Kriminelle versuchen derzeit, sich die Corona-Krise zunutze zu machen. Erste neue Betrugsmaschen sind im deutschsprachigen Raum bereits im Umlauf. Das österreichische Bundeskriminalamt rät daher insbesondere älteren Menschen, vorsichtig zu sein.

Dubiose Angebote im Internet nehmen zu. - © stock.adobe.com/motortion
Dubiose Angebote im Internet nehmen zu. - © stock.adobe.com/motortion

"Die Kriminellen treiben gerade jetzt mit der Angst der Menschen Schindluderei", warnte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Donnerstag. Vermehrt gebe es dubiose Angebote im Internet, bei denen Betrüger gar nicht vorhandene oder unbrauchbare Schutzmasken anbieten. Zudem kursieren in sozialen Medien Berichte über Scharlatane, die selbst hergestellte Wunder- und Heilmittel gegen das Coronavirus anbieten. Nehammer rief die Bevölkerung auf, sie dürfe auf solche Betrügereien nicht einsteigen. Im Zweifelsfall sollen die Behörden kontaktiert werden.

"Dem Einfallsreichtum der Betrüger sind keine Grenzen gesetzt", sagte Vincenz Kriegs-Au, Pressesprecher des Bundeskriminalamtes, zur "Wiener Zeitung". In Deutschland wurden seitens der Polizei erste Fälle bestätigt, bei denen sich Kriminelle als Corona-Tester ausgaben. In Rheinland-Pfalz gab es laut Polizei etwa Anrufe, bei denen sich Betrüger als Ärzte ausgaben. Sie behaupteten, dass die Angerufenen als Risikopatienten eingestuft worden seien und dringend zu Hause getestet werden müssten. Dafür sei eine Gebühr von 200 Euro an Ort und Stelle zu bezahlen.

Modifizierter Neffentrick

Im Umlauf ist auch eine modifizierte Form des Neffen- bzw. Enkeltricks. Die Täter rufen bei älteren Personen an und behaupten, sie seien nahe Verwandte, die dringend finanzielle Hilfe benötigen. Sie bauen Druck auf, bis ihnen das Geld übergeben wird. Derzeit machen die vermeintlichen Verwandten ihren Opfern vor, Geld zu benötigen, da sie mit dem Virus infiziert seien. Andere erklären, Spenden für Erkrankte zu sammeln.

Ein hoher Anstieg an solchen Fällen wird in Baden-Württemberg verzeichnet. Bestätigte Fälle in Österreich gibt es noch nicht. "Wir warnen aber bereits präventiv vor solchen Betrügereien", sagt Kriegs-Au. Betroffene, die verdächtige Anrufe mit Geldbitten erhalten, sollen sofort auflegen. Auch dürfen Personen, die man nicht kennt, nicht in die Wohnung gelassen werden. "Meistens lässt sich die Situation schnell aufklären, wenn man anschließend im Verwandtenkreis anruft und nachfragt", so Kriegs-Au.

Falsche Polizisten unterwegs

Weiters ist laut Bundeskriminalamt auch ein verstärktes Auftreten von "falschen Polizisten" zu verzeichnen, die teils fünfstellige Beträge erbeuten konnten. Die Betrüger geben sich als Exekutivbeamte aus und verlangen von den Opfern Geld oder Schmuck. "Die Polizei ruft nicht an und verlangt Geld", warnt Kriegs-Au.

Die Krise wird auch von Cyberkriminellen ausgenutzt. Am Donnerstag wurde der Fall eines 48-jährigen Pinzgauers bekannt, der im Dezember 2019 14.740 Euro auf ein Konto in Litauen überwiesen hatte. Ihm war für das Geld eine hohe Rendite versprochen worden. Anfang März informierten ihn die Täter, dass sein Investment wegen der Corona-Krise wertlos geworden sei. Er könne aber mit einer weiteren Einzahlung sein Kapital zurückgewinnen. Der Mann ging zur Polizei, die Ermittlungen laufen.

"Jeder Einzelne von uns ist Teil der Lösung"

Das Justizministerium warnt in einem Rundschreiben ebenfalls vor den Cyberkriminellen. Diese versenden etwa E-Mails, in denen Unternehmen aufgefordert werden, Software für die Telearbeit zu installieren. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Schadsoftware. Auch ist es möglich, dass man auf dubiosen Webseiten von Betrügern aufgefordert wird, Daten einzugeben, um angeblich über Entwicklungen zum Coronavirus informiert zu werden. Diese Daten können für kriminelle Zwecke missbraucht werden. Auf solche E-Mails und Aufforderungen sei mit höchster Skepsis und Vorsicht zu reagieren, mahnt das Justizressort.

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten stieg am Donnerstagnachmittag auf 2013. Sechs Menschen sind nachweislich dem Coronavirus erlegen. Neun Personen gelten als genesen.

Weitere Details gab es zur angekündigten Schließung von Reha- und Kurhäusern. Sie werden ab dem Wochenende zugesperrt, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Jene Patienten, die etwa aufgrund eines Krebsleidens oder eines Schlaganfalls einen akuten Behandlungsbedarf haben, werden aber weiter betreut. Die frei werdenden Ressourcen sollen für die Betreuung von Corona-Kranken eingesetzt werden, um die Spitäler zu entlasten.

Die Spielplätze und Parks bleiben hingegen vorerst geöffnet. Allerdings ist bei einem Besuch zwingend die Ein-Meter-Abstandsregel zu anderen Personen einzuhalten. Die Polizei werde die Einhaltung genau kontrollieren, darüber informieren, im Bedarfsfall aber auch strafen, hielt Innenminister Nehammer fest. Einzelne Gemeinden können zudem auch strengere Regeln erlassen und Spielplätze und Parks schließen.

Nehammer und Anschober zeigten sich über die Einhaltung der Beschränkungen durch die Bevölkerung sehr zufrieden. "Wir sehen, dass alle großartig mitmachen", dies sei "fantastisch" und "der einzige Weg, um italienische, lombardische Verhältnisse zu verhindern". Anschober: "Jeder Einzelne von uns ist Teil der Lösung."