Ob aus alten Bettwäschebezügen, bunt bedruckt oder mit Werbelogo: Alles ist erlaubt bei den Schutzmasken gegen die Verbreitung des Coronavirus - sofern sie Mund und Nase verhüllen. Ab 6. April müssen sie verpflichtend in großen Supermärkten und Drogerien getragen werden, wie am Dienstag bekannt wurde. Geschäfte, deren Kundenbereich kleiner als 400 Quadratmeter ist, sind davon ausgenommen. Wer keine eigene Maske hat, bekommt am Eingang eine ausgehändigt. Kostenlos, so viel steht fest. Detailfragen bleiben aber offen.

Laut Ministerium sind auch Schals oder Tücher als Mund-Nasen-Schutz erlaubt. Eine Studie der Cambridge-Universität zeigte allerdings, dass diese die Partikel zu 62 Prozent abhalten, die Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS-Masken) indes zu 95 Prozent. Letztere sind aus Vlies oder Stoff. Sie dienen nicht dem eigenen Schutz vor einer Ansteckung, sondern reduzieren die Gefahr, dass Infizierte das Virus auf andere übertragen. Im Gegensatz zu den höherwertigen, partikelfiltrierenden FFP-Masken, die in Spitälern verwendet werden, schließen die MNS-Masken nicht luftdicht ab. Die Coronaviren sind auch viel kleiner als die Poren des Maskengewebes und dringen von außen leicht durch. Hustet man sie selbst aus, bleiben sie aber mit den Tröpfchen an der Masken-Innenseite kleben.

"Menschen, die das Virus in sich tragen, aber keine oder noch keine Symptome zeigen, können andere weniger leicht anstecken", sagt Miranda Suchomel vom Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der MedUni Wien. Es gehe darum, Gesunde vor "unbemerkten Streuern", wie Suchomel sie nennt, zu schützen. "FFP-Masken sollen hingegen in den Spitälern bleiben, wo man sie bei der Behandlung der Covid-19-Patienten braucht." Und: "Schutzmasken jeder Art sind kein Freibrief für Menschen mit Corona-Verdacht oder einer nachgewiesenen Covid-19 Infektion. Sie müssen weiterhin in häusliche Quarantäne."

Wichtig ist laut Suchomel, auf die Orientierung der Maske zu achten, also dass das obere Kopfband auch wirklich oberhalb der Ohren platziert wird. Selbst wenn mitunter die Brille anläuft, sollte man die Maske zwischenzeitlich nicht unter die Nase oder das Kinn ziehen. Verrutscht sie während des Tragens, erst mit gewaschenen Händen wieder zurechtziehen - sonst transportiert man Viren über diese womöglich in seine Nase, seinen Mund oder die Augen. Vor dem Auf- und Absetzen sollte man immer Hände waschen. Kindermasken gibt es übrigens nicht, es existiert nur ein Modell.

Die Lebensmittelketten rufen die Kunden dazu auf, die Masken mehrmals zu verwenden, weil es nur beschränkte Kontingente gebe. Hygieniker sind sich bei der Wiederverwendung aber uneins, einige raten davon ab. "Die MNS-Masken sind prinzipiell Einmalprodukte. Werden sie mehrmals verwendet, dann jedenfalls nur von demselben Träger", sagt Suchomel.

Davon, sie nach Verlassen des Supermarktes in einen Mistkübel zu werfen, hält Suchomel wenig. Dieser wäre ein problematischer Virenherd, sofern es sich nicht um ein geschlossenes Gebinde mit Fußhebel handelt. Studien zufolge können Coronaviren bis zu sechs Tage lang auf Oberflächen nachgewiesen werden, wenngleich unklar ist, ob sie so lange infektiös sind.

Im Gegensatz zu Vliesmasken können jene aus Stoff durch Waschen bei Temperaturen ab etwa 60 Grad Celsius gereinigt werden. Vor allem Waschmittel setzt dem Virus laut Suchomel zu: "Die Coronaviren sind behüllte Viren, die Hülle besteht unter anderem aus Fett, das durch Seife zerstört wird."

Das deutsche Robert-Koch-Institut rät für den ressourcenschonenden Umgang dazu, die MSN-Maske als eigene zu kennzeichnen. Nach dem Absetzen der Maske sollte diese trocken an der Luft in nicht geschlossenen Behältern mit der Innenseite nach oben zwischengelagert werden. Selbst desinfizieren könne man diese Masken nicht.

Bei Spar werden die Masken vom Personal einzeln an die Kunden verteilt. Wer die Einhaltung kontrolliert, steht noch nicht fest; teilweise werde man Sicherheitspersonal einsetzen. Bei Hofer sind die Masken hingegen bei der Kassa erhältlich. Bei der Rewe Gruppe ist noch unklar, wie sie verteilt werden.

Strafen sind keine vorgesehen, wer keine Maske trägt, wird aber nicht in den Supermarkt gelassen.

Sobald vor den Geschäften Masken verteilt werden, bestehe die Pflicht, diese beim Betreten auch zu tragen, hieß es seitens des Bundeskanzleramts. Am Mittwoch soll es bei einigen Geschäften bereits soweit sein. Am 6. April wird das Maskentragen dann überall zur Pflicht. Fraglich ist aber, ob bis dahin sämtliche Geschäfte ausreichend Masken zur Verfügung haben. Der Handelsverband geht davon aus, dass die Unternehmen täglich vier Millionen Masken benötigen werden. Diese müssen sie sich am hart umkämpften Weltmarkt selbst besorgen.

Die Supermarktketten wurden von der Regierung auch nicht vorher von der Maskenpflicht informiert. "Überrumpelt" fühlte sich der ländliche Nahversorger "Nah & Frisch". Die Informationspolitik der Regierung habe versagt, heißt es. Ein Team telefoniere seit Montag herum, um die Masken zu bekommen, so Geschäftsführer Hannes Wuchterl am Dienstag zu Ö1: "Das ist aber alles andere als leicht."

"Wir wurden auch nicht früher eingebunden", heißt es von Spar. Man besitze jedoch Märkte in Norditalien: "Wir wussten, dass dies wohl auf uns zukommen wird." Daher habe man frühzeitig mehr als 20 Millionen Masken bestellt. Diese seien auf dem Weg nach Österreich. Man versuche "alles Menschenmögliche, um schnellstmöglich mit der Ausgabe von Masken starten zu können".

Man arbeite seit Tagen daran, die Masken "nach Österreich zu bekommen und die Nachschub-Lieferungen zu organisieren", heißt es seitens der Rewe Group. Ab Mittwoch werde ein erstes Kontingent zur Verfügung gestellt, das man als "Erstausstattung" verteile. Jeder Kunde bekomme maximal ein Stück, "solange der Vorrat reicht".

Das ist ein großer Streitpunkt. Bisher ist geplant, dass die Unternehmen die Kosten für die Beschaffung und Verteilung der (kostenlosen) Masken übernehmen. Die Firmen sträuben sich aber dagegen. Wuchterl erklärt, dass die Preise für die derzeit angebotenen Masken bei etwas unter einem Euro liegen. Er geht davon aus, dass "Nah & Frisch" hunderttausende Masken wöchentlich brauchen werde.

"Sollte die Ausgabe der Masken an die Konsumenten kostenfrei erfolgen, fordern wir eine vollständige Entschädigung für den Ankauf, die Bereitstellung und Ausgabe der Masken - alles andere wäre unfair", erklärte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Man befinde sich mit der Regierung Gespräch und habe die Sorgen bereits deponiert.

Die Maskenpflicht ersetzt nicht die Ein-Meter-Abstandsregel, die weiterhin zwingend einzuhalten ist. Bodenmarkierungen bei den Kassen zeigen an, wie viel Abstand zu wahren ist.