Wegen der Corona-Krise wird der Schulunterricht auch nach Ostern zu Hause fortgesetzt. Neu ist, dass dann auch neue Lerninhalte möglich sind, während es bisher noch um die Wiederholung und Festigung des Lernstoffs geht. Die Ausweitung der Lerninhalte und die Entscheidung darüber wird aber in die Hände der Schulleitungen und Lehrer an den einzelnen Schulstandorten gelegt. Das sieht ein Erlass von Bildungsminister Heinz Faßmann vor, der der "Wiener Zeitung" vorliegt und vom Unterrichtsressort nun ausgeschickt wird. Der Minister hat am Dienstag klar gestellt, dass mit der Verlängerung des Heimunterrichts zumindest noch im April zu rechnen ist, danach hofft er auf eine schrittweise Rückkehr für bestimmte Gruppen von Schülern in die Schulgebäude beginnend bei den Maturanten.

Der Bildungsminister ruft Lehrerinnen und Lehrer schon jetzt auf, "weitere Arbeitspakete" für "den Zeitraum nach Ostern bis Ende April" für die Schüler zusammenzustellen, wie es im entsprechenden Erlass seines Ministeriums heißt. Eine Ausweitung des Unterrichtsmaterials wird zwar nicht verpflichtend vorgeschrieben. Die Entscheidung über neue Lerninhalte oder eine weitere Vertiefung des Stoffs müsse vielmehr an den einzelnen Schulstandorten getroffen werden, wird dazu ausgeführt. Konkret sollen Klassenvorstände in Absprache mit den Fachlehrern die Zusammenstellung der Arbeitspakete vornehmen. Die Entscheidung zwischen den Schulstoffen und den Fächern kann unterschiedlich getroffen werden. Das bedeutet im Klartext: es kann beispielsweise in Mathematik eine weitere Vertiefung des Lernstoffs erfolgen, während in Deutsch und Geschichte neue Inhalte durchgenommen werden.

Unabhängig davon müsse aber an den Schulstandorten dabei mit Augenmaß vorgegangen werden. Der Bildungsminister warnt in diesem Zusammenhang vor einer "Überforderung" von Schülern und Erziehungsberechtigten. Innerhalb der Lehrerschaft herrscht keineswegs überall Freude darüber, dass die Entscheidung über neuen Lernstoff an die Schulen im Zuge der Autonomie abgeschoben wird. Viele hätten sich gewünscht, dass eine einheitliche Vorgangsweise vom Bildungsministerium vorgegeben wird, weil dies Schülern und Eltern für den Heimunterricht leichter vermittelbar sei.

Meldung der Schüler an die Bildungsdirektionen

In einem weiteren Erlass schreibt das Bildungsministerium vor, dass Mädchen und Burschen, die Probleme mit dem Lernen daheim haben, "ausnahmslos" kontaktiert werden müssen. Sozialarbeiter, die vom Bildungsministerium bereit gestellt würden, werden angewiesen, mit diesen Schülern, die Schwierigkeiten haben, Kontakt aufzunehmen. Das betrifft zwei Gruppen von Schülern: jene, die Probleme mit der jetzigen Situation des Heimunterrichts seit Mitte März aufgrund der Corona-Krise haben, sowie jene Kinder, die seit Beginn dieses Notbetriebs an den Schulen bisher überhaupt nicht erreicht werden konnten. Die einzelnen Schulen, konkret die Direktorinnen und Direktoren, müssen dazu Meldungen an den Pädagogischen Dienst der jeweiligen Bildungsdirektionen in den neun Bundesländern abgeben. Dabei sind Namen und Kontaktdaten der betroffenen Schüler anzugeben. Die Kontaktaufnahme mit Sozialarbeitern erfolgt mit 1. April.

Der jeweilige Pädagogische Dienst der Bildungsdirektionen muss einen Plan für die Kontaktaufnahmen mit den Erziehungsberechtigten der gemeldeten Schüler erstellen – und zwar in Zusammenarbeit mit Schulpsychologen und den Schulärzten. In der Folge müssen die Eltern über die gesetzlichen Bestimmungen zur Erfüllung der Schulpflicht in Österreich informiert und aufgeklärt werden, vor allem auch über die Pflichten der Schüler während der laufenden Überbrückungsphase mit Heimunterricht. Wenn sämtliche Kontaktversuche scheitern oder die Erziehungsberechtigten nicht zur Kooperation bereit sind, muss die Bildungsdirektion die Kinder- und Jugendhilfe einschalten und informieren. Andernfalls wird der individuelle Unterstützungsbedarf für betroffene Schüler vom Pädagogischen Dienst ermittelt und ein Hilfsplan für pädagogische, psychologische und soziale Fragestellungen erstellt.

Leistungen im Heimunterricht zählen als Mitarbeit für Noten

Für neuen Lernstoff werden im Rahmen von Leitlinien des Bildungsministeriums Checklisten und Hinweise auch für die Eltern für den verlängerten Fernunterricht vorbereitet. Prüfungen wird es bis auf weiteres nicht geben. Aber, so wird von Seiten von Bildungsminister Faßmann betont: "Die im Rahmen der Überbrückungsphase erbrachten Leistungen fließen als Mitarbeit in die Semester- bzw. Jahresbeurteilung mit ein."

Für Schüler, die keine Möglichkeit haben, dem Unterricht online zu folgen, weil sie beziehungsweise ihre Eltern keine Computer oder Laptops haben, wird eine eigene Aktion gestartet. Das Bildungsressort wird in Zusammenarbeit mit Unternehmen für diese benachteiligten Schüler Endgeräte bereitstellen. Die entsprechenden Erhebungen an den einzelnen Schulen sind bereits im Laufen.