Schüler, Eltern, Lehrer sind derzeit ganz darauf fokussiert, wie es mit dem Schulunterricht nach Ostern angesichts der Corona-Krise weitergeht. Der dadurch massiv geforderte Bildungsminister Heinz Faßmann hat abseits der Vorbereitungen auf eine etwaige Verlängerung des Heimunterrichts nach Ostern und die vorerst ab 18. Mai geplanten Zentralmatura einige bemerkenswerte Neuerungen in ein Gesetzespaket verpackt und bis 2. April in eine kurze Begutachtung geschickt.

Zwei Punkte stechen heraus. Die ohnehin schon mehrfach verzögerte Reform an den Oberstufen der Gymnasien und der Berufsbildenden Höheren Schulen wird noch später bundesweit eingeführt als bisher geplant und bekannt – nämlich erst ab dem Schuljahr 2023/24. Als Zugeständnis an den grünen Koalitionspartner in der Bundesregierung werden ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 auch weitere Möglichkeiten des Deutschförderunterrichts erlaubt abseits der noch von der ÖVP-FPÖ-Regierung eingerichteten Deutschförderklassen in den Schulen.

Die Umstellung auf die sogenannte Neue Oberstufe hat sich schon bisher gezogen wie ein Strudelteig. Denn schon 2012 ist beschlossen worden, die Reform ab der Oberstufe ab dem Schuljahr 2017/18 durchzuführen. Danach wurde den Schulleitungen erlaubt, die Oberstufenreform am jeweiligen Schulstandort später umzusetzen. Innerhalb der Lehrerschaft kam es zunehmend zu Bedenken wegen der praktischen Umsetzung der Reform. Das findet jetzt offensichtlich im Gesetzesentwurf, den Minister Faßmann zur Begutachtung ausgeschickt hat, seinen Niederschlag, wie die Unterlagen zeigen, die der "Wiener Zeitung" vorliegen. Noch im Jänner diesen Jahres hat das Bildungsministerium der "Presse" erklärt, man wolle die Neue Oberstufe statt im Schuljahr 2021/22 mit dem Schuljahr 2022/23 starten.

Längere Umstellungsphase erfolgt nach Kritik

Auch das ist mittlerweile überholt. Neuer Starttermin ist 2023/24. Bildungsminister Faßmann hat das mit der notwendigen umfassenden Evaluierung begründet, die zu einem großen Teil kritisch waren. In den Erläuterungen zum nun vorliegenden Schulgesetzespaket schreibt der Bildungsminister: "Um die Restrukturierung der Neuen Oberstufe ideal vorbereiten zu können und auch den Standorten einen angemessenen Zeitraum zur Adaptierung an die neue Rechtslage zu geben, soll die Neue Oberstufe unter Beibehaltung der aktuellen Gegebenheiten bundesweit einheitlich erst mit Beginn des Schuljahres 2023/24 eingeführt werden." Freiwillig hat bisher erst rund ein Zehntel von rund 350 AHS-Standorten und etwa die Hälfte der österreichweit 365 Standorte mit Berufsbildenden Höheren Schulen auf das Reformmodell umgestellt. Das Bildungsministerium kam in eine Zwickmühle. Trotz der breiten Kritik von Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern an der Reform, die unter anderem mehr Semesterprüfungen statt des Sitzenbleibens  vorsieht, haben jene Schulen, die bereits umgestellt haben, die mögliche Rückkehr zur früheren Form kaum genützt.

Bildungspolitisch bemerkenswert ist die Neuregelung im Hinblick auf die Deutschförderklassen. In diesem Punkt wird jetzt augenscheinlich auf den Umstand Rücksicht genommen, dass die Grünen seit Jahresbeginn Koalitionspartner der ÖVP sind. Die Grünen haben schon im Zuge der Koalitionsverhandlungen im Spätherbst 2019 auf Adaptierungen der umstrittenen Deutschförderklassen gedrängt. Der Bildungsminister, der die Deutschförderklassen selbst verteidigt hat, macht nunmehr eine Tür dazu auf. Faßmann erklärt das im Gesetzesentwurf so: "Die Praxis hat gezeigt, dass die Zuordnung zum Status der Schülerinnen und Schüler aufgrund der Sprachtestung nicht immer auf einen eindeutigen Grund zurückgeführt werden kann." Daher sind zwei Nachjustierungen vorgesehen: Bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache soll die "Passgenauigkeit" der Maßnahmen verbessert werden. Für Kinder von Migranten mit Deutsch als Zweitsprache werden künftig "zusätzlich zur Deutschförderung andere Fördermaßnahmen möglich sein", wie der Ressortchef klarstellt. Die Deutschförderklassen sind von der türkis-blauen Bundesregierung nicht zuletzt wegen der steigenden Zahl von Kindern, die im Zuge der Flüchtlingswelle ab 2015 nach Österreich gekommen sind, eingeführt worden.

Tests sollen Ursachen für Deutschprobleme klären

Konkret ist bei Kindern mit Deutsch als Muttersprache ein Mehrphasen-Test vorgesehen. Bei einem ersten Test mit geringem Zeitaufwand erfolgt eine Abklärung. Weitere Tests, die auch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, sollen nur bei jenen Schülern durchgeführt werden, bei denen dies erforderlich ist. Ergeben sich aus dem ersten Test keine eindeutigen Rückschlüsse, sollen weitere Maßnahmen klären, was der eigentliche Grund für die Schwierigkeiten in Deutsch ist, von medizinischen Gründen, Hörschäden bis zu Legasthenie. Die Schulleitung soll dann jeweils prüfen, ob andere Fördermaßnahmen "passgenauer" sind.

Bei Kindern, bei denen Deutsch nicht Muttersprache ist, können auch weitere Tests zur Klärung vorgenommen werden. Die Schulleitung prüft dann etwaige zusätzliche Fördermaßnahmen, der Besuch der Deutschförderklassen bleibt aber aufrecht. Die Neuregelungen sollen ab 1. September 2020 in Kraft treten und würden damit ab dem neuen Schuljahr zum Tragen kommen.