Corona, Schule, Matura und kein Ende: Die Benotung für die gut 40.000 Maturanten bei der Zentralmatura im heurigen Schuljahr hat Verwirrung ausgelöst. Bildungsminister Heinz Faßmann hat nicht nur erklärt, dass die Reifeprüfung wegen der Folgen der Corona-Erkrankungen erst am 25. Mai beginnen wird, sondern auch eine Umstellung bei der Benotung angekündigt. Im Gegensatz zu bisher zählen nicht nur die Ergebnisse der Maturaarbeiten, sondern auch die Noten aus den Leistungen während der 8. Klasse.

In welchem Verhältnis? Die Einrechnung erfolge im Verhältnis 50 zu 50, stellte das Bildungsministerium am Donnerstag auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" klar. Für das Maturazeugnis zählen demnach die Note bei der Klausur und die Leistungsbeurteilung in der 8. Klasse jeweils zur Hälfte. Drei schriftliche Klausuren müssen im heurigen Schuljahr bei der Matura abgelegt werden. Bei einem "Nicht genügend" gibt es Ende Juni die Möglichkeit einer Kompensationsprüfung.

Außerhalb von Österreich ist es in einigen Ländern üblich, wie auch Faßmann betont hat, dass die Jahresnote für die Matura herangezogen wird. In Österreich hat die durch die Corona-Krise erzwungene Umstellung auf das neue System der Benotung bei der Matura nunmehr Testcharakter. Im Büro von Faßmann legte man sich bezüglich der Übernahme des neuen Modus nicht fest: "Wir schauen uns das an, wie sich das bewährt", wurde erklärt.

12.000 IT-Endgeräte für Bundesschulen

Bildungsminister Faßmann gab am Gründonnerstag auch bekannt, dass in den Bundesschulen bis zu 12.000 IT-Endgeräte für Schüler zur Verfügung gestellt werden, die zu Hause über keine entsprechende Ausstattung verfügen. Allerdings werden diese Geräte vom Bund lediglich leihweise gestellt, sie müssen nach Ende des laufenden Schuljahres zurückgegeben werden. Die Kosten für diese Aktion werden mit 5,5 Millionen Euro beziffert.

Differenzen über den Bedarf

Was die Schüler im Alter von sechs bis 14 Jahren im Pflichtschulbereich betrifft, so wurde vom Bildungsminister auf die für diesen Schulsektor zuständigen Bundesländer verwiesen. Gleichzeitig ließ er allerdings wissen, dass bei den Schülern im Alter zwischen sechs und 14 Jahren 6,8 Prozent nach Angabe der Schulleitungen während des seit Mitte März wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen laufenden Heimunterrichts nicht erreicht werden konnten. Ob das auch an der fehlenden technischen Ausstattung liegt, blieb offen.

Umgelegt auf die insgesamt 666.0000 Pflichtschüler in diesem Alter (340.000 an Volksschulen, 206.000 an Mittelschulen und 120.000 an AHS-Unterstufen) wären demnach rund 45.000 Schüler ohne Anschluss und Kontakt zu ihrer Schule.

Das Bildungsministerium kann sich bei den fehlenden IT-Endgeräten auf eine Befragung der Schulleitungen stützen, die von den Bildungsdirektionen in den Bundesländern vorgenommen worden sind. Dabei wurde auch nach im Elternhaus vorhandenen Druckern gefragt, was für Schuldirektoren wegen der knappen Zeit praktisch nicht zu beantworten war. Es scheint aber sicher, dass der tatsächliche Bedarf an IT-Endgeräten bei den Pflichtschülern deutlich über der Zahl von 45.000 liegt. Denn in Kontakten der "Wiener Zeitung" mit Schulleitungen und Lehrern aus Volks- und Mittelschulen in Wien zeigte sich, dass bei der Erhebung an manchen Schulstandorten nur Schätzungen gemeldet worden sind. Darüber hinaus gab es offensichtlich unterschiedliche Ansichten darüber, was als IT-Endgerät gilt. So sehen Schulen Smartphones nicht als solche an, die Schulverwaltung schon. Das bedeutet, dass tatsächlich viel mehr PCs und Tablets in den Haushalten der Schüler fehlen.