Mit dem am 1. Mai erzielten Kompromiss, wonach die Lehrer an den Fenstertagen nach Christi Himmelfahrt und Fronleichnam "freiwillig" unterrichten sollen, sind die Wogen an den Schulen keineswegs überall geglättet. Im Gegenteil: In Wien gibt es von Seiten der Direktoren an den Pflichtschulen im 13. und 23. Bezirk ein Zeichen des gemeinsames Protests wegen der "skandalösen" Vorgangsweise: Man werde an beiden Fenstertagen unterrichtsfrei geben, wie aus einem Schreiben hervorgeht, das der "Wiener Zeitung" vorliegt.

Bildungsminister Heinz Faßmann und die Spitze der Lehrergewerkschaften mit dem Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft, Paul Kimberger, haben am Feiertag, wie von der "Wiener Zeitung" online berichtet, eine Einigung erzielt. Sie appellierten in einem gemeinsamen Brief an die Direktoren, die Lehrer sollten freiwillig an den beiden Fenstertage am 22. Mai und 12. Juni unterrichten. Eine gesetzliche Regelung werde es nicht geben. Dieser Kompromiss wurde erzielt, nachdem Faßmann zuvor im Alleingang angekündigt hatte, die beiden unterrichtsfreien Tage würden wegen der Corona-Krise heuer gestrichen, was bei Lehrervertretern und Pädagogen für Verärgerung sorgte.

Mit "enttäuschten Grüßen" wenden sich nun die Leiterinnen und Leiter der Pflichtschulen in den beiden Wiener Bezirken schriftlich an die Bildungsverantwortlichen und die Pflichtschullehrergewerkschaft, um ihre Meinung zu äußern. Darin wird auf die Chronologie des Vorgehens bei den Fenstertagen von der Ankündigung des Bildungsministers am 24. April über die mehrtätige "Funkstille" bis zur Information ausgerechnet am Staatsfeiertag an die Schulen hingewiesen. Diese Vorgangsweise halten die Schuldirektoren der Pflichtschulen in Hietzing und Liesing für "skandalös".

Enttäuschung über die Vorgangsweise

Alle Pädagogen seien, so heißt es in dem Direktoren-Schreiben, "sehr enttäuscht". Denn die Lehrer hätten immer das Wohl der Schüler im Auge. Man halte die Vorgangsweise für "skandalös".

Als Zeichen des Protests würden die beiden Freitage nach Christi Himmelfahrt und Fronleichnam daher unterrichtsfrei gehalten, teilen die Schulleiter aus Hietzing und Liesing mit. Formal besteht für sie diese Möglichkeit. Sie müssen laut dem Kompromiss zwischen Bildungsminister und Lehrergewerkschaft die Entscheidung bis Dienstag um 12 Uhr der jeweiligen Bildungsdirektion mitteilen.