Wegen der hohen gesundheitlichen Gefährdung durch eine etwaige Corona-Erkrankung werden rund 90.000 Menschen in Österreich als Risikopatienten eingestuft. Sie sollen im Beruf entweder besser geschützt werden, im Homeoffice arbeiten oder, wenn beides nicht möglich ist,  vom Beruf freigestellt werden, wobei letztlich der Bund die Kosten dafür trägt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat am Dienstag mit Sozialpartnervertretern und Ärztekammer die Details nach langem Warten seit Ende März vorgestellt. Die Regelung für Risikopatienten gilt ab 4. Mai.

Binnen weniger Tage kam es dabei noch zu einer Steigerung der Zahl auf rund 90.000 Betroffene, die "Wiener Zeitung" hatte am Samstag von 67.000 berichtet. Der Grund für diese Ausweitung ist vor allem, dass nun doch auch entgegen den ursprünglichen Plänen Beschäftigte in systemrelevanten Bereichen - etwa im Gesundheitswesen oder bei der Exekutive - in die Liste einbezogen werden. Die 90.000 Betroffenen werden noch im Laufe dieser Woche durch ihre Krankenkasse mit einem Schreiben informiert

Wie geht es dann weiter? Risikopatienten sollen dann ab 4. Mai ihren Arzt aufsuchen, damit ein entsprechendes Attest ausgestellt wird. Mit dieser Bescheinigung über die besondere gesundheitliche Gefährdung müssen Risikopatienten zum Dienstgeber gehen. Sie sollen mit diesem einvernehmlich eine Lösung finden, also räumliche Sicherheitsmaßnahmen, Homeoffice oder Freistellung.

Basis war eine Medikamenten-Analyse

Wer kommt in die Liste der Risikopatienten? Eine Expertengruppe hat diese mittels einer Analyse von Medikamenten für bestimmte Erkrankungen erstellt, wobei die Schwere der Krankheit und etwaige andere Krankheiten eine Rolle spielen. So fallen von rund 600.000 Diabetikern nur 6000 schwere Fälle darunter, ebenso nur rund ein Prozent der Menschen mit Bluthochdruck.. Viele Arbeitnehmer, die mit Erkrankungen kämpfen, werden daher enttäsucht sein.

Auch nach der Festlegung der Gruppe der gesundheitlich besonders gefährdeten Personen bleiben Unklarheiten und Fragen. Die Liste wurde auf  Basis von Medikamentendaten der Sozialversicherung erstellt, damit stellen sich jedenfalls auch datenschutzrechtliche Probleme und Fragen. Es ist keine endgültige Liste: Wer etwa erst zuletzt eine Chemotherapie wegen einer Krebserkrankung gemacht hat, könnte in der Liste fehlen, wenn die Medikamente nicht über die Krankenkassen abgerechnet wurden. Solche Menschen müssen sich erst in die Liste hineinreklamieren. Noch ungelöst ist auch, wie mit Angehörigen von Risikopatienten umgegangen wird. Für Kopfzerbrechen sorgt ferner, wenn keine einvernehmliche Lösung im Einzelfall zustandekommt.

Bis 31. Mai mit Verlängerungsmöglichkeit

Die gesetzliche Regelung, die diesen Mittwoch im Nationalrat eingebracht wird, ist zunächst für die Corona-Krise bis 31. Mai befristet. Sie kann über Verordnung von Anschober und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) aber verlängert werden. Für Anschober sind die Kosten offen. Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres stellte klar, es gebe bei Erhalt des Schreibens keine Verpflichtung dies dann beim Arbeitgeber zu nützen. Arbeiterkammerpräsidentin Renate Anderl betonte, dass mit diesem "Katalog" für Risikopatienten eine Orientierung geliefert werde. Wirtschaftskammergeneralsekretär Karlheinz Kopf betonte, es sei um den Schutz der Betroffenen, aber auch um das Verhindern neuer Belastungen für die Arbeitgeber gegangen.