Bundeskanzler Sebastian Kurz hat angekündigt, neue Testverfahren einsetzen zu wollen, um "hunderttausende" Menschen in Österreich auf das neue Coronavirus testen zu können. Konkret geht es dabei um einen Test auf Antikörper. Diese können in großer Stückzahl produziert werden und sie liefern auch sehr schnell Ergebnisse.

Es gibt aber zwei Problem mit diesen "Schnelltests": Es wird nicht das Virus selbst nachgewiesen, sondern die Immunreaktion. Diese setzt aber oft erst einige Tage oder gar mehr als eine Woche nach der Infektion ein, daher kann der Test negativ sein, obwohl die Person seit Tagen bereits hochinfektiös ist. Gesundheitsminister Rudolf Anschober sagte deshalb, dass ein negatives Ergebnis die Getesteten in die Irre führen könne. Auch die Wiener Ärztekammer hatte vor derartigen Antikörpertests gewarnt: "Das Problem ist, dass einzelne Firmen ihre Antikörper-Schnelltests teilweise sehr offensiv bewerben", sagte Präsident Thomas Szekeres.

Tschechien mit schlechten Erfahrungen

Das zweite Problem ist, dass zumindest derzeit noch die Qualität der Ergebnisse nicht ausreicht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Tschechien meldete erst am Montag, dass von China gelieferte Schnelltests auf Antikörper zu 80 Prozent falsche Ergebnisse geliefert hätten. Die Qualität dieser Tests sollte aber zunehmen. Auch an der Uniklinik in Zürich wird derzeit intensiv an diesen Tests geforscht. Auf den Fortschritt setzt auch das Gesundheitsministerium. Die Frage ist, wofür diese Tests, wenn sie in der nötigen Qualität zur Verfügung stehen verwendet werden, dann verwendet werden.

Die Schnelltests könnten nur eine begleitende Maßnahme sein, um herauszufinden, wer eine Covid-19-Infektion bereits hinter sich habe, ohne es vielleicht bemerkt zu haben, sagt Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker in einer Aussendung. Die Neos kritisierten die Aussagen des Kanzlers. Es sei zwar wichtig zu wissen, wer infiziert gewesen sei, "aber wir dürfen auf keinen Fall die Bevölkerung in falscher Sicherheit wiegen", so Loacker. Es bestehe zudem der Verdacht, dass die Antikörpertests anschlagen, wenn es frühere Infektionen mit anderen Viren aus der Corona-Familie gegeben habe. Pamela Rendi-Wagner, SPÖ-Chefin und ausgebildete Tropenmedizinerin will die Antikörpertests auch einsetzen, um diese Daten vergangener Infektionen zu erhalten. "Der nächste Schritt", sagt sie, "muss eine serologische Stichprobenstudie sein, um die Immunität in der Bevölkerung zu erfahren." Damit sind Antikörpertests gemeint.