Die "Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes sorgt nach wie vor für Kontroversen. Während die Nutzung der App derzeit rein freiwillig ist, sind im Falle einer Covid-Infektion die Gesundheitsämter für das sogenannte "Contact Tracing" der Kontaktpersonen des Infizierten zuständig. Das funktioniert prinzipiell analog und unabhängig von "Big Data": Ist eine Infektion mit dem Virus bestätigt, wird der Infizierte telefonisch kontaktiert. In einem ausführlichen Gespräch wird versucht, alle "engen Kontaktpersonen" ausfindig zu machen - um diese wiederum zur Isolation aufzufordern. Das sind alle Menschen, die sich für mindestens 20 Minuten mit weniger als einem Meter Abstand zum Erkrankten aufgehalten haben.

Der Ablauf der Rückverfolgung kann auch beinhalten, für einen möglichen Ansteckungszeitraum Tag für Tag der infizierten Person zu rekonstruieren und vom morgendlichen Aufstehen bis zum abendlichen Schlafengehen für jede Uhrzeit zu erfassen, wo sich die Person aufgehalten hat und wem sie dabei begegnet ist.

Kapazitäten der Ämter können rasch erschöpft sein

- © Illustration: adobe.stock/Dimitrios
© Illustration: adobe.stock/Dimitrios

Der Vorgang ist für die Mitarbeiter der Gesundheitsämter also äußerst aufwendig. Und je nachdem, wie hoch die Zahlen der Neuerkrankungen gerade sind, können die Kapazitäten der Ämter damit rasch erschöpft sein. Die ursprüngliche Ankündigung der Regierung, wonach Polizisten die Gesundheitsämter beim Nachverfolgen infizierter Patienten unterstützen sollen, wurde angesichts der sich entspannenden Ansteckungszahlen aber vielerorts nicht umgesetzt.

Mit der jüngsten Entwicklung der Zahlen seien die zuständigen Mitarbeiter bei der Nachverfolgung bei weitem nicht überfordert, heißt es etwa aus dem Büro von Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zur "Wiener Zeitung". Unterstützung der Polizei sei bisher nicht nötig gewesen.

Im stark betroffenen Bundesland Tirol gab es in der intensiven Ansteckungszeit indessen einiges an Unterstützung der Exekutive beim "Tracing". "Rund um Ischgl waren Polizeibeamtinnen und -beamte im Einsatz, die bereits Erfahrung mit derartigen Befragungen hatten", heißt es auf Nachfrage aus dem Amt der Tiroler Landesregierung. Insgesamt würden in Tirol seitens der Behörden rund 500 Personen für das Tracing eingesetzt.

Allein mit den Mitarbeitern der Gesundheitsämter findet man für das Tracing-System aber trotz sinkender Infektionsraten auch in anderen Bundesländern nicht das Auslangen, wie ein Rundruf der "Wiener Zeitung" zeigt. Ebenso wie in Tirol wurden etwa auch in Vorarlberg und Kärnten Landesbedienstete speziell für das Ausfindigmachen der Kontaktpersonen eingeschult.

"Aktuell haben wir dafür rund 50 Personen im Einsatz", sagt Martina Rüscher, Vorarlberger Gesundheitslandesrätin von der ÖVP, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Sie alle arbeiten im sogenannten Containment Center, das man nach dem ersten bestätigten Fall im März mit Unterstützung des Bundesheers eingerichtet hat. Insgesamt 30 Personen holte man dafür aus dem Amt der Vorarlberger Landesregierung zusammen. Nur sechs davon kommen tatsächlich aus den Gesundheitsabteilungen, der Rest sei von Ärzten eingeschult worden. Auch Grundwehrdiener waren mittels Assistenzleistung des Bundesheeres für das Tracing im Einsatz.

Können "in der Stunde" wieder abgezogen werden

Trotz des starken Rückgangs der Covid-Zahlen müsse das Containment Center weiter gut ausgestattet bleiben, um sofort reagieren zu können, wenn die Infektionszahlen wieder stiegen, sagt Rüscher. Aktuell werde der Grundstock der 30 Personen leicht zurückgefahren, einige von ihnen arbeiten wieder in ihren eigentlichen Abteilungen. Dieselben Personen könnten bei Beginn einer neuen Infektionswelle aber "in der Stunde" wieder abgezogen und ins Containment Center versetzt werden. Die "Lessons Learnded" aus der ersten Infektionswelle seien dabei äußerst nützlich, sagt Rüscher. Vor allem, alle Kapazitäten an einem zentralen Ort zusammengezogen und die Zuständigkeiten nicht in den Ämtern der Bezirksverwaltungsbehörden belassen zu haben, sei ein Schlüssel gewesen.

Die Wichtigkeit der Vorbereitung auf eine zweite Welle betont auch Rüschers Amtskollegin in Kärnten gegenüber der "Wiener Zeitung". Die Abklärung der Kontaktpersonen habe in Kärnten aufgrund der relativ niedrigen Infektionszahlen ohne größere Auslastungsprobleme funktioniert, sagt Beate Prettner, Landeshauptmann-Stellvertreterin und Gesundheitslandesrätin (SPÖ) in Kärnten. Entscheidend sei nun vor allem, die Zeit der wenigen Neuinfektionen zum Auffüllen der Lagerbestände zu nützen, um auch bei steigenden Zahlen künftig über genügend Schutzkleidung zu verfügen.