Im Konflikt zwischen Bildungsminister Heinz Faßmann und Vertretern der Lehrergewerkschaft wurde jetzt ein Ausweg gefunden. Demnach wurde im Laufe des 1. Mai ein Schreiben an die Schuldirektoren ausgeschickt, das der "Wiener Zeitung" vorliegt.  Darin werden die Schulleitungen nun gemeinsam ersucht, an den beiden Freitagen nach Christihimmelfahrt und Fronleichnam Unterricht zu halten.

Der Bildungsminister hatte bei der Vorstellung des Etappenplans zur Öffnung der Schulen  im Laufe des Mai in der Vorwoche den Unterricht an diesen beiden Fenstertagen, die je nach Schule autonom unterrichtsfrei sein können, als verpflichtend angekündigt. Daraufhin gab es Proteste der Lehrergewerkschafter, die sich übergangen gefühlt haben. Außerdem wiesen die Lehrervertreter darauf hin, dass ein geltendes Bundesgesetz den Bundesländern die Möglichkeit einräumt, die jeweiligen unterrichtsfreie Tage festzulegen. Faßmann und die Bundesregierung hätten somit formal im Nationalrat eine Gesetzesänderung beschließen lassen müssen, um Unterricht an den beiden Freitagen verpflichtend an allen Schulen anzuordnen.

Unterschiedliche Folgen für Lehrer

Der Zorn der Lehrer war auch darin begründet, dass man eine Reihe von Schulen bereits autonom entschieden hatte, zwei autonome unterrichtsfreie Tage bereits im Herbst 2019 zu nützen. Pädagogen in jenen Schulen, die die beiden autonomen Tage an den Freitagen nach Christihimmelfahrt und Fronleichnam festgelegt haben, wären hingegen um diese freien Tagen umgefallen.

Das mit 1. Mai 2020 datierte Schreiben ist nicht nur von Minister Faßmann, sondern auch von den Chefs der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer, Paul Kimberger, der AHS-Lehrer, Herbert Weiss, sowie der Berufsbildenden mittleren und Höheren Schulen, Roland Gangl, unterzeichnet worden. Darin wird eingeräumt und zugleich in höflicher Bitte appelliert, dass in vielen Schulen der 22. Mai und der 12. Juni als schulautonome Tage frei gegeben waren. "Wir  ersuchen Sie dennoch, dass Sie an diesen Tagen regulären Unterricht durchführen", heißt es wörtlich: "Es ist uns bewusst, dass diese freiwillige Leistung wieder einmal viel von Ihnen abverlangen wird."

Mitteilung bis Dienstag, 5. Mai

Man müsse die Zeit wegen der Corona-Krise in den Schulen nun bestmöglich nützen. Daher seien auch diese beiden Freitage wichtig. Man wolle aber von gesetzlichen Änderungen absehen und vertraue auf die "Einsatzbereitschaft, die Sie schon bisher an den Tag gelegt haben". Die Schuldirektoren sollten dennoch bis Dienstag, 5. Mai, um 12 Uhr den Bildungsdirektionen mitteilen, wie die Entscheidung über den Unterricht an den beiden Fenstertagen ausgefallen sei. Das zeigt auch, wie groß der Zeitdruck bereits war und ist. Denn gleichzeitig sollen die Schulleitungen schon am Montag die Stundenpläne fertig eingeteilt haben. Faßmann hatte mit der Gewerkschaft seit Montag dieser Woche nach einem Kompromiss gesucht.

Vorsorglich wird den Lehrerinnen und Lehrern bereits Dank abgestattet. Mit dem Unterrichten an den beiden Tagen würden diese "den Wert der Bildung" unterstreichen und den Schülern helfen. "Wir danken, dass wir auf Sie zählen können", heißt es abschließend in dem Brief.