Die Ankündigung von Regierungsseite ist schon vor Wochen zur Eindämmung der Folgen der Corona-Erkrankungen erfolgt, jetzt steht die Umsetzung unmittelbar bevor. Insgesamt 67.000 Menschen in Österreich fallen demnach unter die Gruppe der sogenannten Risikopatienten, für die die grassierende Viruserkrankung besonders gefährlich ist. Auf diese Zahl kommt nach verlässlichen Informationen der "Wiener Zeitung" ein Expertenrat im Auftrag des Gesundheitsministeriums. Verbunden mit dieser Einstufung ist insbesondere die Möglichkeit der beruflichen Freistellung oder, wenn dies möglich ist, einer Arbeit im Homeoffice.

Im Büro von Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) wurde am Donnerstag bestätigt, dass die Liste für die Gruppe der Risikopatienten vor der Fertigstellung ist. Anschober selbst hatte zuvor bei einem Presseauftritt erklärt, wichtig sei nun die Phase der Umsetzung, wie man mit Informationen an die betroffenen Personen komme. Diese sollen angeschrieben werden.

Die Vorstellung der Liste der Risikopatienten, wegen der zuletzt vor der Gewerkschaftsbund (ÖGB) zunehmend Druck gemacht hat, war ursprünglich für Freitag geplant. Doch wie die "Wiener Zeitung" am Freitag erfuhr, wird die Liste nun erst Anfang kommender Woche fertiggestellt.

6000 schwere Diabetiker auf der Liste

Mit letztlich 67.000 Patienten dürfte es viele Enttäuschte geben, die sich nach eigener Einschätzung aufgrund der Schwere ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung als Anwärter dafür gesehen haben . Allerdings sind von rund 600.000 Diabetikern nunmehr lediglich rund 6000 Menschen mit besonders schwerer Diabetes in der Liste der Risikopatienten, wie zu erfahren war.

Das letztlich größte Segment der besonders gefährdeten Personen befindet sich in der Altersgruppe der Über-65-Jährigen. Das zeigte sich auch bereits in der Vergangenheit bei der Analyse der Todesfälle durch die Corona-Erkrankungen in Österreich. Dabei handelt es sich mit einem Anteil von 84 Prozent um die Hauptgruppe der Risikopatienten, die allerdings nur mehr selten im Berufsleben steht, womit sich auch die Frage einer Berufsfreistellung oder von Homeoffice nicht mehr stellt. Rund zur Hälfte fallen Bewohner von Pensionistenheimen in die Risikogruppen. Das somit nicht ganz 50.000 der rund 95.000 Menschen, die in Pflege- und Seniorenheimen in Österreich wohnen.

Information an Betroffene ab kommender Woche

Gesundheitsminister Anschober hat den weiteren Weg schon vorgezeichnet. Nach diesem Zeitplan soll in der kommenden Woche die Information der betroffenen Risikopatienten erfolgen. Daneben geht es darum, dass eine Art Checkliste für Mediziner ausgegeben wird, wie sie mit diesen Risikopatienten umgehen sollen.

Für Andreas Huss, Gewerkschafter und oberster Arbeitnehmervertreter in der seit Jahresbeginn 2020 fusionierten Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) kommen die Haupterkenntnisse des Fachbeirats zu den Risikopatienten nicht wirklich überraschend, wie er auf Anfrage erläutert. Das seien eben Menschen über 65 Jahren, die vielfach auch noch mit Begleiterkrankungen zu kämpfen hätten. Was die Bewohner von Seniorenheimen betrifft, so hat Minister Anschober erst am Donnerstagvormittag angekündigt, dass diese nunmehr durchgetestet werden sollen.

Artikel wurde am Freitag aktualisiert.