Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Donnerstag im Zusammenhang mit den Schutzmaßnahmen für Corona-Risikogruppen erläutert, dass die Identifikation durch die Krankenkassen erfolge. "Diese Daten erarbeiten wir auf Basis der Medikamentierung", sagte Anschober am Donnerstag im Ö1-"Morgenjournal". Für die Risikogruppe gelte ein verpflichtendes Home Office oder bezahlte Dienstfreistellung.

Der Kreis der Betroffenen soll bis zum Wochenende bekannt sein, die Umsetzung der Maßnahme erwartet Anschober nächste Woche. Zur Risikogruppe zählte Anschober ältere Menschen in den Pflegeheimen und Pensionistenheimen, wo es mehr Testungen und Zugangsbarrieren geben solle. Die zweite Gruppe seien Personen, die eine "massiv reduzierte Immunabwehr haben", etwa nach einer schweren Krebserkrankung, nach einer schweren Operation oder einer schweren Diabetes. "Dann wird als nächster Schritt herausgearbeitet: wer hat das allergrößte Risiko."

Die akut Gefährdeten sollten zum Arzt gehen, der die Entscheidung treffe, ob sich die Personen für die Zeit der Coronakrise aus dem Berufsleben zurückziehen sollten. Dort, wo keine Heimarbeit möglich sei, werde es eine bezahlte Freistellung geben. Für andere, nicht ganz so akut gefährdete Menschen könne der Arzt Empfehlungsschreiben ausstellen.

Bisher 92.190 Testungen in Österreich

Bisher hat es in Österreich 92.190 Testungen auf SARS-CoV-2 und damit deutlich mehr, als zuletzt vom Gesundheitsministerium verlautbart wurde, gegeben. Das gab der Gesundheitsminister im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt. Mit gestern, Mittwoch, waren bundesweit knapp 56.000 Testungen ausgewiesen worden.

"Es gibt deutlich mehr Testungen, als in den Tagesmeldungen ersichtlich", sagte Anschober. Als Grund für die Differenz nannte Anschober, dass viele kleine Labors - österreichweit führen mittlerweile über 40 diese Tests auf das Coronavirus durch - noch nicht mit der Schnittstelle verbunden sind, die direkt Daten ins Epidemiologische Meldesystem (EMS) einspeist.

Bonus für 24-Stunden-Betreuerinnen kommt

Die Sozialreferenten der Bundesländer haben sich mit Sozialminister Anschober auf einen einheitlichen Bonus für 24-Stunden-Betreuerinnen geeinigt, die länger in Österreich bleiben und die Betreuung über den bisher fixierten Turnus hinaus verlängern. "Für das Sicherheitsnetz Pflege nimmt der Bund 100 Millionen Euro in die Hand, um drohende Ausfälle durch die Corona-Krise bei den 24-Stunden-Betreuerinnen sowie bei pflegenden Angehörigen auszugleichen. Niemand darf in Österreich Angst haben um seine Pflege, nimmt darf und niemand wird alleine gelassen", versichert der Sozialminister.

Der erste Teil des "Sicherheitsnetzes Pflege", die Telefonhotline der Länder, wird stark nachgefragt: Rund 1000 Anrufer pro Tag haben Fragen, suchen Vorsorge und Unterstützung. In bisher allen Fällen konnten individuelle Hilfen geschaffen werden, heißt es in einer Aussendung des Sozialministeriums.

Im zweiten Teil werden Pflegekräfte gesucht für den Ersatz von Betreuerinnen und Pflegerinnen: Alleine im Bereich der PVA bzw. Sozialversicherungen stehen insgesamt fast 1000 Pflegerinnen, die bisher in Kurhäusern und Rehahäusern gearbeitet haben, zur Verfügung, denen nun seitens der Länder Angebote zur Ersatzpflege gemacht werden können. Anschober: "Unser Ziel ist auch im Fall von Ausfällen die Pflege vor Ort. In Notsituationen bieten sich Pflegehotels oder die derzeit leer stehenden Kur- und Rehahäuser an." (apa, red)