Das Burgenland ist von Maßnahmen wie der 14-tägigen Quarantäne für Berufspendler in Ungarn stark betroffen und sucht deshalb Personal. Landesrat Christian Illedits (SPÖ) appellierte am Freitag an die Heimbetreiber, ausländische Pflegekräfte zu bitten, in Österreich zu bleiben. Ehemalige Mitarbeiter im Gesundheitsbereich werden ersucht, temporär Heime und die mobile Krankenpflege zu unterstützen.

"Oberste Priorität hat die Versorgungsgarantie. Jede einzelne Pflegekraft ist nun wertvoller denn je", stellte Illedits in einer Aussendung fest. Das Land Burgenland setze Maßnahmen, um die ausländischen Pflegekräfte von einer Ausreise abzuhalten und die Betreiber zu unterstützen: Es würden, wie bereits angekündigt, kostenlose Quartiere zur Verfügung gestellt, angedacht seien weiters Bonifikationen.

"Jede einzelne Pflegekraft, die wir im Burgenland halten können, ist nun wichtiger denn je, weshalb wir Maßnahmen setzen, um sie zu einem Verbleib zu animieren. Weiters sind wir im Gespräch mit burgenländischen Pflegeagenturen, um alle vorhandenen Kapazitäten zu nutzen", betonte Illedits. Der Aufruf um temporäre Unterstützung ergehe an alle, die im Gesundheitsbereich tätig waren und es derzeit nicht sind sowie eine Ausbildung bzw. ein Diplom im Bereich Pflegefachassistenz oder Pflegeassistenz haben.

Ersatzbetreuungseinrichtungen werden zur Verfügung gestellt

Rund 1.200 Personen arbeiten in burgenländischen Altenwohn- und Pflegeheimen und der Hauskrankenpflege. Darunter befänden sich rund 300 ausländische Arbeitnehmer, davon seien 201 Personen aus Ungarn sowie 48 aus Slowenien. Darüber hinaus kämen zahlreiche Personenbetreuerinnen, die in der 24-Stunden-Betreuung im Burgenland tätig sind, auch aus Ungarn sowie aus Rumänien, der Slowakei, Kroatien und Slowenien.

Um einen etwaigen Mangel an 24-Stunden-Betreuerinnen zu kompensieren, würden Ersatzbetreuungseinrichtungen als ein temporär eingerichtetes Angebot für pflege- und betreuungsbedürftige Personen in häuslicher Betreuung zur Verfügung gestellt, so Illedits. Des Weiteren soll die Überleitungspflege aus dem Krankenhaus dort passieren.

Anschober: "Pflege-Akutsituation in zwei, drei Wochen

Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) droht wegen möglicher Ausfälle von ausländischem Pflegepersonal in wenigen Wochen eine "Akutsituation". Derzeit gebe es in den Bundesländern nur wenige Akutfälle. Es sei jedoch zu erwarten, "dass eine derartige Akutsituation in zwei, drei Wochen eintreten kann", sagte Anschober am Freitag im Ö1-Morgenjournal. Deswegen werde ein "konkretes Ersatzangebot" erarbeitet.

Österreich bereite sich "sehr konkret" vor, welche Personen an welchem Ort ersatzweise einspringen könnten. Hauptpriorität sei dabei das "Beibehalten der Pflege zuhause", so Anschober. Wie viele der 33.000 Pflegebedürftigen, die auf 24-Stunden-Betreuung angewiesen sind, dann nicht daheimbleiben können, ist laut Anschober noch nicht bekannt. "Es hängt stark mit Maßnahmen unserer Nachbarländer zusammen, was die Grenzschließungen betrifft. Unser Ziel ist ja, dass wir Ausnahmegenehmigungen erhalten." Die meisten Mitarbeiter hätten jetzt verlängert.

"Das heißt, das Problem ist hinausgeschoben. In der Zwischenzeit müssen wir diese Atempause nützen, dass wir ein ganz konkretes Ersatzangebot leisten." Dazu würde versucht, Pflegepersonal aus Kur- und Rehabilitationszentren heranzuziehen und Menschen, die in der Pflege ausgebildet, aber derzeit arbeitslos seien, würden gezielt angesprochen. Derzeit werde eine Liste von Personen erarbeitet, die bereit sind, in der Pflege zu arbeiten. 3.500 zusätzliche Zivildiener hätten sich gemeldet. Darüber hinaus würden Plätze ausgebaut.

Zivildiener könnten bei der unmittelbare Pflege am Menschen nicht zum Einsatz kommen, stellte Anschober klar. Dafür könnten sie aber "im Umfeld" unterstützen, "organisatorisch, logistisch, Haushaltsarbeit machen". Auch übernachten würden die Zivildiener bei den Pflegebedürftigen nicht.

Auch Vermittlungsagenturen schlagen Alarm

Karin Hamminger, Vorsitzende der Österreichische Bundesinteressensgemeinschaft für Agenturen der Personenbetreuung (ÖBAP) warnte in einer Aussendung vor dem bundesweiten Kollaps der 24-Stunden-Betreuung. Die Geschäftsführerin von cura domo 24 Stunden Betreuung, Mag. Angelika Pozdena, rechnet damit, dass nach Ostern viele Menschen nicht mehr Zuhause betreut und versorgt werden können und somit ihre gewohnte Umgebung verlassen und in eine Ersatz-Versorgungseinrichtung verlegt werden müssen.

An Alternativlösungen werde bereits von mehreren Agenturen gearbeitet. ">Der Einsatz von Zivildienern oder Angehörigenressourcen könne laut Aussendung die Rund-um-die Uhr"-Betreuung im Hinblick auf Fachlichkeit und die zu erwartende Anzahl auf keinem Fall kompensieren. (apa, red)