort auch für die Gemeinde Sölden sowie für St. Christoph am Arlberg vollzogen. Die polizeilichen Checkpoints an den Ortsgrenzen werden derzeit eingerichtet, teilte das Land am Dienstagabend mit. Die Gemeinden werden bis 2. April isoliert.

"Uns liegen drei positive Testungen von Personen aus Sölden vor, wo wir wiederum nicht ausschließen können, dass ein Bezug zu einer Schirmbar hergestellt werden kann", sagt Tirols Landeshauptmann Günther Platter Um eine Weiterverbreitung des Coronavirus bestmöglich zu verhindern oder zu verlangsamen, ist diese behördliche Anordnung für die Gemeinde Sölden unabdingbar.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus wurde am Dienstag die Vorarlberger Arlbergregion abgeriegelt. Betroffen waren die Gemeinden Lech, Klösterle, Warth und Schröcken. Im Wiener AKH erkrankten indes zwei Ärzte an Covid-19, 135 Kollegen werden nun getestet

Das Gesundheitsministerium meldete am Nachmittag mehr als 1.300 bestätigte Krankheitsfälle. In Wien wurde der Tod einer 48 Jahre alten Frau bekannt, die in der Nacht auf Sonntag in Heimquarantäne verstorben war und positiv auf Covid-19 getestet wurde. Die Verstorbene wäre damit das vierte österreichische Todesopfer der Pandemie, das genaue Obduktionsergebnis zur Todesursache war aber noch ausständig.

Immer schärfere Kritik am Krisenmanagement Tirols

Die Vorarlberger Gesundheitsbehörden stellten die gesamte Arlbergregion im Bundesland unter Quarantäne. In den betroffenen Gemeinden gab es bisher nur in Lech bestätigte Fälle, dort allerdings fünf an einem Tag. In Tirol wurde inzwischen immer schärfere Kritik am Vorgehen der Gesundheitsbehörden laut. Diese wiederum wiesen jeden Fehler zurück.

Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus galten - nach der positiven Testung von zwei Anästhesie-Ärzten auf SARS-CoV-2 - nun insgesamt 135 Personen als mögliche Verdachtsfälle. Laut Wiener Krankenanstaltenverbund handelt es sich um 85 Mediziner und 50 Pflegepersonen, bei denen eine Abklärung erfolgen muss. Die erkrankten Mediziner hatten am vorvergangenen Wochenende an einem Ärztekongress in Zürs am Arlberg teilgenommen und dürften sich dabei infiziert haben.

100 Ärzte unter Quarantäne

In Wien standen bereits mehr als 100 Ärzte unter Quarantäne. Neben den Fällen im AKH waren bereits 90 Mitarbeiter der Rudolfstiftung betroffen, im Donauspital (SMZ Ost) war eine ganze Abteilung gesperrt. Auch in anderen Bundesländern gab es Probleme für das Gesundheitspersonal: In Salzburg wurde eine Ärztin am Uniklinikum positiv getestet, in Waidhofen an der Thaya war eine Führungskraft des Klinikums betroffen und aus dem Burgenland wurden knapp 30 Spitalsmitarbeiter in Quarantäne gemeldet. Dazu kamen einige in Kärnten. Unterdessen wird dringend benötigte Schutzausrüstungen in den Spitälern zusehends knapp. Das räumte Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres am Abend ein. Lkw-Lieferungen mit Schutzmaterial hingen an der deutsch-österreichischen Grenze fest. Laut Szekeres handelt es sich um "bezahlte Ware".

Außenminister Alexander Schallenberg korrigierte am Nachmittag die Zahl der wegen der Coronavirus-Pandemie im Ausland festsitzenden Österreicher nach oben. 47.000 Österreicher seien noch "über den ganzen Globus verstreut", sagte er. Der Minister deutete an, dass sich noch mehr Touristen melden könnten. Es handle sich um die größte Rückholaktion in der Geschichte. (apa)