Für das von der Bundesregierung knapp davor angekündigte Tragen von Schutzmasken zumindest bei Supermarkteinkäufen kommt von SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner Unterstützung, am Fehlen einer zentralen Steuerung durch das Gesundheitsminsterium übt die frühere Gesundheitsministerin und Sektionschefin im Ressort jedoch scharfe Kritik. Es sei letzte Woche "viel Zeit vertan" worden, beklagte sie. Die SPÖ-Chefin fordert vor allem ein Corona-Kontrollzentrum im Gesundheitsministerium, das Personalressourcen sowie Schutzbekleidung und Masken zentral steuern soll.

Der SPÖ-Vorsitzenden ist Ende der Vorwoche von den niederösterreichischen SPÖ-Abgeordneten eine zu wenig kritische Haltung der Oppositionspartei gegenüber dem Krisenmanagement der türkis-grünen Bundesregierung vorgeworfen worden. Rendi-Wagner hat allerdings schon in der Vergangenheit teilweise Vorschläge gemacht und Forderungen erhoben, die in der Folge rasch von der Bundesregierung umgesetzt worden sind. Das betraf etwa Fiebermessungen bei Flügen aus China oder Einschränkungen im schulischen Bereich.

Engpass mit nur 1000 Beatmungsgeräten

Am Montag verknüpfte die Gesundheitsexpertin und SPÖ-Vorsitzende ihre Forderung nach einem Corona-Kontrollzentrum mit Kritik am zu laschen Vorgehen der Bundesregierung. Konkret warnte sie eindringlich wegen fehlender Beamtmungsgeräte in Spitälern, die in Intensivstationen notwendig seien, um die steigende Zahl von Menschen, die schwer am Corona-Virus erkrankt sind, zu behandeln.

Das von ihr verlangte Corona-Zentrum im Gesundheitsministerium solle mit den eingehenden Daten über die Entwicklung der Corona-Fälle "dynamisch" reagieren zu können. Damit soll in Echtzeit ein Überblick über die vorhandenen Ressourcen an Personal, Schutzausrüstung und Masken gewährleistet werden, um das weitere Vorgehen zu zentral zu steuern.

Für Tragen von Masken in der Öffentlchkeit

Ausdrückliche Rückendeckung für die von der Bundesregierung zuvor verkündete Regelung gab es bezüglich der Verwendung von Schutzmasken durch die Bevölkerung. Es mache Sinn, einfache Masken - also nicht jene, wie sie etwa für das Gesundheitspersonal notwendig sind - im öffentlichen Raum zu tragen, betonte die SPÖ-Vorsitzende.

2584 Beatmungsgeräte stehen zur Verfügung

Der Engpass bei den Beatmungsgeräten lässt sich auch mit Zahlen belegen. Laut Daten des Gesundheitsministeriums sind derzeit nur noch etwas mehr als ein Drittel der Beatmungsgeräte für Corona-Patienten frei, bei den Intensivbetten in den Spitälern ist es noch genau die Hälfte. Die Kapazitäten sind allerdings regional sehr unterschiedlich.

Insgesamt stehen demnach in Österreich derzeit 2584 Beatmungsgeräte zur Verfügung. Frei für Corona-Patienten sind allerdings nur noch 908 oder 35 Prozent (Werte stammen vom vergangenen Freitag, 27. März). Die anderen Geräte sind vor allem für Patienten mit anderen Erkrankungen im Einsatz. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Kapazitäten regional sehr unterschiedlich verteilt sind. So sind etwa in Niederösterreich nur noch 50 von insgesamt 550 Geräten (9 Prozent) frei. Vergleichsweise gering sind die freien Kapazitäten auch in der Steiermark (16 Prozent) und in Wien (19 Prozent). Das am stärksten von der Krise betroffene Bundesland Tirol hat noch 126 von 215 Geräten frei (59 Prozent). Am entspanntesten ist die Lage in Oberösterreich (70 Prozent) und in Salzburg (82 Prozent).

Bestellung beim deutschen Medizintechnikhersteller Dräger

Kurz wollte beim deutschen Medizintechnikhersteller Dräger 1000 Beatmungsgeräte bestellen, wie Vorstandschef Stefan Dräger zuletzt in einem "Spiegel"-Interview erklärte. Er könne jedoch nur 50 bekommen.

Von den Intensivbetten in Österreichs Spitälern ist noch genau die Hälfte (1071 von insgesamt 2159) für Corona-Patienten frei. Hier reicht die Spannweite von 20 Prozent im Burgenland und 29 Prozent in Kärnten bis 62 Prozent in Salzburg. Derzeit (Stand  30. März, 9.30 Uhr) befinden sich in Österreich 999 Corona-Patienten in Spitalsbehandlung und 193 auf Intensivstationen.

Nach Berechnungen von Wissenschaftern, unter anderen der Gesundheit Österreich Gmbh, der Med Uni Wien und der Technischen Universität Wien, könnte die Zahl der Corona-Patienten in Spitalsbehandlung bis 7. April auf 1285 Personen ansteigen, jener auf Intensivstationen auf 256. Dies unter der Annahme, dass sich der derzeitige Trend fortsetzt und sich die Kurve wie in den letzten Tagen weiter abflacht. Eine Prognose für die Beatmungsgeräte gibt es nicht.