Vida-Gewerkschafterin Manuela Guglberger ist zwar "nicht glücklich, aber zufrieden" über den Abschluss, den sie und ihre Kollegin, GPA-djp-Verhandlerin Eva Scherz mit Arbeitgeber-Verhandlungsführer Walter Marschitz für die rund 125.000 Beschäftigten in der Sozialwirtschaft vereinbaren konnten.

Im Drei-Jahres-Abschluss ist für heuer ein Plus von 2,7 Prozent rückwirkend ab 1. Februar 2020 auf alle Arten von Löhnen und Gehältern vereinbart – sowohl das kollektivvertraglich verankerte Minimum, als auch der Ist-Löhne, also jener mit Überzahlung zum Beispiel. Ab 1. Jänner 2021 gibt es für die Beschäftigten eine Abgeltung der Inflationsrate plus 0,6 Prozent Lohnerhöhung. Und ab 1. Jänner 2022 kommt ein Plus von 2,7 Prozent auf alle Zulagen und Zuschläge, zum Beispiel für Sonntagsarbeit. Vor allem aber wird 2022 die Arbeitszeit auf 37 Stunden verkürzt. Die rund 70 Prozent, die in Teilzeit arbeiten, erhalten dadurch mehr Geld, die 30 Prozent in Vollzeit eine Stunde mehr Freizeit. "Und zwar alle, nicht nur in einzelnen Unternehmen", betont die Gewerkschafterin: "Das ist ein Fuß in der Tür."

Corona-Gefahrenzulage für 60 bis 70 Prozent

Für jene, die zwischen 16. März und 30. Juni arbeiten müssen, von der Pflege über die Kinderbetreuung bis hin zur Behindertenarbeit, gibt es 500 Euro Corona-Gefahrenzulage. Diese ist für Scherz ein "Zeichen der Wertschätzung" für die Beschäftigten. Etwa 60 bis 70 Prozent der Beschäftigten würden davon profitieren. "Die Bundesregierung darf diese Gefahrenzulage gerne verdoppeln", sagt Guglberger.

Eine 35-Stunden-Woche, wie sie die Gewerkschaften gefordert hatten, konnten diese also nicht erreichen. GPA-djp-Verhandlerin Scherz sagt aber: "Unsere Forderung nach der Einführung einer 35-Stunden-Woche bleibt natürlich aufrecht und wird in die nächsten Kollektivvertragsverhandlungen aufgenommen." Diese sind erst in drei Jahren geplant: "Wir werden uns jetzt aber nicht drei Jahre lang nicht sehen." Die Gewerkschaften wollen in diesen die Arbeitsbedingungen der Branchen weiter verbessern.

Auch Arbeitgebervertreter sind "erleichtert"

"Erleichtert" und "positiv gestimmt" zeigte sich im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" auch Erich Fenninger, Vorsitzender der Sozialwirtschaft, gleichzeitig Geschäftsführer der Volkshilfe. Fenninger beschreibt sich selbst aber als einer der Arbeitgeber, der "möglicherweise als früherer Sozialarbeiter auch schon vor dem Abschluss jetzt, sehr viel Verständnis für die Gewerkschaftsforderung hatte. Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen", sagte Fenninger. Aber auch Walter Marschitz, der Chefverhandler der Arbeitgeber, ergänzte: "Ich bin erleichtert und freue mich, dass wir jetzt die ganze Kraft in die Bewältigung der Krise stecken können."

Die Kollektivvertragsverhandlungen waren seit November 2019 gelaufen. Am 10. März hätte nach einer ergebnislosen siebenten Verhandlungsrunde ein weiterer Warnstreik stattfinden sollen, der dann kurzfristig abgesagt worden war. Nach der offiziellen Unterbrechung eine Woche später, konnte am Abend des 31. März der Abschluss erzielt werden.

Beschäftigte der Caritas erhalten Erhöhung von 2,7 Prozent

Die Beschäftigten der Caritas sind nicht nach dem Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ), sondern nach einem eigenen KV angestellt. Die Caritas hat als "Anerkennung gegenüber all jenen Kolleginnen und Kollegen, die in diesen Tagen an den unterschiedlichen Stellen der Organisation besonders intensiv gefordert sind", eine einseitige Erhöhung aller Gehälter um 2,7 Prozent beschlossen. Das teilte ein Sprecher am Mittwoch mit.

Die Lohnerhöhung bedeute allerdings nicht, dass es bereits einen Abschluss in den Kollektivvertragsverhandlungen gebe, wurde betont. Verhandlungen könnten derzeit nicht in gewohnten Bahnen stattfinden, bedauerte der Caritas-Sprecher. Die Caritas orientiert sich aber im Normalfall am Verhandlungsergebnis der Sozialwirtschaft. 15.000 Personen sind davon betroffen. Bis Mitte März gab es keine Einigung bei den KV-Verhandlungen der Caritas, seitdem sind sie wegen der Coronakrise ausgesetzt.